Zwei Musiker spielen Geige in einer Covid-19-Station eines Krankenhauses.
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Die Musiker Albert Skuratov (r) und Samuel Palomino (2.v.r) spielen für Corona-Patienten des Isabel-Zendal-Krankenhauses in Madrid.

Regionen bleiben über Ostern dicht

Coronavirus Spanien: Corona-Auflagen bleiben - Impfung mit AstraZeneca ausgesetzt

  • Stephan Kippes
    vonStephan Kippes
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Die Coronavirus-Fallzahlen in Spanien sinken weiter. Die Regierung hält jedoch an den strikten Auflagen über Ostern fest und riegelt die Regionen ab. Die Impfung mit AstraZeneca hat auch Spanien ausgesetzt.

Update, 16. März: Nach Deutschland und anderen Ländern hat auch Spanien die Corona-Impfungen mit dem Präparat von AstraZeneca vorsorglich ausgesetzt. Der Impfstoff werde nicht eingesetzt, bis die Europäische Arzneimittel-Behörde (EMA) und der Sicherheitsausschuss der Behörde (PRAC) einen detaillierten Bericht über die gemeldeten Fälle von Thrombosen der Hirnvenen nach Impfungen mit dem AstraZeneca-Präparat vorgelegt habe, sagte Gesundheitsministerin Carolina Darias. Dass die Fälle von Thrombosen nach Impfungen gemeldet und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen worden seien, unterstreiche die Sicherheit des Impfsystems, betonte Darias.

Bisher haben mehr als sieben Prozent der 47 Millionen Bürger Spaniens mindestens eine Impfung gegen Covid-19 erhalten, mehr als drei Prozent auch die zweite Dosis. Auch in Spanien gibt es viel Kritik am langsamen Fortschritt der Corona-Impfkampagne. Die Regierung hofft, dass bis zum Sommer etwa 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden können.

Coronavirus Spanien aktuell: Zahl der Neuinfektionen sinkt weiter

Erstmeldung, 12. März: Málaga/Murcia/Alicante – Die Coronavirus-Fallkurve flacht spürbar ab. Die Zahl der Sars-CoV-2-Neuansteckungen sinkt weiter, allerdings nicht mehr in so großen Schritten wie die Woche zuvor. Am Donnerstagabend belief sich die 14-Tages-Inzidenz in Spanien auf 132 und die in den Regionen am Mittelmeer lag darunter, Andalusien meldete 122, Murcia 70 und Valencia 54 – nur Katalonien hinkt mit 169 etwas hinterher. Weit vorne in der Deeskalation liegt die Extremadura. Schon Freitag vor einer Woche riss die ländliche Region die 50-er Marke und verzeichnete nur knapp 44 Neuinfektionen in einem Zeitraum von 14 Tagen hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. Den genauen Stand an der Costa Blanca erfahren hier.

Coronavirus Spanien: Fallzahlen sinken, Restriktionen aber nicht

Die Balearen dürften mit einer Inzidenz von 51 in den nächsten Tagen ebenfalls unter die 50 rutschen, die Kanaren brauchen mit 115 wohl noch ein paar Tage mehr. Diese beiden Inselgruppen rücken gerade in den Fokus der Tourismusindustrie, denn nur dort können Urlauber Osterferien verbringen. Der deutsche Tourismuskonzern Tui hält Mallorca für sicher. „Die Hotellerie hat sich intensiv vorbereitet, sicheren und verantwortungsvollen Urlaub anzubieten“, sagte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak vor dem Start der Tourismusmesse ITB.

Alle andere Regionen bleiben abgeriegelt, nicht nur über die Osterferien vom 26. März bis 9. April, sondern auch über das Brückenwochenende um den spanischen Vatertag vom 17. bis 21. März. So sieht Gesundheitsministerin Carolina Darias die Reiselust: „Alle Maßnahmen, auf die wir uns einigen können, die die Bewegungsfreiheit und die sozialen Kontakte einschränken, gehen gegen das Virus, für die Gesundheit und für das Retten von Leben.“ So kristallisiert sich abermals der krasse Widerspruch heraus, dass Ausländer Spanien theoretisch besuchen dürfen und sogar über den Landweg die Grenze queren können, Spanier aber nicht einmal ihre Regionen verlassen und etwa ihre Ferienwohnungen am Mittelmeer aufsuchen dürfen. Lediglich ein Insulaner der Balearen kann seine Reiselust mit einem Trip auf die Kanaren befriedigen – viceversa geht das Eiland-Hopping auch.

Coronavirus Spanien: Sperrstunde bleibt bei 22 oder 23 Uhr bis 6 Uhr

Das Gesundheitsministerium will die Regionen auch dazu anhalten, an der im Notstandsdekret festgelegten Sperrstunde von 22 oder 23 Uhr bis 6 Uhr festzuhalten, obwohl die Zeitumstellung vom 28. März in die Osterferien fällt. Mag aus epidemiologischer Sicht verständlich sein, aber die Vorstellung mutet schon etwas absurd an, dass in frühsommerlichen Nächten und bei Inzidenzwerten von hoffentlich dann immer noch unter 100 weiterhin nur Wildschweine in den verlassenen Straßen Dénias flanieren dürfen.

Bleibt abzuwarten, ob noch weitere und welche Lockerungen bis Ostern kommen. In der Region Valencia dürfen ab Montag, 15. März, Bars und Restaurants auch die Innenräume wieder öffnen. Mehr als vier Personen dürfen aber nicht an einem Tisch Platz nehmen, weder drinnen noch draußen. Die Theken bleiben tabu, ab 18 Uhr ist Schicht im Schacht und es bleibt bei der Sperrstunde von 22 bis 6 Uhr.

Freuen können sich die Sportler und die Betreiber von Einrichtungen wie Fitnessstudios, Hallenbäder und Sportzentren, die auch wieder den Betrieb aufnehmen dürfen.

Das spanische Gesundheitsministerium drängt darauf, den Stand vom 12. März bis nach Ostern beizubehalten, Valencia hält bis 12. April – also San Vicent – an den Coronavirus-Restriktionen fest. Bis dahin sollen Gruppen von nicht mehr als vier Personen aus verschiedenen Haushalten in geschlossenen öffentlichen Räumen und sechs im Freien zusammenkommen dürfen. Abendessen zu Hause mit Freunden oder Bekannten soll auch über Ostern in ganz Spanien nicht möglich sein, nur Personen aus einem Haushalt dürfen sich in Privaträumen aufhalten.

Coronavirus Spanien: Armut nimmt in weiten Teilen der Gesellschaft zu

Somit wird der örtlichen Wirtschaft jede Chance auf ein gutes Ostergeschäft genommen.. Man sieht es nicht, aber die Coronavirus-Pandemie nagt immer mehr an der Ökonomie der Familien, von denen ein beträchtlicher Teil vom Tourismus abhängig ist. Rund 258.000 Menschen leben laut der Caritas inzwischen in Haushalten, die über gar kein Einkommen mehr verfügen. Das wären etwa 75.000 mehr als vor der Pandemie. Niederschmetternd ist gar kein Ausdruck für den am Dienstag vorgelegten Bericht des Hilfswerks. Demnach hat die Zahl der Bedürftigen sich um 57 Prozent erhöht, in bestimmten Gebieten versorgt die Organisation dreimal so viele Arme wie vor der Pandemie. 500.000 Menschen hätten zum ersten Mal oder erst nach sehr langer Zeit wieder um Hilfe ersucht.

Derweil stoßen in der Bevölkerung die Appelle und Warnungen der Regierung vor den noch latenten Gefahren der Coronavirus-Pandemie zunehmend auf taube Ohren. Man sieht das nicht nur an der wachsenden Zahl der Trinkgelage, Landhaus-Paellas und Festen in Ferienapartments, die die spanischen TV-Nachrichten in die Haushalte übertragen, sondern auch an den immer ausdrucksloser werdenden Minen der Kommentatoren, die darüber berichten müssen und denen es sichtlich schwer fällt, einen moralisierenden Tonfall angesichts dieser Ordnungsverstöße gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie einzuschlagen.

Deutsche Reiseveranstalter hoffen, dass sie Urlauber ab den Osterferien wieder nach Mallorca bringen können.

Vorbei ist die Corona-Pandemie sicherlich nicht, die Leute aber werden ihrer zunehmend überdrüssig und empfinden die Einschränkungen angesichts niedriger Fallzahlen als unverhältnismäßig. Noch aber lasten Covid-19-Patienten immer noch zu sieben Prozent die stationären Einrichtungen in den Krankenhäusern aus, mit 22,4 Prozent leidet immer noch mehr als jeder Fünfte in den Intensivstationen an dieser Lungenkrankheit.

Wer sich nun die Madrilenen und einen Tourismusschub zu Ostern an die Küste wünscht: In der Hauptstadtregion liegt die Zahl der Neuinfektionen am Donnerstag bei 1.095 und damit ein Vielfaches über den 97 in Valencia, die 14-Tages-Inzidenz in Madrid beläuft sich auf 225 und die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten liegt bei 37,3 Prozent.

Coronavirus Spanien: Impfung und Impfpass sollen zur Reisefreiheit führen

Gegen den Verlauf der Coronavirus-Pandemie und ihrer Wellen steuert auch die Impfung gegen Covid-19. Derzeit leben in Spanien bereits 1,4 Millionen Menschen, die inzwischen immun gegen das Coronavirus sind, fast 4,99 Millionen Impfdosen wurden verabreicht. Und täglich werden es mehr. Was die Debatte aufwirft, ob diese vollkommen durchgeimpften Menschen weiterhin die geltenden Einschränkungen ihrer Grundrechte, insbesondere der Reise- und Versammlungsfreiheit, sowie all die anderen Unannehmlichkeiten wie etwa der Maskenpflicht erdulden müssen wie der ungeschützte Rest der Bevölkerung, der 97 Prozent ausmacht.

Einen spürbaren Vorteil von der Impfung haben bis jetzt die Bewohner von Seniorenheimen. Derzeit geht es nicht nur um Solidarität, sondern um einen bislang noch ausstehenden wissenschaftlichen Nachweis, dass geimpfte Personen sich nicht anstecken und das Coronavirus unter der ungeschützten Bevölkerung verbreiten können. Vieles deutet daraufhin, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist. „Es gibt aber keinen Nachweis für die Null-Übertragung“, sagt Carmen Cámara, Generalsekretärin der Gesellschaft für Immunologie.

Dennoch will die EU einen digitalen Impfpass einführen, um im Fremdenverkehr zwischen den geschützten und ungeschützten Bevölkerungsgruppen unterscheiden zu können. Mit diesem sollen Geimpfte wieder in den Genuss der Reisefreiheit kommen. In Israel öffnet ein solcher Pass übrigens auch die Türen zu Sportzentren, Bars oder Universitäts-Seminaren. Damit geht eine gewisse Diskriminierung einher. „Aus ethischer Sicht finde ich das unmöglich, solange es keinen universellen Zugang zur Impfung gibt“, sagt Cámera. Es benachteilige nicht nur ärmere Länder etwa in Afrika oder Lateinamerika, es konterkariere auch das Postulat, dass eine Impfung gegen Covid-19 die freiwillige Entscheidung eines jeden einzelnen sei. Noch nicht einmal die Frage nach den Reisemöglichkeiten nichtgeimpfter Minderjähriger klärt der digitale Impfpass.

Coronavirus Spanien: Einwohnermeldebescheinigung führt zu Impftermin

Die Einwohnermeldebescheinigung zeichnet sich für Langzeiturlauber und Deutschsprachige in Spanien als das entscheidende Dokument ab, das den Zugang zu der Impfung ermöglicht. Zuletzt hat au ch La Nucía mitgeteilt, dass Bürger sich dort impfen lassen können, wenn sie über das Empadronamiento verfügen und sich damit im Gesundheitszentrum eine vorläufige SIP-Karte ausstellen lassen.

Diese Karte ist nicht zuletzt deswegen wichtig, weil darauf die Telefonnummer gespeichert wird und die Bekanntgabe des Impftermins in Spanien telefonisch erfolgt – oft sehr kurzfristig.

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