Corona in Spanien

Jetzt sind die Kinder dran: Spanien impft Fünf-bis Elfjährige - Inzidenz steigt weiter

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Die Kinderimpfung gegen Covid-19 hat in Spanien begonnen, während die Inzidenz weiter steigt und sich 3G-Regeln immer mehr durchsetzen.

Jetzt müssen die Kinder in Spanien den Ärmel hochkrempeln: Die Covid-Impfung der Grundschüler hat diese Woche begonnen, gepiekst wird wie schon bei den Erwachsenen nach Alters- und Risikogruppen gestaffelt. Zunächst bekommen die Kinder in den Förderschulen die Schutzimpfung gegen Corona von BioNTech/Pfizer, und dann die Jahrgänge von den Elfjährigen bis runter zu den Fünfjährigen.

Wo die Impfung der Kinder stattfindet, entscheidet das jeweilige Landesministerium. Die meisten – so auch Andalusien und Murcia – impfen in Gesundheits- und Impfzentren, Valencia ist eine der wenigen Regionen in Spanien, die sich für die Verabreichung in den Schulen entschieden hat. Dafür müssen die Eltern vorab eine Einverständniserklärung unterschreiben, geimpft wird während der Schulzeit. Einige Eltern fürchten dabei um die Privatsphäre ihrer Kinder und den Fingerzeig der Mitschüler auf die Klassenkameraden, die eben nicht den Ärmel hochkrempeln. Ein Vater reichte am Montag Klage beim Oberlandesgericht ein und argumentiert, die Corona-Impfung in den Schulen verstoße gegen das Daten- und Kinderschutzgesetz. Nach den Beschwerden ließ die Landesregierung schließlich zumindest einen Elternteil zu, der die Kinder im Moment der Impfung begleiten darf.

Corona-Inzidenz steigt in Spanien jetzt schneller - Norden mit höchsten Zahlen

Unterdessen steigt die 14-Tages-Inzidenz in Spanien aktuell wesentlich zügiger an, das lange Wochenende vom 3. bis 8. Dezember mit vielen Kurzurlauben, Familienessen und Feiern treibt die Zahl auf 442 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner hoch, Stand Mittwoch. Valencia liegt mit 483 etwas über dem Schnitt, Murcia nähert sich mit 433 an, Andalusien kommt mit 220 nur auf die Hälfte. Rekordzahlen meldet das Baskenland, während der ganzen Pandemie war die Corona-Inzidenz dort noch nie so hoch wie am Mittwoch, bei 967. Navarra kommt gar auf 1.314 Fälle. Jetzt machen sich die vielen Infizierten auch in den Krankenhäusern bemerkbar: 1.245 Covid-19-Patienten liegen aktuell auf spanischen Intensivstationen (UCI), im Schnitt sind 13,4 Prozent der UCI-Betten mit Covid-19-Patienten belegt. Der Norden kommt auf eine wesentlich höhere Auslastung: In Katalonien sind es über 24,7 Prozent, im Baskenland 22,5, Valencia kommt immerhin auf knapp 18 Prozent.

In Spanien hat die Covid-Impfung der Kinder begonnen, während die Corona-Inzidenz steigt.

Von Einschränkungen in den Weihnachtsferien ist in Spanien aktuell jedoch noch keine Rede. Aber die 3G-Regelungen setzen sich immer mehr durch. Im Baskenland etwa muss der QR-Code auf dem EU-Impfpass jetzt nicht nur im Nachtleben und der Gastronomie vorgezeigt werden, sondern auch in Krankenhäusern, kulturellen Einrichtungen und Fitnessstudios. Reibungslos geklappt hat die Einführung des Covid-Passes an der Costa Blanca, wo sie zudem den gewünschten Boom an Erstimpfungen ausgelöst hat. An den Wochenenden sind die Schlangen vor den Impfstationen ohne Termin lang. Valencias Landesministerpräsident Ximo Puig hat nun auch schon angedeutet, den EU-Impfpass auf weitere Bereiche ausweiten zu wollen - auf welche, verriet er allerdings nicht.

3G gegen Corona in Spanien: Murcia und Valencia weiten EU-Impfpass aus

Die Nachbar-Region Murcia verlangt den QR-Code jetzt verpflichtend in Diskotheken und Nachtbars, in Bars und Restaurants ist er optional – zumindest so halb: Gastronomen, die ihn einführen, dürfen Innenräume zu 100 Prozent belegen, ohne den EU-Impfpass ist je nach Infektionsgeschehen vor Ort bei 35, 50 oder 75 Prozent Schluss. In Andalusien hat das Oberlandesgericht der 3G-Einführung in Gastronomie und Nachtleben abermals nicht zugestimmt – weil laut Antrag der Landesregierung auch das Personal den QR-Code vorzeigen sollte. Bislang wird die Einführung der 3G-Regelung von der breiten Masse in Spanien auch akzeptiert. Lediglich in Barcelona gingen am Wochenende 3.000 Menschen gegen den Pass auf die Straße und forderten „Freiheit“.

Für Aufsehen sorgte diese Woche ein Ausbruch in einem Krankenhaus in Ávila, der sich schon im November ereignete, aber erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangte. 20 Personen steckten sich in einer Klinik an, davon blieben 18 symptomfrei, weshalb das Virus weitergetragen wurde. Insgesamt gibt es 133 Betroffene – 14 Menschen starben. Mittlerweile, so die Gesundheitsbehörde, sei der Ausbruch aber unter Kontrolle. Wo genau der Ursprung lag, wird man wohl nie herausfinden. Auch gibt es neue Ausbrüche unter dem Personal von Krankenhäusern. Nach dem ersten Massen-Ausbruch in Málaga unter Krankenpflegern ist nun die Rede von einem zweiten in Madrid. Betroffen ist das Hospital Severo Ochoa mit bislang 28 Infizierten. Ursprung soll ein gemeinsamer Ausflug von 50 Mitarbeitern über das lange Wochenende Anfang Dezember sein.

Boostern ab 40: Gesundheitsministerium setzt Altersgrenze runter

Impfen, impfen, impfen heißt weiterhin die Strategie des Gesundheitsministeriums. Als nächste Gruppen sollen die über 40-Jährigen und die Geimpften, denen AstraZeneca verabreicht wurde, mit einem mRNA-Impfstoff geboostert werden. Einige Regionen fordern die Auffrischung für alle Altersgruppen, darunter Murcia, wo diese Woche erstmalig die Omikron-Variante nachgewiesen wurde. Dabei kommt der dritte Pieks bisher in Spanien nur schleppend in die Arme: Zwar sind 78 Prozent der über 70-Jährigen geboostert, aber nur 36 Prozent der 60- bis 69-Jährigen. Andalusien spritzt die Auffrischung mittlerweile ohne Termin in den Impfzentren, in Valencia ist die cita previa weiterhin Pflicht. Termine gibt es allerdings je nach Gesundheitszentrum kaum.

Rubriklistenbild: © David Revenga

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