Zwei Krankenschwestern in Valencia impfen eine ältere Dame.
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Die Covid-19-Impfkampagne in Spanien - hier aus einem Impfzentrum in Valencia - legt an Dynamik zu, ist aber immernoch zu langsam, um die gewünschte Durchimpfung bis zum Sommer zu erreichen.

Covid-19 Lage in Spanien

Coronavirus Spanien aktuell: Bessere Zahlen - Wettlauf zwischen Impfung und vierter Welle

  • vonMarco Schicker
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Spanien fällt gegen Ende Februar 2021 aus dem „extrem hohen Risiko“ heraus, die 14-Tage-Inzidenzen von oft unter 250 erlauben Lockerungen. Doch „Reisefreiheit“ steht noch nicht auf der Agenda. Dazu ist die Lage noch zu fragil, die Impfkampagne viel zu langsam. „Pandemie-Erschöpfung“ als Risikofaktor.

Update, 25. Februar: Mit einer 14-Tages-Inzidenz von 218 Fällen pro 100.000 Einwohnern am 24. Februar herrscht in Spanien seit drei Tagen offiziell kein „extrem hohes Risiko“ hinsichtlich des Coronavirus mehr, nur noch ein hohes. Zwölf spanische Regionen liegen unter der Schwelle von 250. Madrid war zunächst bei der Härte der Restriktionen und ist nun bei den Fallzahlen spanisches Schlusslicht. Andalusien schaffte den Cut am Mittwoch mit 237, Murcia liegt mit 127 deutlich darunter, Valencia mit 176 dazwischen.

Im Februar starben in Spanien bisher 9.300 Menschen wegen Covid-19, der Monat sah bereits mehr Todesfällen als der November 2020 (9.200) und wird nach dem April 2020 mit 15.500 offiziell registrierten Todesfällen der zweittödlichste Monat dieser Pandemie in Spanien.

In fast allen Regionen werden schrittweise die Restriktionen gelockert, so will Valencia ab 1. März die Gastronomie wieder öffnen lassen und auch die Abriegelung der Gemeinden ab 50.000 Einwohnern steht zur Disposition. Auch in Andalusien sind spürbare Lockerungen geplant, allerdings ebenfalls erst ab März.

Hinsichtlich der Reisefreiheit innerhalb Spaniens sowie des Starts der Tourismus-Saison tritt die Regierung auf die Bremse und will Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Erstmeldung 23. Februar: Madrid - Am Montag, 22. Januar, betrug die 14-Tage-Inzidenz des Coronavirus in Spanien 252 Fälle pro 100.000 Einwohner, elf spanische Regionen liegen mittlerweile unter der Schwelle des "extremen Risikos" von 250. Madrid bleibt mit einer Inzidenz von 383 neben der Exklave Melilla (435) das spanische Schlusslicht, die Kanaren melden mit 109 den besten Wert. In Andalusien beträgt die Inzidenz am Montag 282, in der Region Murcia liegt sie bei 152, in der Region Valencia 224. (Wichtige Links zur regionalen und kommunalen Entwicklung, Reisen, Impfung etc. am Ende dieses Beitrages.)

Starker Rückgang der Coronavirus-Fallzahlen in Spanien: Aber Februar 2021 wird wohl zweittödlichster Monat

Von Freitag bis Montag wurden dem spanischen Gesundheitsministerium allerdings auch 535 weitere Covid-bedingte Todesfälle und 20.800 neue positive Tests auf das Coronavirus gemeldet. Die Einlieferungen in die Krankenhäuser sanken seit Anfang Februar um die Hälfte, auf den Intensivstationen lagen am 19. Februar 28 Prozent weniger Covid-Patienten in kritischem Zustand als am 1. Februar. Diese belegen dennoch nach wie vor ein Drittel, 33 Prozent, aller UCI-Plätze, über 28.000 Menschen in Spanien müssen wegen Covid derzeit stationär in Krankenhäusern behandelt werden, 3.533 davon sind in kritischem Zustand.

814 Menschen starben wegen Covid-19 in den letzten sieben Tagen, Andalusien mit 150 und Valencia mit 144 führen diese traurigste aller Statistiken mit weitem Abstand an, in Madrid waren es 76, in den beiden Kastilien zwischen 50 und 64, in Galicien 67. Im Februar starben in Spanien 8.555 Menschen wegen Covid-19, der Monat könnte mit mehr Todesfällen enden als der November 2020 (9.200) und wäre nach dem April 2020 mit 15.500 offizielle registrierten Todesfällen dann der zweittödlichste Monat dieser Pandemie in Spanien.

"Unsere Intensivstationen und Krankenhäuser in Spanien haben noch immer eine hohe Auslastung. Sollte sich die Tendenz wieder umkehren, wäre das ein gefährlicher Rückschlag für unser sanitäres System", warnt Fernando Simón, Leiter des sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung. Dass diese Trendumkehr schnell geschehen kann, ist eine Lehre aus den ersten Wellen, die jeweils ansetzten, nachdem die Restriktionen zu schnell und zu weitgehend gelockert wurden, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Restriktionen durchaus wirken.

Pandemie-Erschöpfung und Vorsicht: Weiter kleinteiliger Abbau der Restriktionen in Spanien

Doch auf der anderen Seite konstatieren auch Politiker eine weitreichende gesellschaftliche wie individuelle "Pandemie-Erschöpfung", eine Sehnsucht nach Normalität sowie - natürlich und von Anfang an - einen hohen ökonomischen Druck. Da Spanien es nicht gelungen ist, Ausfallhilfen für die am meisten betroffenen Sektoren rechtzeitig und in einem existenzsichernden Umfang auszuzahlen, auch wenn das neu eingeführte Grundeinkommen (IMV) für ärmsten Schichten Schlimmeres verhindert haben dürfte, drängen immer mehr Regionen auf Öffnung.

Fernando Simón, Chef des sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung zählt an fünf Fingern vor, was passiert, wenn man jetzt die Achtsamkeit schleifen ließe.

Galicien, zum Besipiel, wird ab Freitag die Treffen zwischen Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben wieder erlauben und öffnet in allen Gemeinden mit einer Inzidenz unter 250 Fällen die Bars und Restaurants bis 18 Uhr, mit 50 Prozent Auslastung auf Terrassen und 30 in Innenräumen (ohne Bars). Bei Inzidenzen von 250 bis 500 dürfen dann immer noch die Terrassen zur Hälfte öffnen. Landesministerpräsident Alberto Núñez Feijóo ergänzte: "Wenn wir die Öffnungen zurücknehmen müssen, nehmen wir sie eben zurück."

Ähnlich fragmentiert ziehen sich die "Lockerungen" durch das ganze Land. In Murcia dürfen sich wieder bis zu vier Personen treffen, die nicht zusammenleben, die Isolation zwischen den Gemeinden wird aufgehoben und auch hier gilt für die Gastronomie eine Inzidenz-Schwelle. Valencia wird wohl ab Anfang März ebenfalls die Gastro wieder arbeiten lassen, zumindest auf den Terrassen und die Abschottung der Städte ab 50.000 Einwohnern an den Wochenenden sollte ebenfalls fallen. Auch in Andalusien geht man Schritt für Schritt vor, die mittlerweile eingespielt hohe Testdichte erlaubt relativ genaue Erhebungen, wo welche Risiken bestehen.

Reisefreiheit in und nach Spanien: "Öffnung wäre gefährlich voreilig"

Doch die großen Fragen bleiben weiter ungelöst: Nach wie vor positioniert sich die Zentralregierung nicht dazu, wann die Reisefreiheit zwischen Regionen (Bundesländern) wieder möglich wird, sowohl Voraussetzung für den inländischen wie den ausländischen Tourismus. Deutschland hat Spanien von der Liste der Hochrisikogebiete genommen, doch wegen des Mangels an Angeboten der Fluggesellschaften und der nach wie vor massiven Einschränkungen in Spanien, bleibt ein wie immer gearteter Tourismus in weiter Ferne.

Die Virologin Margarita del Val vom Obersten Staatlichen Forschungsrat CSIC besteht wie viele ihrer Kollegen darauf, dass eine "umfassende" Öffnung schon zu Ostern, also Ende März "gefährlich voreilig" wäre. Ihr deutscher Kollege Christian Drosten warnte im "Spiegel" ebenfalls vor einer schnellen Aufweichung, die Mischung aus Lockdown-Frust, ökonomischen Nöten und noch zu niedriger Impfrate könnte dazu führen, dass in einer "vierten Welle" zwar weniger alte Menschen erkranken, dafür aber statt der 20.-30.000 sich an die 100.000 jüngere Menschen täglich anstecken, was den Druck auf die Krankenhäuser letztlich ebenso erhöhen würde.

Varianten: Spanien weiß zu wenig über Virus-Mutationen

Eine weitere Unsicherheit liefern die Virusvarianten. Spanien hat bisher nur 898 Fälle der britischen Mutation registriert, weil das Land zu wenig Kapazitäten hat, gezielt auf die Varianten zu testen. Fernando Simón sieht die Ausbreitung der Varianten daher auch "etwas langsamer als erwartet". Hochrechnungen ergeben, das in einigen Regionen jede fünfte Neuinfektion auf die britische Variante zurückzuführen sei, wobei die regionalen Unterschiede sehr groß seien. Klar ist, dass die Versionen aus Großbritannien, Brasilien und Südafrika signifkant ansteckender sind, klare Studien über eine höhere Gefährlichkeit bei Krankheitsverlauf und Mortalität gibt es für Spanien noch keine. In Spanien wurde zudem am Wochenende die erste "nigerianische Mutation" registriert, "wir warten auf Einschätzungen, ob diese Variante, die auch in einigen anderen europäischen Ländern auftrat, irgendwelche Konsequenzen hat", so Simón sehr abwartend und vage.

Impfkampagne in Spanien: Erst 2,5 Prozent erhielten beide Dosen

Derzeit (Stand 22. Februar) sind in Spanien 1,2 Millionen Menschen mit je zwei Dosen Imfpstoff versorgt worden, 3,1 Millionen Dosen wurden insgesamt verabreicht. Die Durchimpfungsrate beträgt in Spanien damit 2,5 Prozent, es würde beim Tempo der letzten drei Wochen ziemlich genau ein Jahr dauern bis die gewünschte Durchimpfung von 70+ Prozent erreicht wäre. Doch die Lieferengpässe von Pfizer und Moderna scheinen kurz vor der Behebung zu stehen, die Liefermengen sollen in den kommenden Wochen verdreifacht werden. Außerdem steht für Menschen bis 55 Jahre, zunächst noch aus der "ersten Linie" der AstraZeneca-Wirkstoff zur Verfügung, bis dato 418.000 Dosen. In vielen Regionen impft man mittlerweile die Ü80-Bevölkerung ohne besondere Risiken. Weitere Zulassungen von Sanofi und Johnsson werden erwartet.

Studie in Katalonien: Wirksamkeit der Impfungen in Altersheimen signifikant

Auch die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe wird durch weitere Studien belegt. Das katalanische Institut Biocmomsc hat ermittelt, dass der Anteil der Bewohner von Altenheimen an allen Patienten, die in Katalonien wegen Covid-19 in Krankenhäuser eingeliefert werden mussten, seit der Impfung von acht auf vier Prozent gefallen sei, nur noch 15 Prozent der Covid-Todesfälle werden von Bewohnern aus Altenheimen gestellt, vor der Impfkampagne waren es 40 Prozent. Interessant ist auch die Einschätzung vom CSIC, wonach bereits die erste Dosis von Pfizer das Risiko des Todes oder eines schweren Krankheitsverlaufes um 74 Prozent senke und die bisher gängigen Präparate auch in kleineren Mengen verabreicht ausreichenden Schutz gewähren.

Bereits in der Vorwoche berichteten wir von breit angelegten Feldstudien aus der ersten Impfwelle, die unerwünschte Nebenwirkungen im Rahmen des Erwartbaren bestätigen und die Aussage zulassen, dass die Impfstoffe mit schweren Gegenreaktionen im Bereich von 3-4 pro 100.000 geimpften Personen sehr sicher sind, zumindest innerhalb des bis dato messbaren Zeitraums. Die Impfbereitschaft der ohnehin vergleichsweise aufgeschlossenen Spanier hat sich in den vergangenen Wochen mit 81 Prozent nochmals deutlich erhöht und stellt einen europäischen Spitzenwert dar.

Hinsichtlich der Anforderungen und Abläufe der Impfung für in Spanien lebende Ausländer, bemüht sich unsere Redaktion derzeit mit Hochdruck um verlässliche Auskünfte der Rathäuser und Gesundheitsbehörden, so dass wir die verehrte Leserschaft bald entsprechend zuverlässig informieren können. Bis dato gilt: Bringen Sie Ihren Meldestatus (empadronamiento) auf den aktuellen Stand!

Wichtige Links zum Coronavirus in Spanien:

Wer aktuelle Corona-Zahlen aus seiner spanischen Gemeinde sucht, wird hier für Andalusien unter „informe diario“ hier für Murcia und hier für Valencia fündig, die wichtigsten Corona-Fallzahlen aus den Gemeinden entlang der Costa Blanca haben wir hier für Sie zusammengefasst sowie hier für die Gemeinden entlang der Costa del Sol in Andalusien.

Weitere aktuelle Entwicklungen sowie der Stand der sich stetig ändernden Corona-Restriktionen und -Regeln finden Sie hier für die Region Valencia (Costa Blanca) und hier für die Region Andalusien (Costa del Sol etc..

Informationen zur Covid-Impfung für Ausländer in Spanien.

Wichtige Hinweise für Reisende zur Einreise nach Spanien und Deutschland.

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