Eine Krankenschwester impft eine Frau in Spanien.
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Die Corona-Impfkampagne in Spanien hängt weiter am Tropf der mageren Lieferungen durch Pfizer und Moderna. Hoffnung machen neue Zulassungen und Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit.

Covid-19 in Spanien

Coronavirus Spanien aktuell: Spürbare Entspannung - Studien zu Covid-Impfung

  • vonMarco Schicker
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Spanien dürfe sich auch angesichts stark sinkender Corona-Fallzahlen nicht wieder zu schnell entspannen, so die Gesundheitsbehörden. Denn die Covid-Impfkampagne kommt nur sehr langsam voran, auch wenn es Hoffnung auf weitere Zulassungen von Impfstoffen gibt. Pfizers Vakzin ist nun auch durch erste Studien nachweislich wirksam und sicher. 

Update, 23. Februar: Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus in Spanien im neuen Ticker-Artikel.

Madrid - Die Zahl der neuen Coronavirus-Fälle in Spanien ist weiter stark im Sinken begriffen, am Montag, 15. Februar, meldete das Gesundheitsministerium eine 14-Tages-Inzidenz von 416 Covid-19-Fällen pro 100.000 Einwohnern. Die Inzidenz sinkt damit binnen drei Wochen um mehr als die Hälfte. Über das Wochenende wurden 30.250 neue Fälle registriert, 35 Prozent weniger als am Wochenende zuvor sowie 702 Covid-Toten von Donnerstag 15 Uhr bis Montag 15 Uhr.

Corona in Spanien: Legeres Madrid jetzt Schlusslicht

Gleichzeitig forderte das Gesundheitsministerium die Autonomen Gemeinschaften auf, die Lockerung von Corona-Restriktionen „Schritt für Schritt und sehr gut überlegt“ anzugehen, denn die Situation sei insgesamt immer noch als „sehr schlecht“ zu bezeichnen. Zur Erinnerung: Bis zu einer 14-Tage-Inzidenz von 250 gilt die Ansteckungslage als „extrem gefährlich“. In den Regionen Murcia, Andalusien und Valencia bleiben die meisten Restriktionen zumindest bis zum 1. März aufrecht. Details in den weiterführenden Links am Ende dieses Beitrages.

Die 14-Tage-Inzidenz in Andalusien lag am Montag bei 498 Fällen pro 100.000 Einwohner, in Murcia bei 287, in der Region Valencia bei 506, die damit die „Rote Laterne“ an die Region Madrid abgegeben hat. Dort herrscht eine Corona-Inzidenz von 560 Fällen, nach Melilla der schlechteste Wert in ganz Spanien. In Madrid herrschten auch die laschesten Einschränkungen und wurden bereits vorige Woche Lockerungen erlaubt. Madrid war eine der wenigen Regionen, wo die Gastronomie geöffnet blieb.

Corona in Spanien: Druck auf Intensivstationen wegen Covid-19 sinkt nur langsam

Die Auslastung der Intensivstationen in Spaniens Krankenhäusern sank am Montag, 15. Februar auf knapp 38 Prozent, fünf Punkte weniger als noch vor einer Woche. In Madrid, Castilla y León und der Comunidad valenciana reicht sie knapp an die 50 Prozent heran, in La Rioja beträgt sie 55 Prozent. 4.316 Menschen mussten in den letzten sieben Tagen in Spanien stationär wegen Covid-19 aufgenommen werden, davon kamen 370 neu auf die Intensivstationen (UCIs).

Der Anteil der positiven PCR-Tests schwankt regional stark. Mehrere Regionen sind hier bereits bei der Schwelle von um die fünf Prozent angekommen, ab der eine Pandemie als halbwegs kontrollierbar gilt, darunter Katalonien, Balearen, Kanaren, Kantabrien. Galicien liegt mit 3,6 Prozent sogar deutlich darunter. Andererseits meldet Valencia noch immer eine Positiv-Rate von über 17 Prozent, Andalusien 13+, Murcia 9,6.

Corona-Impfkampagne in Spanien: Auch Moderna hat Lieferprobleme, Hoffnung auf weitere Zulassungen

In den letzten sieben Tagen wurden 1.230 Covid-19-Tote in Spanien registriert, etwa halb so viele wie vor zwei Wochen. Andalusien und Valencia führen diese Statistik mit 245 bzw. 240 Toten deutlich an.

Gute und schlechte Nachrichten gibt es von der Impffront: Mit Stand Montag haben 1,07 Millionen Spanier ihre zweite Impfdosis erhalten, 2,56 Millionen ihre erste. Fehlen also „nur“ noch rund 37 Millionen, um die erwünschte Mindestdurchimpfung zu erreichen. 2,58 Millionen Impfdosen wurden bisher von Pfizer geliefert, lediglich 192.000 bzw. 193.000 von Moderna und AstraZeneca (diese werden nur an Personen bis 55 Jahre verabreicht). Moderna hat (nach Pfizer) Produktions- und damit Lieferengpässe gemeldet. Spanien hofft auf baldige Präparate von Janssen und Sanofi.

In sieben Autonomen Gemeinschaften beginnt man nun, nach dem Gesundheitspersonal, den Bewohnern von Altersheimen und einigen spezifischen Risikogruppen mit der Impfung aller Über-80-jährigen. Außerdem bereiten sich viele Regionen und Städte auf mögliche Massenimpfungen vor, sobald ausreichend Impfstoff verfügbar sein sollte. Es werden dabei auch Drive-in und Open-Air-Impfungen vorgesehen, in Sportanlagen, auf Marktplätzen und in allen verfügbaren und geeigneten öffentlichen Gebäuden.

Studien aus Israel, Großbritannien und Spanien: Pfizer-Impfstoff hoch wirksam und sicher

Gute Nachrichten gibt es hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit des Pfizer-Impfstoffes. Laut einer Studie aus Israel, das Weltspitze bei der Impfrate ist, sinken die symptomatischen Fälle bei Geimpften um 94 Prozent, das bedeutet, die Covid-19-Krankheit bricht kaum noch aus. Bei den bisher bekannten Mutationen wirke der Impfstoff ebenfalls im Rahmen der ermittelten Spanne, hier liegen aber noch keine gesonderten Studien vor. In Spanien wurde zudem festgestellt, dass die Zahl der neuen positiven Fälle in Altersheimen bei Personal und Bewohnern bereits nach der Gabe der ersten Dosis um 50 Prozent gesunken sei.

Hinsichtlich der Nebenwirkungen des Pfizer-Impfstoffes gibt es mittlerweile umfangreiche Daten aus Großbritannien, wo bereits rund 13 Millionen Menschen geimpft werden konnten sowie eine erste Studie des AEMPS, der spanischen Behörde für Medikamentensicherheit.

Nebenwirkungen: Covid-Impfstoff verträglicher als ein Glas Milch, Studie aus Spanien

In Spanien werden 70 Prozent der bisher Geimpften von Frauen gestellt, 73 Prozent sind zwischen 18 und 64 Jahre alte, 27 Prozent über 65. Von den 1,05 Millionen protokollierten Impfungen wurden bei 1.537 Personen unerwünschte Nebeneffekte festgestellt, das sind 138 pro 100.000 Probanden. Die meisten davon betrafen: leichtes Fieber, Erschöpfung und Schlappheit, leichter Druckschmerz im Arm oder an der Impfstelle, Schwindelgefühl, verdickte Lymphknoten, Erkältungssymtpome, Durchfall, Schlaflosigkeit, Hautrötung um die Impfstelle. In fast allen Fällen verschwanden diese Symptome binnen weniger Tage von selbst, in wenigen Fällen wurde mit Medikamenten nachgeholfen.

In Spanien gab es laut Aemps bisher nur vier Fälle schwerer Unverträglichkeit, sprich eine allergische Reaktion auf den Impfstoff. Großbritannien quantifiziert diese schweren Abweisungerscheinungen aus seinen Studien auf drei bis vier Fälle pro 100.000 Einwohner. Das heißt laienhaft übersetzt und pointiert ausgedrückt: Ein Glas Milch würde häufigere und auffälligere Nebenwirkungen hervorrufen als der Covid-Impfstoff.

Fake-News und hohle Phrasen: Horrormeldung der Netz-“Experten“ zu Impfstoffen bestätigen sich nicht

Die in den „Expertennetzwerken“ wie Facebook oder YouTube kursierenden Horrormeldungen, wonach der Impfstoff Unfruchtbarkeit verursacht oder einen Nano-Chip von Bill Gates implantiert, bestätigten sich nicht. Ebensowenig die Behauptungen, der Impfstoff würde das Erbgut verändern oder bei den Impfungen würden reihenweise Menschen umkippen. Abgesehen von der gezielten, ideologisch motivierten Propaganda von Impfgegnern, machten viele „Skeptiker“ den Fehler, Korrelation und Kausalität zu verwechseln.

Nach jetziger Erkenntnis etlicher unabhängig voneinander agierender Forscherteams sowohl staatlicher wie privater Labore, ist der Pfizer-Imfpstoff als „sicher“ und „wirksam“ einzustufen. Geprüft wird noch, inwieweit Geimpfte noch immer für andere ansteckend sein können. Dazu fehlt es naturgemäß noch an Daten.

Wichtige Links zum Coronavirus in Spanien:

Wer aktuelle Corona-Zahlen aus seiner spanischen Gemeinde sucht, wird hier für Andalusien unter „informe diario“ hier für Murcia und hier für Valencia fündig, die wichtigsten Corona-Fallzahlen aus den Gemeinden entlang der Costa Blanca haben wir hier für Sie zusammengefasst sowie hier für die Gemeinden entlang der Costa del Sol in Andalusien.

Weitere aktuelle Entwicklungen sowie der Stand der sich stetig ändernden Corona-Restriktionen und -Regeln finden Sie hier für die Region Valencia (Costa Blanca) und hier für die Region Andalusien (Costa del Sol etc..

Informationen zur Covid-Impfung für Ausländer in Spanien.

Wichtige Hinweise für Reisende zur Einreise nach Spanien und Deutschland.

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