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Corona in Spanien: Hoffen auf ein baldiges Ende dieser Pandemie

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Von: Judith Finsterbusch

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Zwei Senioren mit ihren Hunden auf einer Strandpromenade in Spanien.
Spanien sehnt das Ende der Corona-Pandemie herbei. Wann ist endlich alles wieder normal? © David Revenga

In Spanien beginnt die Corona-Inzidenz langsam zu sinken, die Omikron-Welle hat ihren Höhepunkt überschritten. Die Booster-Impfung ab 18 Jahren ist beschlossen.

Madrid – Kaum scheint die sechste Corona-Welle ihren Höhepunkt überschritten zu haben, kommt in Spanien Feierlaune auf: Was ist mit dem Karneval in Águilas, den Fallas in Valencia, der Karwoche in Andalusien? Valencias Ministerpräsident Ximo Puig hat verkündet, dass die Fallas im März stattfinden sollen – zwar nicht so wie vor der Pandemie, aber in abgespeckter Form wie beim nachgeholten Stadtfest im September. Die Zeichen stehen also auf „neue Normalität“ – mal wieder, und wirklich neu ist diese Übergangsphase zwischen zwei Wellen auch nicht mehr.

Corona in Spanien: Inzidenz geht erstmals seit November zurück

Immerhin, am Dienstag meldete das Gesundheitsministerium zum ersten Mal seit November eine niedrigere 14-Tages-Inzidenz in Spanien als am Vortag. Besonders stark macht sich der Rückgang in Nordspanien bemerkbar, dort, wo die sechste Corona-Welle zuerst ankam und wo in ihrem Verlauf die höchsten Zahlen gemeldet wurden. Navarra etwa liegt jetzt „nur“ noch bei einer Inzidenz von 5.706, in der Vorwoche waren es noch 7.156, im Baskenland sinkt sie von 6.613 auf 5.328.

3.286 Corona-Neuinfektionen melden die Gesundheitsbehörden pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen für Gesamt-Spanien am Mittwoch, auf sieben Tage liegt die Inzidenz bei 1.485. Wenn die Infektionen jetzt allmählich zurückgehen, dauert es aber noch eine Weile, bis die Krankenhäuser das merken. Aktuell kommen die Belegungszahlen einem sehr hohen Risiko gleich, das ist der Fall, wenn in 15 Prozent der verfügbaren Betten Covid-19-Patienten liegen, aktuell sind es 15,3 Prozent.

Corona in Spanien: Inzidenz in Andalusien, Murcia und Valencia

Auch die Intensivstationen (UCI) sind bei 23,6 Prozent nur noch knapp unter einem sehr hohen Risiko, das ab 25 Prozent erreicht ist. Andalusien kommt weiterhin in Spanien am besten durch die Omikron-Welle, hier sinken die ohnehin vergleichsweise niedrigen Zahlen, die 14-Tages-Inzidenz liegt aktuell bei 1.327. Die Provinz Málaga meldet zwar mit 1.189 einen Wert unter dem andalusischen Schnitt, doch betreuen die Krankenhäuser hier mit 436 die meisten Covid-19-Patienten. Mehrere Kliniken mussten bereits Betroffene in andere Krankenhäuser verlegen, um Platz zu schaffen.

Mehr zum Thema: Die aktuellen Corona-Zahlen an der Costa del Sol Ort für Ort.

Mehr zum Thema: Die aktuellen Corona-Zahlen an der Costa Blanca Ort für Ort.

Murcia liegt mit einer 14-Tages-Inzidenz von 5.105 deutlich über dem spanischen Schnitt und trauert zudem um ein fünfjähriges Kind aus Águilas an der Costa Cálida, das am Samstag mit Covid-19 starb. Der Junge hatte Atemwegs-Vorerkrankungen, er ist eins von sieben infizierten Kindern, die in Spanien seit Ausbruch der Pandemie gestorben sind. Die Region Valencia liegt mit einer Inzidenz von 3.199 etwa im spanischen Mittel, auch hier ist die Zahl der Neuinfektionen allmählich rückläufig.

Trauriger Corona-Rekord in Spanien: 284 Covid-Tote in 48 Stunden

Dennoch vermeldete Spanien am Dienstag auch einen traurigen Rekord: 284 Covid-Tote binnen 48 Stunden, die höchste Zahl seit März. Die meisten Todesopfer, werden die UCI-Chefs nicht müde zu betonen, sind Ungeimpfte und – zu einem geringeren Anteil – alte Patienten oder Menschen mit Vorerkrankungen. Eine interessante Erhebung führt die Schweiz durch, sie schlüsselt jetzt den Anteil der Corona-Todesopfer in Ungeimpfte, vollständig Geimpfte und Geboosterte auf. Die Zahlen sind eindeutig: Der Anteil der ungeimpften Todesopfer liegt binnen sieben Tagen hochgerechnet auf 100.000 Einwohner bei 13 Prozent, bei Geimpften sinkt er auf 1,44 und bei Geboosterten auf 0,27 Prozent.

In einen entblößten Arm wird eine Schutzimfpung injiziert.
Spanien hat die Corona-Booster-Impfung für die allgemeine Bevölkerung ab 18 Jahren beschlossen. © Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild

Entsprechend hat Spanien beschlossen, der gesamten Bevölkerung ab 18 Jahren die dritte Dosis zu verpassen, bislang lag die Altersgrenze für die Booster-Impfung bei Ü40. Auch wird die Zeit von sechs auf fünf Monate verkürzt, die zwischen zweiter und dritter Impfdosis vergehen muss. Dass künftig die gesamte Bevölkerung alle paar Monate den Ärmel hochkrempeln könnte, sehen Experten aber kritisch.

Corona-Booster alle paar Monate: Experten äußern sich kritisch

Die Europäische Medikamenten-Agentur (EMA) etwa hält ständiges Impfen nicht für die Lösung: „Eine wiederholte Auffrischung mit kurzen Abständen könnte die Zahl der Antikörper, die nach jeder Dosis generiert werden, reduzieren. Unser Immunsystem braucht eine gewisse Zeit, um eine Antwort auf die Impfung zu generieren“, sagt etwa Marco Cavaleri, Chef der EMA-Abteilung für Impfstrategien. Eine vierte Impfung sieht Spanien aktuell auch nur für bestimmte Risikogruppen vor, etwa manche Krebskranke oder Dialyse-Patienten.

Impfung hin oder her, die Sehnsucht nach der alten, nicht der neuen Normalität, ist in Spanien und überall sonst immens. Ein ehemaliger Berater der Weltgesundheitsorganisation WHO, Vicente Soriano, verkündete dieser Tage, an Ostern sei der ganze Spuk vorbei. Begründet sieht er diese Prognose aber nicht nur in der Impfung, sondern vor allem in den Medikamenten gegen Corona, die derzeit entwickelt werden. Dann wäre es mit einer Tablette statt mit einer Spritze getan, und auch nur, wenn man wirklich krank ist. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein.

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