Mallorca lockert Corona-Regeln
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Nachtbetrieb: Keine Ausgangssperren, Öffnungszeiten bis 2.30 Uhr - Spaniens Nachtleben nimmt wieder an Fahrt auf. Hier auf Mallorca.

Covid-19 in Spanien

Coronavirus in Spanien unter Kontrolle: Fast schon Normalität

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Die aktuelle Corona-Lage in Spanien: 7-Tage-Inzidenz unter 40, Impfquote über 75 Prozent, Intensivstationen zu zwölf Prozent ausgelastet, 85 Prozent davon Ungeimpfte. Es gibt nur noch minimale Corona-Restriktionen. Die erfolgreiche Impfkampagne geht weiter, zum Schutz gefährdeter Gruppen. 

Málaga/Murcia/Valencia - Die Coronavirus-Pandemie bestimmt immer weniger den Alltag der Menschen in Spanien, weniger auch als in anderen EU-Ländern. Stromrechnung, Mindestlohn, Wetter, Waldbrände übertönen das Thema in den Medien und in den Gesprächen der Nachbarn. Das ist ein gutes Zeichen, ein Zeichen der „neuen“ Normalität, die sich fast schon wie die alte anfühlt. Die Gesellschaft lernt, mit dem Virus zu leben, in dem es dessen Risiken minimiert hat. Selbst die Frage, ob man schon geimpft sei, erübrigt sich fast, denn in Spanien ist man das im Prinzip und darin besteht auch der Schlüssel zum Erfolg. 75 Prozent der gesamten Bevölkerung Spaniens hat bis 14. September die vollständige Impfdosis erhalten, 93,7 Prozent bei der Gruppe über 40 Jahre, 98,3 Prozent bei den über 60-Jährigen. Die Schüler ab 12 Jahre, die erst Ende August mit der Impfung beginnen konnten, holen in sehr großen Schritten auf.

Coronavirus Spanien: Ungeimpfte große Mehrheit auf Intensivstationen

Am Donnerstag, 16. September, stand die 14-Tages-Inzidenz in Spanien bei nur noch 96,3 Fällen pro 100.000 Einwohnern, der Sieben-Tages-Wert liegt mit 39 unter der Hälfte davon, was eine weiter absteigende Tendenz anzeigt. Wichtiger noch: Nur 3,3 Prozent der Krankenhausbetten Spaniens sind derzeit von Covid-Patienten belegt, allerdings noch 11,6 Prozent der Intensivbetten. 85 Prozent dieser Patienten sind nicht oder nicht vollständig geimpft. 246 Covid-bedingte Todesfälle meldet das Land in den letzten sieben Tagen (Stand 16. September, Quelle: Ministerio de Sanidad).

Mit der Verbesserung der Zahlen geht der Abbau von Corona-Restriktionen einher, die nur noch marginale Eingriffe in das Leben der Menschen bedeuten. Die lästigste Regel ist sicherlich die Maskenpflicht in Spanien in Innenräumen und dort, wo der Abstand von 1,50 Meter nicht garantiert ist. Die Spanier haben sich daran gewöhnt und halten sich weitgehend vorbildlich daran, schlicht aus der Überzeugung heraus, dass ihnen das Leben zu viel bietet, als dass man es sich durch neuerliche Einschränkungen wegen wieder steigender Fallzahlen vermiesen lassen will. In Spanien lebende Ausländer sollten sich dieser frustfreien, pragmatischen Sichtweise anschließen – abgesehen davon, dass es gesetzliche Vorschrift ist.

Corona-Regeln in Spanien: Nur noch minimale Einschränkungen

Nächtliche Ausgangssperren gibt es aber nicht mehr, in immer mehr Regionen wird das Personen-Limit bei privaten oder öffentlichen Treffen aufgehoben oder angehoben. Es finden wieder Fiestas statt, auch mit größerem Publikum, Patronatsfeiern, die Fallas in Valencia oder auch das Oktoberfest an der Costa Blanca, das in diesem Jahr am 30. September in La Nucía startet.

Theater, Kinos, Kirchen stellen langsam wieder auf Normalbetrieb um und selbst die Nachtbars dürfen wieder öffnen. Aus den verschiedenen „Stufenplänen“ zum Abbau der Restriktionen ergeben sich teilweise etwas absurde Konstellationen: So lässt Andalusien (14-Tage-Inzidenz 83) in Kinos und anderen Kultureinrichtungen wieder 100 Prozent der Kapazität zu, während man in Diskos immer noch nicht tanzen darf. Außerdem sollte der „größtmögliche Sicherheitsabstand“ eingehalten werden, was in einem vollen Theater wohl eher ein Wunsch bleiben muss. Heiligenfiguren dürfen wieder in Prozessionen durch die Straßen getragen werden, dabei gibt es Vorgaben über Wegstrecken, Trägerzahl und enge Gassen, über die man nur noch schmunzeln kann.

In Murcia (Inzidenz 94) gilt jetzt, wie in Valencia (65) schon zuvor: Diskotheken und Nachtclubs dürfen wieder ihre Innenräume öffnen, aber das Tanzen bleibt verboten, die Gäste müssen brav am Tisch sitzen mit maximal sechs Leuten, die nicht in einem Haushalt leben. Der Bartresen ist zum Sitzen verboten, Bier abholen geht, Abstände müssen eingehalten werden, um 2 Uhr ist Schluss.

Im Unterschied zu Debatten in Ländern mit einer viel höheren Quote an Impfverweigerern, wie Deutschland oder Österreich, geht es in Spanien nur noch um Kleinkram.

Impfungen ohne Termin in Spanien: In Gesundheitszentren

Damit auch diese letzten Regeln fallen oder Restriktionen nicht gar wieder verschärft werden müssen, muss die Impfkampagne noch weitergehen. In Andalusien sind 750.000 Menschen im impffähigen Alter ungeimpft, rund jeder Zehnte weigert sich, andere waren zu faul. Die großen Impftempel wie das Estadio de la Cartuja in Sevilla oder der Sportpalast in Almería sollen noch im September geschlossen werden, Massenimpfungen ohne Termin werden dann zunächst in wechselnden Gemeinden durchgeführt, insbesondere in touristischen Ortschaften, um Urlauber aus anderen andalusischen Gebieten zu erreichen. Solche Impfaktionen sollen künftig auch bei großen Sportevents oder Konzerten realisiert werden. In Murcia und Valencia sollen Impfungen ab Oktober hauptsächlich von den Gesundheitszentren übernommen werden.

Fast schon wieder Normalität: Geschäftigkeit auf Las Ramblas in Barcelona, mit der Maske als notwendigem Übel.

Mit der Verabreichung der dritten Dosis für Personen mit akuter Immunschwäche ist bereits begonnen worden, die Junta de Andalucía drängt außerdem auf eine dritte Dosis für die Bewohner von Seniorenresidenzen. Bleibt die landesweite Frage, was mit den Kindern unter zwölf Jahren passiert. Für sie ist in der EU derzeit noch kein Impfstoff zugelassen. Pfizer und Moderna sind in der Testphase und es deutet sich an, dass es bis Jahresende dauern wird, bis die Jüngsten die richtige, sichere und wirksame Dosis erhalten können.

Coronavirus in Spanien: "Es ist an der Zeit, die Krankheit zu normalisieren"

Der Kinderarzt und Epidemiologe Quique Bassat, Teil des Expertenteams im Krisenzentrum der Regierung, geht davon aus, dass „Spanien höchstwahrscheinlich keine großen Ansteckungswellen mehr verkraften werden muss. Es wird Wellen geben, die aber nicht mehr so sein werden wie die früheren“. Für ihn sei es „an der Zeit, diese Krankheit zu normalisieren“.

Seine Kollegin Elena Vanesa Martínez ergänzt: „Schon durch die fünfte Welle, obwohl die von der Delta-Variante dominiert war, gingen wir mit sehr laxen Einschränkungen“, weil die Impfung bereits Wirkung zeigte. Es sei nun zwar einfacher, aber auch nach wie vor geboten, „jene, die sich nicht selbst schützen können“ zu schützen. Und das geht am besten mit der Impfung, die kein Allheilmittel ist, aber das Risiko für alle am besten und am meisten minimiert.

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