Coronavirus-Spanien-eine Krankenschwester aus Barcelona.
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Krankenschwester Marta Fernandez aus Barcelona schaut angesichts der stark steigenden Inzidenzen vor allem bei jungen Leuten in Spanien mit Bangen in die nähere Zukunft.

Inzidenz in Spanien steigt - Auswirkung auf Reiseverkehr

Coronavirus Spanien: Inzidenz unter Jugendlichen steigt - Folgen für Urlaub

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Die Inzidenz steigt in Spanien unter Jugendlichen stark. Das hat Folgen für den Tourismus. Deutschland rät von Reisen nach Katalonien und Kantabrien ab. In Katalonien sind Nachtclubs seit dem 9. Juli wieder geschlossen.

Madrid - Die Infektionen mit dem Coronavirus unter der jungen, noch nicht geimpften Bevölkerung steigt seit 22. Juni in Spanien steil an. Die 14-Tages-Inzidenz der 20- bis 29-Jährigen erreicht fast 450 Fälle unter 100.000 Einwohnern, der in der Altersgruppe darunter, der Zwölf- bis 19-Jährigen pendelt sich etwas darunter bei rund 405 Fällen ein. Beide Werte drücken die Inzidenz in Spanien hoch auf über 152 Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern im Zeitraum von 14 Tagen. Damit gilt das Ansteckungsrisiko in Spanien erstmals seit April wieder als hoch, in der EU verzeichnen nur Portugal und Zypern höhere Werte.

Neuinfektionen mit Coronavirus in Spanien: Deutschland erklärt Kantabrien und Katalonien zu Risikogebieten

Aktuell wirken sich die Neuinfektionen vor allem unter der jungen Bevölkerung nur begrenzt auf die Versammlungs- oder Reisefreiheit in Spanien aus. Die Bundesrepublik Deutschland stuft allerdings inzwischen Katalonien und Kantabrien als Risikogebiete ein und rät aktuell von Reisen in sieben spanische Regionen ab, nämlich Katalonien, Kantabrien, Andalusien, Navarra, La Rioja, das Baskenland und die Exklave Ceuta.

Der Anstieg der Ansteckungen der jungen Bevölkerung könnte sich durchaus noch negativ auf den internationalen Tourismus in der Hochsaison und damit auf die Wirtschaft auswirken beziehungsweise weitere Reisewarnungen und andere Einschränkungen mit sich bringen, auch weil die Delta-Variante des Coronavirus sich weiter ausbreitet.

Coronavirus Spanien aktuell: Die wichtigsten Links

  • Mehr über Coronavirus und Auswirkungen auf den Reiseverkehr lesen Sie hier.
  • Mehr über die aktuelle Lage der Pandemie an der Costa Blanca lesen Sie hier.
  • Mehr über die aktuelle Lag der Pandemie an der Costa del Sol lesen Sie hier.
  • Stand der Neuinfektionen an der Costa Blanca vor Ort lesen Sie hier.
  • Stand der Neuinfektionen an der Costa del Sol vor Ort lesen Sie hier.

Je schneller aber geimpft und je weniger Covid-19 die Infrastrukturen des Gesundheitswesen in Bedrängnis bringt, desto weniger taugt der aktuelle Inzidenzwert der Neuinfektionen als der Gradmesser schlechthin für den Verlauf der Coronavirus-Pandemie in Spanien. Im Ampelsystem über den Stand der Pandemie rangiert der Inzidenzwert als ein Parameter unter den acht wichtigen Indikatoren, an denen man misst, wie gefährlich das Coronavirus aktuell ist. Bei den anderen sieben Indikatoren stellt man in Spanien bislang keine signifikanten Veränderungen fest, weder bei den Ansteckungen in den Risikogruppen der Gesellschaft, noch bei der Auslastung der Krankenhäuser und ihrer Intensivstationen mit Covid-19-Patienten und auch nicht bei der Sterblichkeitsrate.

Coronavirus Spanien aktuell: Wie aussagekräftig ist der Inzidenzwert bei fortschreitender Impfung noch?

Dies hängt mit der Impfung gegen Covid-19 zusammen, die sich in Spanien strikter als in vielen anderen EU-Ländern sich nach den Altersgruppen orientiert. Spanien rückt dem Impfziel von 70 Prozent immer näher, derzeit verfügen 55 Prozent der Bevölkerung über eine Impfung gegen Covid-19, fast 39 Prozent sind durchgeimpft. Das wiegt die jüngere Bevölkerung in Sicherheit. Viele wähnen ihre Familienmitglieder unter dem Schutz der Impfung, sie selbst fürchten oft eine Ansteckung mit dem Coronavirus nicht und wollen natürlich nach der langen Zeit der Einschränkungen und zu Beginn der Ferienzeit wieder Schwung in ihr soziales Leben bringen.

Die Gesundheitsbehörden haben bereits begonnen, ihre Strategie gegen Covid-19 Pandemie etwas zu ändern. Man setzt mehr auf konkrete Maßnahmen wie Massentests vor Ort und Impfaktionen für jüngere Personen und weniger auf allgemeine Einschränkungen, die etwa die ganze Bevölkerung betreffen. Das Nachtleben könnte abermals ins Visier der Gesundheitbehörden rücken. In Kantabrien mussten bereits in 17 Gemeinden die Nachtlokale schließen, betroffen sind Santander und Ferienziele an der kantabrischen Küste. Sowohl in Kantabrien als auch in Katalonien liegt der Inzidenzwert unter den 20- bis 29-Jährigen bei über 1.000 und das ausgerechnet am Anfang der Hauptsaison mit Einsetzen der Reisewelle.

Derweil steuert in Katalonien die Gesamt-Inzidenz auf 300 zu, die Gesundheitsversorgung in Bacelona kommt auf der Ebene Gesundheitszentren in Schwierigkeiten. Nur am Samstag stellten die Gesundheitsbehörden 5.400 Neuinfektionen fest. Das wird mit dem nächtlichen Treiben in den Ausgehvierteln und an den Stadtstränden von Barcelona in Verbindung gebracht. Am Samstag hat die dortige Landesregierung Not-Impfzentren für Personen über 16 Jahren eingerichtet. Auch auf den Balearen steigt die 14-Tagesinzidenz auf über 130 an.

Die Nachtbars, wie hier in Barcelona, fürchten, bald wieder schließen zu müssen.

Die dortige Landesregierung will massive Tests unter der jüngeren Bevölkerung durchführen, insbesondere auf Menorca, wo man die jüngsten Infektionen mit Straßenfeten in der San-Juan-Nacht am 24. Juni in Verbindung bringt. Diese Feste in den Straßen und an den Stränden werden im Juli und August nicht abreißen. Es ist nicht abzusehen, ob und wie sie sich auf die Sommerferien und die Pandemie auswirken werden. Das Rathaus von Santander hat bereits den ersten Warnschuss losgelassen: Wenn die Neuinfektionen weiter so fortschreiten, muss die Stadt die Innenräume der Gastronomie - für das arg gebeutelte Gastgewerbe käme das einer Katastrophe gleich.

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