Weihnachtskrippe, Belén in Huétor Tájar
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In der Weihnachtskrippe, dem Belén in Huétor Tájar bei Granada, wurde die weihnachtliche Maskenpflicht schon umgesetzt.

Covid-19 Lage in Spanien

Coronavirus: Spanien wird Hochrisikogebiet - Booster-Impfung per SMS - Erneut Maskenpflicht im Freien

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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  • Marco Schicker
    Marco Schicker
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Spanien reaktiviert bewährte Impfzentren und vergibt Booster-Termine wieder per SMS. Omikron sorgt für ein entfesseltes Infektionsgeschehen. Ab 24. Dezember gilt die „grundsätzliche“ Maskenpflicht auch im Freien. Spanien wird ab 25. Dezember Hochrisikogebiet.

Update, 24. Dezember: Die Bundesregierung in Deutschland stuft Spanien und Portugal ab 25. Dezember wegen hoher Corona-Infektionszahlen als Hochrisikogebiete ein. Das gibt das Robert Koch-Institut bekannt. Wer aus einem Hochrisikogebiet in Deutschland einreist und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne. Man kann sich frühestens fünf Tage nach der Einreise mit einem negativen Test davon befreien. Die 14-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern steigt in Spanien am 23. Dezember auf 911 Fälle, dem bisher höchsten Wert der Pandemie. Das Gesundheitsministerium meldet 72.912 neue Infektionen und 82 Todesfälle.

Update, 23. Dezember: Mit 60.000 neuen Infektionen binnen 24 Stunden, dem zweiten „Rekord“ in Folge, sprang am Mittwoch die Inzidenz in Spanien um 60 Punkte auf 784 (14 Tage). Es wurden 51 neue Todesfälle wegen Covid-19 gemeldet, etwa ein Zehntel der Covid-Toten, die bei vergleichbarer Infektionslage in den ersten Wellen zu beklagen waren.

Angesichts der rasant steigenden Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat die Region Murcia die Notbremse gezogen. Ab dem 24. Dezember gelten eine Reihe von neuen Beschränkungen. Alle nicht systemrelevanten Geschäften, darunter Bars und Restaurants, müssen von 1 bis 6 Uhr schließen. Tanzflächen werden geschlossen. Für Nachtbars und Diskotheken gilt: Eintritt nur mit Impfpass. Innenräume dürfen nur zu 30 Prozent belegt werden. Bars und Restaurants steht es frei, den Impfpass zu fordern. An einem Tisch dürfen drinnen höchsten zehn Personen sitzen, draußen zwölf. Während der Heiligen-Drei-Königs-Umzüge am 6. Januar müssen die Zuschauer sitzen. Die Maßnahmen gelten vorerst bis 14. Januar 2022. Die 14-Tages-Inzidenz in der Region Murcia liegt derzeit bei fast 950 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Die Maskenpflicht auch im Freien in Spanien kehrt zurück. Per Dekret hat Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez das abgemilderte landesweite Maskengesetz wieder in Gänze aktiviert, ab Freitag, 24. Dezember, ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Freien in Spanien Pflicht, auch wenn der bisher gültige Mindestabstand eingehalten werden kann. Ausnahmen: Sportliche Betätigung in entsprechender Umgebung, Wanderungen am Strand, in Wald und Feld etc. Verhindert werden soll damit vor allem die Gefahr, bei weihnachtlichen Menschenansammlungen (Märkte, Shopping, Tapas-Touren), aber auch bei regem Verkehr an Hauseingängen, Haltestellen etc. Einige Experten halten die Maßnahme für wenig tauglich, andere meinen, dass als Rechtfertigung dafür genügen sollte, wenn man damit nur einen Menschen vor einem schweren Verlauf oder Schlimmerem bewahren kann.

Zwar waren die Spanier schon bisher im Alltag deutlich vorsichtiger, doch offenbar wollte Regierungschef Sánchez auch sein Schärflein zur Omikron-Bekämpfung beitragen, außer der Maske bleibt ihm da nicht viel, weil der Rest Ländersache ist. Ansonsten hat die Regierung die Regionen animiert, die Booster-Impfungen voranzutreiben und macht die Impfstoffreserven dafür locker, das Militär rückt für logistische Unterstützung aus. Weitere Restriktionen sind von der Zentralregierung über Weihnachten, Neujahr und Drei-Könige indes nicht geplant.

Erstmeldung, 22. Dezember: Málaga/Murcia/Alicante - Die sechste Infektionswelle mit dem Coronavirus in Spanien bricht über die medizinische Erstversorgung herein. Vor den Gesundheitszentren und in den Notaufnahmen der Krankenhäuser bilden sich lange Schlangen, in Katalonien sind die Mitarbeiter so überlastet, dass Neuinfektionen nicht nachverfolgt und auch die engsten Kontakte von Infizierten nicht mehr zu Tests zitiert werden können. Auch in Madrid genügt nach einem positiven Selbsttest jetzt ein Anruf bei einer Hotline für die Statistik. Ideale Voraussetzungen also, für eine unkontrollierbare Ausbreitung von Coronavirus samt Omikron.

Andrang zur Booster-Impfung, hier in Barcelona. Die zentrale Terminvergabe soll die Schlangen nun entzerren.

Die 14-Tage-Inzidenz schoss in Spanien binnen einer Woche um fast 250 auf nun 695 Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern in Spanien (Daten vom Dienstag, 21. Dezember) hoch, mit 49.823 Neuinfizierten über das Wochenende wurde der höchste Wert seit Pandemie-Beginn registriert, Rekorde, die, wegen der hoch ansteckenden Variante auch in vielen anderen Länder gebrochen werden. Womöglich liegt der reale Wert höher, inzwischen sind selbst die Antigentests in vielen Apotheken knapp geworden.

Spanien in der 6. Welle: Stärkere Einschränkungen zu erwarten, aber erst nach Weihnachten?

Wahrscheinlich stoßen Ministerpräsident Pedro Sánchez und die Landesbarone bei der Videokonferenz am Mittwoch, 22. Dezember, die Tür zu Restriktionen und einer Ausweitung des Covid-Passes in Spanien einen Spalt weit auf – nach Weihnachten werden die Spanier dem Schrecken womöglich ins Antlitz blicken müssen. „Wir haben davor gewarnt, dass dies bittere Weihnachten und ein schlechter Januar werden können. Es ist traurig, dann recht zu bekommen – vor allem, wenn alles, was man von jetzt bis Jahresende unternimmt, kaum noch Relevanz haben kann“, sagte Professor Alberto Infante vom Institut Carlos III.

Nun ist die sechste Welle in Spanien los und Katalonien fordert die Sperrstunde, die Schließung des Nachtlebens und eine Beschränkung der Versammlungsfreiheit auf zehn Personen – da werden Erinnerungen an den Sommer wach. So weit wollen andere Regionen aber nicht gehen, Katalonien fordert indes die Ausweitung seiner harten Gangart auf das ganze Land. Valencia setzt auf eine Ausweitung des Covid-Passes auf praktisch alle Lokale, in deren Innenräumen Speisen und Getränke serviert werden, also auch Kinos, Theater und Sportzentren. Ohne den Covid-Pass kommt man in Andalusien, wo er seit Montag, 20. Dezember und bis vorerst 15. Januar gilt, ohnehin fast nirgendwo mehr hinein.

Spanien reaktiviert Impfzentren und zentralisierte Terminvergabe für Booster-Impfungen

Einstweilen fährt Spanien sein Impf-Schutzschild wieder voll aus. Auch wenn die Infektionszahlen weit über dem Vorjahresniveau liegen, so geht es in den Krankenhäusern wesentlich entspannter zu. Eine Zahl, die zumindest den Hauptzweifel über die Wirksamkeit der Impfung zerstreuen sollte, beeindruckt besonders: Die Sterberate sank um 90 Prozent. Das heißt, neun von zehn Menschen, die in den vorigen Wellen noch gestorben wären, überleben jetzt. Es ist auch erwiesen, dass der Booster-Shot die Abwehrkräfte des Körpers unterstützt und für mildere Verläufe und weniger Krankenhausaufenthalte sorgt. Geimpfte können weiter anstecken, aber nicht in dem Maße wie Ungeimpfte. Die Impfung, das stellt sich ein weiteres Mal heraus, ist keine Lösung, kein Allheilmittel, aber - neben sozialer Distanz und Hygienemaßnahmen, das gelindeste Mittel zur Minimierung der Risiken durch Corona. Mehr wurde von den Fachleuten auch nie behauptet.

Die spanischen Regionen richten daher ihre großen Impfzentren in Messegeländen, Sportanlagen etc. wieder ein, vor allem, um den Run auf die Erstversorgung zu verringern. Wichtigste Neuerung: die Gesundheitsministerien der Landesregierungen kehren auch bei der Booster-Impfung zu der bewährten Terminvergabe per SMS oder Telefon zurück (für Inhaber einer spanischen SIP-Karte oder provisorischen SIP-Karte). Vorrang haben noch immer die Personen über 60 Jahre (von alt nach jünger, je nach lokaler Verfügbarkeit der Impfstoffe) sowie jene, die "nur" einen AstraZeneca-Shot abbekamen.

Proteste gegen Corona-Maßnahmen gibt es auch in Spanien, regelmäßig in Barcelona, aber bei Weitem nicht in dem Ausmaß wie in anderen Ländern.

Betroffene können und sollen sich den Weg zu Gesundheitszentren für einen Boostertermin sparen oder müssen sich nicht mehr in die Schlange der Massenimpfungen stellen. Bleibt zu hoffen, dass die Drittimpfungen in geordnetere Bahnen geleitet werden, bei den ersten beiden klappte das in Spanien nach Anlaufschwierigkeiten ja fast perfekt. Für Langzeittouristen und Camper heißt dies aber auch, dass die Booster-Impfung eine Anmeldung – sei es vorläufig oder unbefristet – im öffentlichen Gesundheitssystem erfordert. Konkreter können die Costa Nachrichten leider nicht werden, weil die Behörden selbst sich gegenüber Anfragen bedeckt halten und die Anforderungen sich teilweise von Rathaus zu Rathaus unterscheiden. Mancherorts wird eine Anmeldung – Empadronamiento – vorausgesetzt, andernorts stellen Gesundheitszentren vorläufige Gesundheitskarten wie empfohlen ohne Anmeldung im Rathaus aus.

Lage in Krankenhäusern in Spanien ernst, aber Drama spielt sich in Gesundheitszentren ab

Sicher ist jedoch, ohne Tarjeta SIP oder Tarjeta Sanitaria gibt es keine Impfung. Der dritte Schuss wird in Spanien bei mRNA-Impfstoffen wie Biontech Pfizer und Moderna auch erst sechs Monate und beim Vektor-Impfstoff AstraZeneca frühestens drei Monate nach der zweiten Impfung verabreicht.

Derweil klingt der erste Schwung der Kinderimpfung ab, weiter geht es im neuen Jahr. Diese Gruppe von fünf bis elf Jahren weist in Spanien nicht mehr die höchste Inzidenz auf. Mehr geht das Virus bei den 20- bis 29-Jährigen mit einer Inzidenz von 854 um und in den kommenden Tagen dürfte die Infektiongefahr in den Gruppen der 30 bis 39 Jahre und 40 bis 49 Jahre auch die der Kinder von 777 übersteigen.

Das Gesundheitsministerium spricht von einem „explosionsartigen Anstieg“ von rund 10.000 Infektionen pro Tag. Mit Blick auf die Feiertage könnte sich die Lage weiter verschärfen. Fein raus sind just die Altersgruppen, die die Drittimpfung erhalten haben, nämlich die über 70 Jahre mit einer Inzidenz von 216 und die über 80 Jahre mit 176. Am Panorama der allgemeinen Infektionslage hat sich wenig geändert, es ist aufgrund des sehr hohen Ansteckungsrisikos düsterer geworden. Der Nordosten Spaniens nähert sich der 1.000er-Marke oder hat sie überschritten, wie Navarra mit einer Inzidenz von 1.393, das Baskenland mit 1.124 oder Aragón mit 938.

Derweil bewegen sich an der Mittelmeerküste Katalonien, Valencia und Murcia mit 548, 668 und 651 im Spanienschnitt, Andalusien hält mit 379 Neuinfektionen den niedrigsten 14-Tage-Inzidenzwert in Spanien. Die Tendenz geht nach oben – die Infektionsrate steuert auf die 15 Prozent zu. Am Montag mussten 7.500 Patienten mit Covid-19 stationär behandelt werden. Damit belastet die Pandemie derzeit sechs Prozent der Krankenhausbetten, mit 1.442 Schwerkranken auf den Intensivstationen allerdings über 15 Prozent der Intensivstationen, womit die zweithöchste Warnstufe erreicht ist – wobei es regional große Unterschiede gibt.

Das eigentliche Drama spielt sich derzeit in den Centros de Salud, den Urgenicas der Krankenhäuser und den Consultorios statt, wo die "normalen" Patienten sonstiger Krankheiten mit Menschen, die nur einen Termin wollen oder sich bei Covid-Symptomen unsicher in der gleichen Warteschlange stehen oder im gleichen Warteraum drängen. Mal wieder sind - neben den Patienten - die Leidtragenden ausgerechnet jene, die uns im Fall der Fälle helfen sollen. Auch wenn die Impfzentren hier für einigen Spannungsabbau sorgen können, fällt Spanien das Problem der für Massenphänomene nicht ausreichend ausgestatteten Erstversorgung immer wieder auf die Füße.

Zum Thema: Wie Spanien mit der Einführung der 3G-Regeln umgeht. Beispiel Jávea.

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