Menschen auf einer Einkaufsstraße in einer Stadt in Spanien.
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Die Corona-Neuinfektionen steigen in Spanien stark an.

14-Tage-Inzidenz über 2.500

Coronavirus in Spanien: Neuinfektionen steigen, Omikron verliert an Schrecken

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Spanien führt in Europa die Inzidenzen bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus an. Doch die Negativ-Rekordwerte scheinen nicht sonderlich zu beeindrucken. Am Montag geht die Schule wieder los.

Málaga/Murcia/Alicante – Spanien knickt vor den Coronainfektionen nicht ein: Die Schule geht für Kinder am Montag, 10. Januar, ganz normal los. Dies beschließen die regionalen Ministerpräsidenten einstimmig. „Der Präsenzunterricht hat für uns höchste Priorität“, sagt Gesundheitsministerin Carolina Darias. Wegen der hohen Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus spielte man mit dem Gedanken, den Schulstart sowie die Aufnahme des Lehrbetriebs an den Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen nach den Weihnachtsferien zeitlich etwas nach hinten zu verschieben. Das wird nun in Spanien nicht der Fall sein. Und auch an den Dreikönigs-Umzügen hielt das Land - wenn auch in veränderter Form - fest.

Coronavirus in Spanien: Neuinfektionen steigen in schwindelerregende Höhen

Derweil schießt die 14-Tage-Inzidenz ungebremst in schwindelerregende Höhen und erreicht am Dienstagabend den Stand von 2.574 Neuinfektionen, der Wert für sieben Tage liegt bei 1.382. Damit breitet sich die Omikron-Variante auch an der Mittelmeerküste weiter ohne Kontrolle aus. Andalusien kommt auf eine 14-Tage-Inzidenz von 1.528, Murcia auf 1.746, Valencia auf 1.824 und Katalonien auf 2.923. Die höchsten Werte werden im Norden Spaniens registriert, vorneweg in Navarra mit 6.422, das Baskenland mit 4.960, Aragón mit 4.213 und La Rioja mit 3.013. Nähere Information über die Coronavirus-Inzidenzen in den Gemeinden an der Costa Blanca finden Sie hier, an der Costa del Sol hier.

Das Übel bekämpft Spanien mit der Impfung. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums stehen nur 9,7 Prozent der Impfzielgruppe nicht unter dem kompletten Impfschutz. Gleichzeitig schreiten sowohl die Schutzimpfung der Kinder als auch die Booster-Impfung der Senioren und Erwachsenen voran. Schon 52 Prozent der Personen über 40 Jahren verfügt über die Drittimpfung beziehungsweise über eine Verstärkung im Falle der Personen, die nur mit der Monodosis von Janssen geimpft wurden. Bei den über 70-Jährigen liegt der Anteil bei 88,1 Prozent.

Coronavirus Spanien: Rekordwerte bei Infektionen, aber Gesundheitswesen hält Druck stand

Keine andere Welle zuvor brachte so viele Neuinfektionen mit sich – um die 137.000 pro Tag. Trotzdem hält das Gesundheitswesen der Belastung besser stand als je zuvor. Der Druck auf die Krankenhäuser steigt aber, es befinden sich 13.359 Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung, sie belegen 10,91 Prozent der Krankenhausbetten und 21,58 Prozent der Plätze auf Intensivstationen (UCI). Ein hoher Stand, aber machbar. Kritisch mutet die Situation der UCIs in Katalonien mit 40 Prozent an, in fünf weiteren Regionen liegt die UCI-Auslastung am Mittwoch, 5. Januar, bei um die 25 Prozent oder darüber. Die vorausgegangenen sieben Tage verloren 353 Menschen mit Covid-19 ihr Leben.

Gleichwohl drückt die sechste Welle die medizinische Erstversorgung gegen die Wand, Ärzte, Pfleger und medizinisches Personal klagen über chronische Überlastungen, Omikron reißt große Löcher in die Belegschaften, die Tests, die Impfaktionen und die Dauer der Pandemie an sich schlagen auf die Gemüter. Allerdings sind Anzeichen von Burnout-Syndromen besser zu verkraften als Leichen in Altersheimen, kollabierende Intensivstationen und andere danteske Szenarien, die sich vor einem Jahr abspielten. Bezeichnend auch, dass in den meisten Regionen die Beschränkungen nicht über den Covid-Pass hinausgehen.

Die Coronapandemie so wie sie aktuell verläuft greift mehr die Gesellschaft und Wirtschaft Spaniens an als sein Gesundheitswesen. Weil das Virus sich derart rasant ausbreitet, fallen die ersten Nahverkehrszüge in Städten wie Barcelona aus. An den Bahnhöfen warten Pendler mitunter eine Stunde, um zur Arbeit fahren zu können. Viele Geschäfte haben Mühe, den Betrieb am Laufen zu halten. Ein großer Teil des Personals ist infiziert oder in Quarantäne. Das betrifft oft den Einzelhandel oder Dienstleister wie etwa Friseure.

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Nimmt diese Entwicklung aber weiter an Fahrt auf, werden sich wegen der Personalknappheit bereits bestehenden Schwierigkeiten bei Vertrieb und Produktion noch verschärfen und sich zu guter Letzt auch auf die Grundversorgung auswirken. Die Regierung sieht das wohl kommen und senkte die Quarantänedauer nach einer Corona-Infektion ohne Symptome von zehn auf sieben Tage. Ein Test ist auch nicht erforderlich, um die Quarantäne zu beenden.

Omikron hat auch den kleinen Tourismusboom in Spanien abgewürgt. Die zuletzt strahlenden Gesichter ob der traumhaft guten Auslastungen von Hotels und Ferienwohnungen entlang der Mittelmeerküste sind verschwunden. Nun bestimmen Stornierungen den Sektor. Paradoxerweise ziehen aber an der Börse gerade die Kurse der Tourismuskonzerne an. Der Grund ist der gleiche wie bei den Stornierungen: Omikron. Nur spielen bei den Stornierungen scheinbar die Inzidenzen und Reisewarnungen – Spanien gilt für Deutschland als Hochrisikogebiet – eine größere Rolle, bei den Aktienkursen der relativ milde Verlauf der Infektionen mit Omikron.

Die Börsianer liegen auf einer Welle mit einigen Wissenschaftlern, für die Omikron die Entwicklung einleitet, die Covid-19 zu einer endemischen Krankheit machen könnte – mit einem milden Verlauf ähnlich wie bei der Grippe. Aktuell füllt übrigens Flurona die Schlagzeilen – daran leiden Menschen, die gleichzeitig von Grippe- und Coronaviren befallen sind. Scheinbar „bröckelt“ bei den Infektionskrankheiten der Alleinherrschaftsanspruch der Coronaviren. Dennoch sehen die meisten Experten den Scheitelpunkt der sechsten Welle nicht vor Mitte, Ende Januar. Vielleicht der Anfang vom Ende?

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