Viele junge Menschen stehen auf der Straße in einer Schlange.
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Spanien impft aktuell die Jugend: In Murcia stehen Jugendliche zur Corona-Spritze an.

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Corona in Spanien aktuell: Inzidenz sinkt, fünft Welle flacht ab - 293 Tote

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Die fünfte Corona-Welle flacht in Spanien ab, die Inzidenz geht deutlich zurück. In den Krankenhäusern aber ist die Entspannung aktuell noch nicht angekommen.

Endlich sind sie da, die Bilder der Jugendlichen. Und zwar nicht, wie sie nachts am Strand in Massen feiern, sondern wie sie brav Schlange stehen, um geimpft zu werden. Einige Regionen in Spanien haben mit der Covid-Impfung der Altersgruppe von zwölf bis 19 Jahren begonnen, darunter Murcia, die Balearen, Aragón und die Kanaren. In Andalusien können Jugendliche immerhin schon den Impftermin vereinbaren, die Region Valencia will ab kommender Woche die ersten 16- bis 18-Jährigen gegen Corona spritzen.

Corona in Spanien aktuell: Mal wieder über den Berg

Spanien scheint wieder über den Berg zu sein, zum fünften Mal. Die Inzidenzen gehen zurück, sowohl auf 14 Tage, als auch auf sieben Tage – allerdings sehr langsam. „Die Lage hat sich stabilisiert, aber wir verzeichnen nach wie vor sehr hohe Zahlen bei den Neuinfektionen“, sagte María José Sierra, Gebietsleiterin vom spanischen Koordinationszentrum für sanitäre Notfälle am Montag. So kommen aktuell 615 Corona-Fälle auf 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen, der Sieben-Tages-Wert liegt bei 256. Ein deutlicher Rückgang im Vergleich zur Vorwoche mit einer Inzidenz von 700 binnen zwei Wochen.

Allerdings stieg die Zahl der Covid-19-Patienten, die ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen, bis Mittwoch weiterhin an. 10.004 Menschen werden aktuell in Spanien stationär behandelt, 1.925 davon auf Intensivstationen. Und die schlimmste Zahl: 325 Personen starben binnen sieben Tagen mit Covid-19 in Spanien. Zahlen, die zwar deutlich niedriger sind als in den vorangegangenen vier Wellen, aber durch die extrem vielen Neuinfektionen kommt es dann eben doch zu einem gewissen Anteil mit schwerem Verlauf.

Noch keine Entwarnung: Corona-Ansteckungsgefahr in Spanien weiterhin hoch

Sierra warnte davor, die sinkenden Zahlen in Spanien als Entwarnung zu sehen. „Der Anteil der positiven Corona-Tests liegt seit Mitte Juli kontinuierlich bei über 15 Prozent, bei den unter 40-Jährigen sind es etwa 20 Prozent. Das Virus breitet sich weiterhin aus und die Ansteckungsgefahr ist nach wie vor hoch“, so die Expertin.

Die Strände, Autobahnen, Restaurants, Supermärkte und Einkaufszentren sind trotzdem voll, am ersten Augustwochenende strömten massenweise Spanier an die Küsten und sorgten in einigen Badeorten für Belegungszahlen wie vor der Pandemie. Viele nationale Touristen schrecken vorm Sommerurlaub im Ausland zurück und buchen lieber Ferien in Spanien. Dazu kommen internationale Urlauber, die weder verschärfte Einreisebestimmungen für die Rückkehr, noch hohe Inzidenz-Zahlen vor Ort vom Urlaub auf Mallorca, den Kanaren oder in den Küstenorten auf dem Festland abhalten.

Spanien hatte Corona seit Oktober nie richtig unter Kontrolle

So hat etwa Deutschland seine Einreisebestimmungen zum August geändert: Bei Einreise aus dem Ausland muss jetzt jeder ab zwölf Jahren immer einen Nachweis über Impfung, Genesung oder negativen Corona-Test vorlegen können – unabhängig davon, aus welchem Land er einreist und ob die Einreise mit dem Flugzeug, im Auto, der Bahn oder dem Reisebus erfolgt. Neu ist ebenso, dass Deutschland nur noch zwei Risikostufen vergibt: Hochrisikogebiet und Virusvariantengebiet, das einfache Risikogebiet ist abgeschafft. Spanien ist aktuell als Hochrisikogebiet ausgewiesen.

Eine ernüchternde Nachricht kommt für Spanien aus Europa: Laut der Ampel des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hatte das Land die Corona-Pandemie in fast einem Jahr zu keinem Zeitpunkt so richtig unter Kontrolle. Seit Oktober vergibt das ECDC Ampelfarben je nach Infektionsgeschehen. Im Gegensatz zu den anderen EU-Ländern war Spanien seitdem bis auf einige wenige Regionen fast durchgehend rot oder orange gefärbt und hatte somit ein hohes bis sehr hohes Risiko. Nur Galicien, Balearen und die Region Valencia standen mehrere Wochen auf Grün mit einem niedrigen Risiko. Andalusien dagegen kam nie auch nur auf Gelb und somit eine moderate Ansteckungsgefahr - aktuell bessert sich die Corona-Lage aber auch an der Costa del Sol.

Corona in den Griff bekommen: Regionen in Spanien hängen von Gerichten ab

Ampel hin oder her, die einzelnen Regionen versuchen weiterhin, die Lage vor Ort in den Griff zu bekommen und brauchen für drastische Einschränkungen seit Ende des Notstands die Unterstützung des zuständigen Oberlandesgerichts. So ist in Marbella und Estepona seit letztem Freitag für vorerst eine Woche wieder eine nächtliche Ausgangssperre von 2 bis 7 Uhr in Kraft, weil die 14-Tages-Inzidenz 1.000 Neuinfektionen überstieg. Das Oberlandesgericht in Andalusien genehmigte die Maßnahme der Landesregierung, da die Intensivstationen der örtlichen Krankenhäuser als ausgelastet gelten. In der Region Valencia gilt schon seit zwei Wochen wieder eine nächtliche Ausgangssperre in 77 Gemeinden.

Anders in Kantabrien. Dort gibt das Gericht dem Einspruch des Verbands des Gastgewerbes statt und hebt die Schließung der Innenbereiche von Bars und Restaurants in 19 Kommunen auf, die aufgrund der starken Ausbreitung des Coronavirus die dritte Warnstufe erreicht haben. Auch in Asturien stoppt das Gericht die beantragte nächtliche Ausgangssperre in acht Bezirken mit starker Ausbreitung des Coronavirus.

Nur noch mit Impfung oder Test ins Restaurant

Derweil erreichen in Galicien sieben große Städte die dritte Warnstufe, ab der Nachtlokale ihre Innenräume schließen müssen und keine sozialen Treffen von 1 bis 6 Uhr stattfinden dürfen. Ferner verlangt Galicien als erste Region in Spanien von seinen Bürgern ein Impfzertifikat oder einen Testnachweis, um die Innenräume von Gastronomielokalen betreten zu können. Ähnliche Maßnahmen scheiterten in Kantabrien und auf den Kanarischen Inseln an den Gerichten.

Spanien ist trotz der aktuellen Corona-Lage in Urlaubs-Laune - inklusive König Felipe.

In Katalonien, dem bisherigen Sorgenkind der fünften Welle, geht die Inzidenz derweil deutlich zurück, sie liegt „nur“ noch bei 710 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen – kein Vergleich zu den Werten weit jenseits der 1.000 noch vor wenigen Wochen.

Impfung in Spanien: Zusätzliche Dosen bestellt

Während die fünfte Welle ausgerechnet in den Hochsommer fallen musste, setzt Spanien alles daran, um im Herbst besser gegen Corona gewappnet zu sein. Ministerpräsident Pedro Sánchez hat deshalb 3,4 Millionen zusätzliche Impfdosen von BioNtech-Pfizer für den gesamten August bestellt, die ersten 1,25 Millionen davon wurden diese Woche an die Landesgesundheitsministerien ausgeliefert. Damit rückt das Ziel, bis Ende August 70 Prozent der spanischen Bevölkerung durchgeimpft zu haben, tatsächlich in greifbare Nähe.

Einen Rückschlag erleidet dagegen die Entwicklung eines spanischen Impfstoffs gegen Covid-19. So hat die spanische Agentur für Medikamente vorerst keine Genehmigung für die erste Testphase mit Freiwilligen erteilt, die für August angesetzt war. Medienberichten zufolge liegt der Grund bei Lungenerkrankungen an einem Versuchstier.

Impf-Nebenwirkungen bei Frauen: Studie zum Einfluss auf Zyklus

In die Schlagzeilen gerieten dieser Tage auch Impf-Nebenwirkungen bei Frauen. So hat eine Hebamme aus Granada eine Umfrage unter knapp 3.000 geimpften Frauen durchgeführt, von denen 51,2 Prozent nach der Impfung Veränderungen im Menstruationszyklus beobachtet haben. Die Ergebnisse der Umfrage wurden an die spanische Medikamentenaufsicht weitergeleitet. Dort gingen bislang 24.500 Meldungen über Sekundäreffekte ein – 80 Prozent davon kommen von Frauen.

Die Uni Granada will nun mit einer Studie herausfinden, inwieweit die Impfung Einfluss auf den Menstruationszyklus und den Hormonhaushalt von Frauen nimmt. Dass Frauen eher unter Impf-Nebenwirkungen leiden als Männer, ist unterdessen nicht neu und liegt am komplexeren Immunsystem. Studien, die spezifisch das Geschlecht berücksichtigen, gibt es bislang aber kaum.

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