Eine Frau schiebt eine andere Frau im Rollstuhl durch eine leere Straße vorbei an geschlossenen Geschäften.
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Von der Normalität ist Spanien weit entfernt. Aktuell kämpft das Land gegen die vierte Corona-Welle.

Aktuelle Lage

Corona in Spanien aktuell: Janssen bremst Impfung aus - Vierte Welle nimmt an Fahrt auf

  • Judith Finsterbusch
    vonJudith Finsterbusch
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Die gestoppte Auslieferung des Janssen-Impfstoffs wirft Spanien beim Impftempo zurück. Unterdessen schwappt die vierte Corona-Welle über das Land.

Madrid - Kaum machte sich in Spanien so etwas wie Optimismus trotz der anschwappenden vierten Corona-Welle breit, kam auch schon wieder ein Dämpfer. Noch am Montag verkündete eine hinter der Maske freudestrahlende Gesundheitsministerin Carolina Darias, dass am „ganz frühen Mittwochmorgen“ die ersten 300.000 Impfdosen des Herstellers Johnson & Johnson eintreffen würden. Keine 24 Stunden später gab der US-amerikanische Hersteller bekannt, dass er die Auslieferung seines Janssen-Impfstoffs in Europa stoppt.

  • Aktuelle Corona-Zahlen in Spanien, Stand 13. April
  • 14-Tages-Inzidenz Spanien gesamt: 196 (6. April 165, 30. März 147), Andalusien 212 (156, 130), Balearen 59 (64, 67), Kanarische Inseln 135 (122, 130), Murcia 69 (65, 56), Region Valencia 36 (33, 27).
  • Anteil positiver Corona-Tests in Spanien gut acht Prozent (Stand 8. April, 0.8 Punkte mehr als vor einer Woche).
  • Covid-Todesfälle in Spanien binnen sieben Tagen: 251 (6. April 237, 30. März 265), in Valencia 8 (4, 9) Menschen wegen Covid-19, in Andalusien 24 (41, 52), in Murcia 1 (10, 7), in Madrid 54 (68).
  • Covid-19-Patienten in Krankenhäusern: In Spanien insgesamt 9.953 (8. April 9.463), davon 2.405 (2.005) Neueinweisungen binnen sieben Tagen. 2.152 (1.990) Patienten liegen auf Intensivstationen.
  • Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten in Spanien: 21,6 Prozent, drei Punkte mehr als vor zwei Wochen.
  • Stand der Corona-Impfung: Elf Millionen Impfdosen wurden bislang verabreicht. 3,1 Millionen Personen erhielten bislang beide Impfdosen, das sind 6,6 Prozent der Bevölkerung. Mindestens eine Dosis bekamen 17 Prozent der Bürger.

Corona in Spanien aktuell: 42 Millionen Impfdosen von Janssen bestellt

Grund sind sechs Fälle schwerer Thrombosen nach Janssen-Impfungen in den USA bei jungen Frauen. Eine der Betroffenen starb, eine weitere liegt in kritischem Zustand im Krankenhaus. Bei knapp sieben Millionen Janssen-Geimpften in Amerika ist der Anteil der schweren Komplikationen zwar verschwindend gering, dennoch empfahlen die Gesundheitsbehörden in den USA, die Impfung vorübergehend zu stoppen. Johnson & Johnson reagierte sofort und stoppte die Auslieferung seines Corona-Schutzes nach Spanien und in die ganze EU.

42 Millionen Janssen-Impfdosen hat Spanien insgesamt bestellt, 5,5 Millionen sollten bis Ende Juni ankommen. Endlich sollte das Impftempo anziehen, zumal bei Janssen nur eine Dosis nötig ist. Mit der verzögerten Auslieferung – bevor ein neues Datum bekannt gegeben wird, will Johnson & Johnson erst die laufenden Untersuchungen zu Zusammenhängen zwischen Impfung und Thrombosefällen abwarten – stolpert Spanien also zusammen mit der EU über den nächsten Stein der holprigen Corona-Impfkampagne.

Corona in Spanien aktuell: Was wird aus der zweiten AstraZeneca-Dosis?

Auch der Bericht der Europäischen Medikamentenagentur EMA über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung mit AstraZeneca und schweren Thrombosefällen lässt die Ankündigung Pedro Sánchez’, bis Ende August seien 70 Prozent der Spanier geimpft, allzu optimistisch wirken. AstraZeneca wird in Spanien jetzt nur noch Personen zwischen 60 und 69 Jahren verabreicht, und damit stellt sich die große Frage, was mit all den Angestellten aus systemrelevanten Sektoren passiert, die eine erste Dosis AstraZeneca bekommen haben, aber unter 60 sind.

Drei Möglichkeiten stehen im Raum: Die zweite Dosis fällt weg, die zweite Dosis erfolgt mit dem Impfstoff eines anderen Herstellers oder freiwillig mit AstraZeneca. Mit der Antwort auf die Frage kann sich das Gesundheitsministerium in Spanien noch ein wenig Zeit lassen, zwischen beiden Spritzen sollen zwölf Wochen vergehen – und wer weiß, wie der aktuelle Corona-Stand in drei Monaten ist.

Corona in Spanien aktuell: Fast alle über 80-Jährigen zumindest einmal geimpft

Immerhin, es gibt auch eine gute Nachricht: 90 Prozent der über 80-Jährigen haben in Spanien mindestens eine Corona-Impfdosis bekommen, in einigen Comunidades Autónomas wie der Region Valencia liegt die Quote sogar bei 100 Prozent. Die Impfung der 70- bis 79-Jährigen schreitet voran und Gesundheitsministerin Carolina Darias bemüht sich, mit Gebetsmühlen gegen die Impfverwirrung zu halten: „Die Impfstoffe sind sicher, effizient und sie retten Leben. Das beweisen Tatsachen wie die rückläufige Sterberate in den Seniorenresidenzen“, betont sie.

38 Millionen Impfdosen der vier Hersteller – Janssen einbezogen – sollen bis Ende Juni in Spanien eintreffen, im Vergleich zu zehn Millionen in den ersten drei Monaten des Jahres. Allein Pfizer will im April 1,2 Millionen Impfdosen pro Woche liefern.

Der Stopp der Janssen-Auslieferung hat auch das Corona-Impftempo in Spanien verlangsamt.

Dennoch, Spanien blickt pessimistisch in die nähere Zukunft. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Ipsos halten 45 Prozent der Spanier es für unwahrscheinlich, dass ihr Leben innerhalb der nächsten zwölf Monate wieder so ähnlich aussehen könnte wie vor der Corona-Pandemie. Nur die Italiener sind bei den Befragten aus 30 Ländern noch pessimistischer: Hier glauben 47 Prozent nicht an eine baldige Normalität.

Corona in Spanien aktuell: Vierte Welle holt Regionen ein

Bis es soweit ist, muss Spanien so oder so erst einmal die vierte Corona-Welle überwinden, die über das Land schwappt und erste Regionen schon eingeholt hat. Navarra ist mit einer 14-Tages-Inzidenz von 426 (Stand 13. April) aktuell Spitzenreiter, gefolgt von Madrid (341) und dem Baskenland (330). Doch auch Andalusien liegt mit einer Inzidenz von 212 über dem spanischen Durchschnitt von 196, Tendenz stark steigend – dabei fehlen noch die Daten vom Dienstag, die Sevilla wegen technischer Probleme nicht melden konnte. 69 Gemeinden sind aktuell wegen einer Inzidenz jenseits der 500 abgeriegelt. Sorgen bereitet auch die Ausbreitung von Virusvarianten, am Freitag bestätigten die Behörden den ersten nachgewiesenen Fall der brasilianischen Variante in Andalusien, mindestens 16 Betroffene haben sich mit der neuen Mutation B1258 infiziert.

Die Impfstoffe sind sicher, effizient und sie retten Leben.

Carolina Darias, spanische Gesundheitsministerin

Murcia trotzt mit 69 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen 14 Tagen dem landesweiten Durchschnitt, Sorgen bereitet den Behörden aber der Anstieg der Neuinfektionen bei jungen Leuten. Dennoch, seit Mittwoch dürfen die Murcianer eine Stunde länger draußen unterwegs sein, die Corona-Sperrstunde greift jetzt erst ab 23 Uhr. Auf Barterrassen dürfen wieder sechs Gäste an einem Tisch sitzen, und zu Hause können sich bis zu vier Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen.

Corona in Spanien aktuell: Valencia mit niedrigster Inzidenz

Valencia hat sich unterdessen seinen Ruf als Corona-Musterschüler zurück erobert, eine 14-Tages-Inzidenz von 36 kann sonst niemand in Europa vorweisen, betonte Ministerpräsident Ximo Puig jüngst vor der Presse. Für seine Landesregierung ist das Erfolgskonzept klar: Strenge Regeln auch über Ostern gepaart mit dem Fortschreiten der Impfkampagne.

Die Lockerungen der Corona-Auflagen kommen in Valencia häppchenweise, seit Montag darf man in Valencia erstmals seit Monaten wieder Besuch von einem anderen Hausstand zu Hause empfangen, und im öffentlichen Raum – also auch an einem Restauranttisch – können bis zu sechs statt bislang vier Menschen zusammenkommen. Auch das Besuchsverbot in durchgeimpften Altersheimen ist gelockert. Es bleibt aber mindestens bis 25. April bei der nächtlichen Ausgangssperre von 22 bis 6 Uhr, beim Zapfenstreich für die Gastronomie um 18 Uhr und beim Ladenschluss für nicht systemrelevante Geschäfte um 20 Uhr.

Corona in Spanien aktuell: Reisefreiheit nach 9. Mai noch offen

Klar geregelt ist in Spanien mittlerweile die Maskenpflicht nach dem Hin und Her um das neue Gesetz: Der Mund-Nasenschutz muss praktisch immer und überall getragen werden, bis auf folgende Ausnahmen: Einzelsport oder andere körperliche Betätigungen im Freien, Wassersport, Baden im Meer, Pool, Flüssen oder Seen, Sonnenbaden am Strand oder anderen Badestellen, sofern dabei eineinhalb Meter Sicherheitsabstand gewährleistet sind. Sowohl auf dem Weg zum abgesteckten Stück Sand als auch beim Spaziergang am Ufer bleibt es bei der Corona-Maske.

Unklar ist dagegen noch, wie es in Spanien nach dem 9. Mai weitergehen soll, wenn der Notstand ausläuft und wie von Ministerpräsident Pedro Sánchez angekündigt auch nicht verlängert wird. Nicht nur etlichen Zentralspaniern, sondern auch ausländischen Residenten brennt vor allem die Frage unterm Nagel, wann sie wieder problemlos von Deutschland nach Spanien reisen und zu ihren Ferienhäusern an die Mittelmeerküste fahren können, wann also die Abriegelung der Regionen aufgehoben wird. Beim Thema Reisefreiheit innerhalb von Spanien kocht jede Landesregierung ihr eigenes Süppchen. Madrid etwa ist - zumindest theoretisch - schon wieder geöffnet, die Balearen und Kanaren auch.

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