Ein Verkäufer wartet auf einem Weihnachtsmarkt auf dem Platz Mayor in der Innenstadt von Madrid.
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Die spanische Regierung mahnt die Bevölkerung zur Vorsicht in Bezug auf Covid-19 über die Feiertage.

14-Tage-Inzidenz über 300

Coronavirus Spanien: Ansteckungsrisiko steigt auf „hohes Niveau“

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Die sechste Corona-Welle breitet sich in Spanien aus. Die 14-Tage-Inzidenz übersteigt den Wert 300. Das Ansteckungsrisiko gilt als hoch. 

Madrid – Das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus in Spanien nimmt zu, überstieg am Freitag, 10. Dezember, die 14-Tage-Inzidenz von 300 Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern und gilt damit laut der neuen Corona-Ampel als hoch. Die 14-Tage-Inzidenz liegt bei 323, das Gesundheitsministerium meldet am Freitag 17.012 Neuinfektionen und 60 Todesfälle mit Covid-19. Ein „sehr hohes Ansteckungsrisiko“ besteht in den Regionen Navarra mit einer 14-Tage-Inzidenz von 1037, im Baskenland (786) und in Aragón (605). Die Inzidenz in den Mittelmeer-Regionen nimmt ebenfalls zu, liegt in Katalonien bei 366, in Valencia bei 364 und in Murcia bei 313. Gut steht Andalusien mit einer 14-Tage-Inzidenz von 150 da, relativ niedrig ist der Wert noch in der Extremadura mit 169, in Kastilien-La Mancha mit 152 und in Madrid mit 200.

Coronavirus Spanien: Anstieg der Neuinfektionen macht sich in Krankenhäusern nur leicht bemerkbar

Mit dem Anstieg der Neuinfektionen nimmt auch der Druck auf die Krankenhäuser zu. Die Intensivstationen (UCI) in Spaniens Krankenhäuser sind zu 11,41 Prozent mit Covid-19 Patienten ausgelastet, wobei die Auslastung der UCIs bereits in sechs Regionen – La Rioja, Katalonien, Navarra, das Baskenland, Aragón und Kastilien-Léon – mehr als 15 Prozent beträgt und damit in diesem Bereich ein “hohes Risiko” besteht. Nähere Informationen über die Coronavirus-Situation in den Gemeinden der Costa Blanca lesen Sie hier, über die Costa del Sol und die Corona-Situation hier.

Wieder hat das Coronavirus alles auf den Kopf gestellt. Das erste Indiz, dass die Neuinfektionen stark zunehmen, lieferte das Krankenhaus Málaga. 80 meist medizinische Fachkräfte aus dem Krankenhaus von Málaga infizieren sich auf einen Schlag bei einem Weihnachtsessen – fast alle Pfleger, Pflegehilfskräfte und Ärzte der Intensivstationen, die frisch Antigen-getestet zur Fete erscheinen und zwei- oder gar dreimal geimpft sind. Das wirft die Frage auf, ob eine Impfung oder überhaupt irgendetwas vor einer Ansteckung schützt und das hinterlässt in Spanien ein flaues Gefühl im Magen. Man fühlt sich ja als Impfweltmeister.

Coronavirus Spanien: Sechste Ansteckungswelle nimmt Fahrt auf

Zäsuren gab es in der Coronavirus-Pandemie schon viele. Wieder deutet sich mit Omikron ein neues Kapitel in der Pandemie an. Die Bilder von brechend vollen Stadtzentren über die Brückenfeiertage, wieder viele Infektionen in Bekanntenkreisen und damit verbunden die Unsicherheit, was aus Weihnachten und Familienfesten werden könnte. Vor den Impfzentren bilden sich ellenlange Schlangen, über 5.000 Valencianer haben sich ohne Termin am langen Wochenende vor einer Woche impfen lassen. Erste Rauchsignale kommen aus der Gastronomie. Viele Firmen sagen Weihnachtsessen für ihre Belegschaften ab oder verlegen sie nach draußen auf die Terrassen, Covid-Pass hin, Covid-Pass her.

Derweil steigen die Infektionen in Spanien weiter an, der seit Wochen bedächtige Rhythmus der sechsten Welle hat sich beschleunigt, aus den Zehnerschritten bei den täglichen Inzidenzwerten werden Sprünge von 20. Die 14-Tages-Inzidenz unter 100.000 Einwohnern belief sich nach Stand am Dienstag noch auf 290 Neuinfektionen mit dem Coronavirus, am Donnerstag lag er bei 306 und am Freitag schon über 320. Rund neun Prozent aller Getesteten sind positiv, vergangene Woche waren es sieben Prozent. 128 infizierte Menschen haben von Donnerstag an gerechnet binnen einer Woche ihr Leben verloren, am Freitag meldet das Gesundheitsministerium 80 Fälle an einem Tag.

Coronavirus Spanien: Experten warnen vor den Folgen zahlreicher Ansteckungen

Noch gibt es keinen Grund zu Befürchtungen, Corona könnte Spanien abermals das Weihnachtsfest vermasseln. Das Land und seine Krankenhäuser stehen relativ gut da. Die Auslastung der Stationen in den Krankenhäusern liegt weit unter 15 Prozent - was als Grenzwert für ein hohes Risiko gilt. Dennoch steigt steigt klar und stärker als zuvor an - von Dienstag auf Donnerstag um etwa 500 auf derzeit 5.500 Covid-19 Patienten auf den Stationen, was einer Auslastung von 4,41 Prozent entspricht. Entscheidend dürfte die Entwicklung in den kommenden Tagen sein, wenn sich abzeichnet, wie das Brückenwochenende und die Feiertage am 6. und 8. Dezember sich auf die Gesamtlage auswirken.

Menschen gehen eine Einkaufsstraße in der Innenstadt von Madrid entlang.

Erste warnende Stimmen sind aber nicht zu überhören. „Wir verschlafen die Welle schon wieder“, befürchtet Elena Vanessa Martínez, Vorsitzende der Spanischen Gesellschaft für Epidemiologie. Die hohe Impfquote verleite zu einem trügerischen Gefühl von Sicherheit. „Wenn eine Infektion nur bei einem halben Prozent der Geimpften zu einem schweren Krankheitsverlauf führt“, rechnet sie vor, „dann müssen wir bei wenigen Infektionen auch nicht mit Schwerkranken rechnen. Bei einer hohen Zahl von neuen Infektionen werden es aber schnell viele Fälle werden.“ Die Expertin appelliert, soziale Kontakte zu reduzieren und spricht sich dafür aus, das Nachtleben um 2 Uhr in Bars und Clubs ausklingen zu lassen.

Coronavirus Spanien: Regierung vertraut weiter auf Impf-Strategie im Kampf gegen die Pandemie

Den bisher milden Verlauf von Covid-19 in der sechsten Welle schreibt die Regierung der Impfung zu. Die Strategie des Gesundheitsministeriums vor den herannahenden Festtagen zu Weihnachten fußt weiter auf der Impfung, obwohl inzwischen fast 90 Prozent der Bevölkerung über zwölf Jahren geschützt ist. Die zuständige Kommission hat am Dienstag die Impfung von Fünf- bis Elfjährigen gegen Covid-19 genehmigt. Schätzungen zufolge können beginnend mit der kommenden Woche rund drei Millionen Kinder geimpft werden. Damit versucht Spanien, den Neuinfektionen einen Dämpfer zu versetzen, da das Virus bei Kindern unter elf Jahren umgeht. Diese einzige noch ungeimpfte Altersgruppe verzeichnet eine Inzidenz von 550 und die Infektionen springen auf Lehrer und Eltern über und breiten sich aus.

Die Kinder in Spanien bekommen ab 13. Dezember zwei Einheiten des Stoffs Pfizer im Abstand von acht Wochen verabreicht, wobei die zweite Dosis deutlich geringer ist als die erste und etwa ein Drittel der Menge, die ein Erwachsener bekommt, verabreicht wird.

Neben der Impfung, den Schutzmasken, Abstand und Lüftung setzt Spanien auch auf den Covid-Pass. Neun Regionen haben 3G-Regeln eingeführt, die meisten für den Besuch von Gaststätten, Krankenhäusern und größeren Veranstaltungen.

Derweil hat die Schweiz ihr Einreisereglement verschärft: Zusätzlich zum Einreiseformular müssen auch Geimpfte jetzt ein negatives Testergebnis vorlegen, ein weiterer Test ist vier bis sieben Tage nach Einreise fällig.

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