Zwei Menschen gehen an einem Graffiti zum Thema Corona vorbei.
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Es ist noch nicht vorbei mit Corona in Spanien: Dennoch endet der Notstand am 9. Mai und macht Pfingst-Urlaub möglich.

Covid-19 in Spanien

Corona in Spanien aktuell: Pfingst-Urlaub möglich, Impfung knackt Fünf-Millionen-Marke, vierte Welle flacht ab

  • Judith Finsterbusch
    vonJudith Finsterbusch
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Am 9. Mai endet der Corona-Notstand in Spanien. Wie es danach weitergeht, wird erst kurzfristig entschieden. Pfingst-Urlaub wird aber zumindest in einigen Regionen möglich sein. Bei der Impfung hat Spanien diese Woche eine wichtige Marke geknackt.

Eigentlich, so mahnen Experten, ist es einen Tacken zu früh für die Rückkehr zur „Normalität“ in Spanien. Noch zwei Wochen sollte man abwarten, dass die vierte Welle auch in den stärker betroffenen Regionen vor allem im Norden des Landes und rund um die Hauptstadt wieder abflacht. Wer will schon, dass die Basken mit ihrer aktuellen 14-Tages-Inzidenz von 478 (Stand 5. Mai) oder die Madrilenen mit über 300 jetzt das Virus an die Costa Blanca mit ihren so bequemen 42 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohnern schleppen?

Corona in Spanien aktuell: Notstand endet am 9. Mai

Doch versprochen ist versprochen, und eine weitere Verlängerung wäre der Bevölkerung kaum zu vermitteln: Am 9. Mai endet der Notstand und Spanien startet einen neuen Versuch, zur Normalität zurückzukehren. Damit hat die Regierung zumindest theoretisch kein Instrument mehr in der Hand, um Corona-Auflagen, die Grundrechte wie die Bewegungsfreiheit einschränken, durchzusetzen. Theoretisch. Schließlich will aktuell niemand, dass „wir von einem Tag auf den anderen die Bremse komplett lösen“, wie es Valencias Vizeministerpräsidentin Mónica Oltra am Dienstag ausdrückte.

Ebenfalls am Dienstag änderte denn auch die Zentralregierung ein Dekret, um den Landesregierungen zumindest eine gewisse rechtliche Sicherheit für die Durchsetzung von Corona-Auflagen über den Notstand hinaus zu geben. Jetzt ist gewährleistet, dass der Oberste Gerichtshof schnell das letzte Wort über Einsprüche gegen Corona-Auflagen hat. Klagen gehen zwar weiterhin erst an das jeweilige Oberlandesgericht. Schmetterte dieses die Einschränkungen ab und zog die Landesregierung in der Folge vor den Obersten Gerichtshof in Madrid, konnte es bislang Wochen und Monate dauern, bis dort ein endgültiges Urteil gefällt wurde. Das soll jetzt binnen weniger Tage möglich sein.

Corona in Spanien aktuell: Pfingstferien sind möglich

Endgültige Entscheidungen, wie es in den einzelnen Regionen nach dem 9. Mai weitergehen soll, werden erst kurz vor knapp gefällt. Am Mittwoch kam Gesundheitsministerin Carolina Darias mit den Landesministern zusammen, um ein möglichst einheitliches Vorgehen festzulegen. Valencias Ministerpräsident Ximo Puig hatte bereits im Vorfeld zugesichert, dass seine Region ab dem 10. Mai geöffnet sein wird: Dann können etwa auch Ferienhausbesitzer wieder bis zur Costa Blanca fahren. Pfingstferien in Spanien sind also auch mit dem Auto möglich. Zumal sich Katalonien, Castilla La Mancha und La Rioja ähnlich geäußert haben. Die Balearen, Kanaren und Madrid sind bereits wieder geöffnet.

In der Region Valencia will die Landesregierung aber an der nächtlichen Ausgangssperre festhalten, hier kommt für Puig höchstens eine Verkürzung infrage. Aktuell darf sich niemand von 22 bis 6 Uhr draußen aufhalten, ab Montag greift die Sperrstunde vermutlich erst ab 23 oder 0 Uhr. Alles Weitere will die valencianische Regierung erst am Samstag, 8. Mai, konkretisieren – auf costanachrichten.com werden die Beschlüsse zeitnah veröffentlicht.

Corona in Spanien aktuell: Wie es in Andalusien weitergeht

Andalusien hat bereits am Wochenende einen großen Sprung Richtung Normalität gemacht: Seit Mitte Januar sind erstmals die Provinzen wieder geöffnet, Bewohner aus Córdoba und Granada konnten sich jetzt wieder an den Strand legen, der große Ansturm blieb jedoch aus. Eine gute Nachricht auch für die Hoteliers, die früher als geplant schon im Laufe des Mais wieder öffnen wollen. Wie es in der Region nach dem 9. Mai weitergeht, ist noch nicht abzusehen, Entscheidungen dazu werden kurzfristig gefällt. Unterdessen sinkt die Inzidenz in Andalusien weiter und liegt aktuell bei 198, wobei es nach wie vor starke Unterschiede zwischen den einzelnen Provinzen gibt.

In Murcia lautet die Devise trotz einer niedrigen 14-Tages-Inzidenz von 72: An der Costa Cálida soll alles so bleiben wie gehabt, inklusive Abriegelung der Region und nächtlicher Ausgangssperre. Die Landesregierung will zumindest noch ein paar Wochen abwarten, bis die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen weitgehend durchgeimpft ist. Sollte es Einsprüche gegen die Auflagen geben, wäre der zeitliche Aufschub bis zu einer gerichtlichen Entscheidung wohl ausreichend, um genau diese Schonfrist zu gewähren, die sich auch Experten wünschen. Was genau in Murcia ab 10. Mai gelten wird, steht aber auch hier noch nicht fest. Das Wochenende wird in ganz Spanien entscheidend sein.

  • Aktuelle Corona-Zahlen im Überblick
  • Die Coronavirus-Inzidenz je 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen beträgt in Spanien am Mittwoch, 5. Mai: 206 (27. April 233, 21. April 230). Andalusien 198 (238, 259), Balearen 61 (58, 60), Kanarische Inseln 96 (117, 136), Madrid 329 (396, 401), Murcia 72 (68, 66), Region Valencia 42 (43, 40).
  • 14-Tages-Inzidenz im europäischen Vergleich: Deutschland, 5. Mai: 317 (27. April 365, 20. April 316), Schweiz 309 (337, 314), Frankreich 508 (652, 691), Niederlande 613 (639, 588), Österreich 306 (356, 393), Großbritannien 46 (50, 43), Schweden 718.
  • Die Covid-Todesfälle beliefen sich in Spanien binnen sieben Tagen per 4. Mai auf 238 (27. April 268, 20. April 277), Mitte Februar waren es noch 1.300. In der vergangenen Woche starben in der Region Valencia sieben (8, 6) Menschen wegen Covid-19, in Andalusien mit 50 (54, 56) die meisten in Spanien, in Murcia drei (1, 5), in Madrid 43 (73- 61).
  • Am 4. Mai wurden in Spaniens Krankenhäusern 9.132 Patienten (27. April 10.205) wegen Covid-19 stationär behandelt (Auslastung 7,7 Prozent), davon liegen 2.292 auf Intensivstationen, rund 50 weniger als vor einer Woche. Die Intensivstationen in Spanien sind im Schnitt zu 22 Prozent mit Covid-Patienten belegt, in Madrid sind es 42 Prozent.

Corona in Spanien aktuell: Impfung knackt Fünf-Millionen-Marke

Zweites großes Corona-Thema neben dem bevorstehenden Notstands-Ende ist die Covid-Impfung. Spanien hat diese Woche der Fünf-Millionen-Marke der komplett geimpften Personen geknackt, das sind elf Prozent der Bevölkerung. In Asturien liegt der Anteil der komplett Geimpften schon bei 17 Prozent, in Murcia dagegen nur bei acht. Andalusien und Valencia liegen mit jeweils gut zehn Prozent knapp unter dem Schnitt. Valencias Landesregierung hat auch das Datum bekannt gegeben, ab dem unter 60-Jährige geimpft werden.

Pfingstferien in Spanien sind möglich: Der Corona-Notstand endet und mit ihm viele Auflagen.

Knapp 12,7 Millionen Menschen in Spanien haben zumindest eine Impfdosis bekommen, 26,7 Prozent der Bevölkerung und über 79 Prozent der über 60-Jährigen. Die Auslieferung der Impfstoffe hat an Fahrt aufgenommen, allein in dieser Woche kamen vier Millionen Dosen an – im Vergleich zu 2,6 Millionen in der Woche davor. Bleibt es beim aktuellen Impftempo, wären im Oktober 70 Prozent der Bevölkerung komplett geimpft – auch wenn die Regierung diese magische Zahl für die Herdenimmunität schon Ende August anstrebt.

  • Aktueller Impfstand in Spanien zum 5. Mai
  • 21,1 Millionen Impfdosen wurden ausgeliefert, knapp vier Millionen davon binnen einer Woche. Davon entfallen 13,6 Millionen auf BioNTech/Pfizer, rund 1,8 Millionen auf Moderna und 5,4 Millionen auf AstraZeneca sowie 272.400 auf Janssen, bei der eine Impfgabe genügt.
  • Bis 5. Mai wurden knapp 18 Millionen Dosen verabreicht, 85 Prozent der gelieferten Dosen und über 2,4 Millionen Impfungen binnen einer Woche.
  • 5,4 Millionen Personen erhielten die vollständige Dosis, das sind 11,4 Prozent der Bevölkerung, während knapp 12,7 Millionen Menschen beziehungsweise 26,7 Prozent der Bürger zumindest eine Dosis erhalten hat. Darunter bereits rund 79 Prozent der über 60-Jährigen.

Corona in Spanien aktuell: Was passiert mit AstraZeneca?

Ende Mai soll in Spanien das weitere Vorgehen mit all den Lehrern und Sicherheitskräften beschlossen werden, die noch keine 60 sind und eine erste Impfdosis von AstraZeneca erhalten hatten. Seit Anfang April wird der Impfstoff nur noch an die Altersgruppe zwischen 60 und 69 Jahren gespritzt. Unterdessen hat das Verteidigungsministerium einen Zusammenhang zwischen dem Tod eines 35-jährigen Militärs und der Impfung mit AstraZeneca in Navarra bestätigt. Francisco Pérez hatte nach seiner Impfung Anfang April Thrombosen entwickelt und war 17 Tage später an einem Hirnschlag gestorben.

Sorge bereitet die indische Variante, die in Spanien angekommen ist, und zwar auf einem Schiff. Sechs Besatzungsmitglieder des Frachter „Prometheus Leader“, der im Hafen von Vigo festgemacht hat, sind mit Corona infiziert, vier liegen im Krankenhaus. Unter den 22 Besatzungsmitgliedern befinden sich mehrere Inder, die mit dem Flugzeug nach Southampton gekommen waren, dort an Bord gingen und nach Vigo fuhren. Auch in Bilbao steht die Besatzung eines Schiffs unter Quarantäne, zwei indische Besatzungsmitglieder waren positiv auf Corona getestet worden – ob es sich um die indische Variante handelt, ist noch nicht abschließend geklärt. Schwieriger ist die Rückverfolgung bei einem Studenten aus Extremadura, der sich offenbar bei einem Master-Kurs in Madrid mit der indischen Corona-Variante infiziert hatte. Teilgenommen hatten Studenten aus mehreren Ländern.

Corona in Spanien aktuell: Vierte Welle vergleichsweise harmlos

Bislang handelt es sich um Einzelfälle, und auch wenn noch sieben Regionen – Aragón, Katalonien, Madrid, Melilla, Navarra, Baskenland und La Rioja – ein extrem hohes Ansteckungsrisiko aufweisen, also eine 14-Tages-Inzidenz über 250: Die vierte Corona-Welle verläuft im Vergleich zu den bisherigen wesentlich schwächer, und die Rückkehr zu einer vorsichtigen Normalität scheint bei einer Durchschnitts-Inzidenz von 205 in greifbare Nähe zu rücken. Das zeigt auch der erste Stierkampf mit Publikum, der am Wochenende in Madrid – sehr zum Ärger der Fußballfans, die weiterhin nicht ins Stadion dürfen – stattgefunden hat. Und das zeigt, viel wichtiger, die Grenze zu Portugal, die seit Montag wieder geöffnet ist.

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