Spaniens Regierungschef Sanchez spricht auf einer Pressekonferenz.
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Sánchez überlässt das Handling der Coronavirus-Pandemie in Spanien den Ländern. Auf Bewährung. Der nationale Notstand soll am 9. Mai 2021 enden.

Coronavirus Spanien aktuell

Coronavirus in Spanien: Notstand endet am 9. Mai, die Pandemie nicht - Janssen-Auslieferung verzögert sich

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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    Judith Finsterbusch
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Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez will den Notstand wegen des Coronavirus nicht über den 9. Mai hinaus verlängern. Die Coronavirus-Krise wird so Ländersache, während die vierte Welle an Fahrt aufnimmt. Das tut aber auch massiv die Impfkampagne, die die Spanier auf einen Spätsommer in erquicklicheren Wellen, denen des Mittelmeeres, hoffen lässt. 

Update, 22. April: Aktuelle Lage Coronavirus Spanien, Impfung, Reisen - Was geschieht nach Ende des Notstands?

Update, 13. April: Der Hersteller Johnson & Johnson schiebt die Auslieferung seines Impfstoffs Janssen in der EU auf. Eigentlich hätte Spanien am morgigen Mittwoch, 14. April, die ersten 300.000 Impfdosen des US-amerikanischen Herstellers erhalten sollen. In den USA haben die Gesundheitsbehörden am heutigen Dienstag empfohlen, die Impfung mit Janssen vorübergehend zu stoppen, nachdem sechs schwere Thrombose-Fälle bei jungen Frauen bekannt geworden waren. Eine Betroffene starb, eine weitere liegt in kritischem Zustand im Krankenhaus. Knapp sieben Millionen Menschen wurden bislang in den USA mit Janssen geimpft. Spanien hat 42 Millionen Impfdosen bei Johnson & Johnson bestellt, fünf Millionen sollten in den nächsten drei Monaten geliefert werden. Das Gesundheitsministerium will die Impfung der Altersgruppe 70 bis 79 Jahren verabreichen.

Coronavirus in Spanien: Zahlen deuten auf vierte Welle hin

Update, 10. April: Die Zahlen des Gesundheitsministeriums zum Coronavirus in Spanien vom Freitag, 9. April, weisen auf einen eindeutigen, beschleunigten, landesweiten Anstieg der Infizierten und mithin die "vierte Welle" hin: 10.875 neue positive Tests wurden registriert, was die 14-Tages-Inzidenz auf 100.000 Einwohner in ganz Spanien auf 182 anhebt, 4,3 Prozent mehr als am Vortag und ein Anstieg von knapp 18 Prozent zum Freitag vor einer Woche. Außer in Asturien stiegen die Inzidenzen in allen Regionen. 149 Covid-bedingte Todesfälle binnen 24 Stunden meldet das Gesundheitsministerium für Spanien am Freitag.

Die höchste Inzidenz registriert die Region Madrid mit 324, just jene Region, die ihre regionale Reisebeschränkung am heutigen Samstag aufgehoben hat. Mehr zum Reisen innerhalb Spaniens und den Reisen von Region zu Region mit Ausrufung des Notstandsendes zum 9. Mai.

Andalusien meldet eine Inzidenz von 190, Murcia 68, Katalonien 200, Balearen 66, Kanarische Inseln 126. Valencia hat mit 35 spanienweit den besten Wert, wie wir aber aus den Wellen 2 und 3 gelernt haben, handelt es sich wahrscheinlich nur um eine zeitliche Verzögerung des erwartbaren Anstiegs. Die Einweisungen in Krankenhäuser wegen Covid-19 stiegen binnen einer Woche um 18 Prozent, jene in Intensivstationen um 11 Prozent.

Die gute Nachricht: Es werden kaum noch Fälle aus Altersheimen bekannt, die praktisch durchgeimpft sind und das Durchschnittsalter der Krankenhauspatienten sinkt wegen der zunehmenden Immunisierung der älteren Bevölkerungsgruppen kontinuierlich, damit auch auch die Überlebensquote. Weitere Daten zum Stand der Impfungen und wichtige Links zum Coronavirus in Spanien am Ende dieses Artikels.

Update, 9. April: Ende des Coronavirus Notstands in Spanien: Kann man zwischen den Regionen wieder frei reisen?

Update, 8. April: Das spanische Gesundheitsministerium hat am Mittwoch beschlossen, Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca in Spanien nur noch für Menschen ab 60 Jahren zu verabreichen. Damit folgt die Regierung halb den Empfehlungen der Europäischen Medikamentenaufsicht EMA und halb den medial hochgespielten Zweifeln. Die EMA erkannte einen Zusammenhang zwischen Thrombosefällen und der Impfgabe an, hält diese aber für extrem selten, nicht höher als bei vergleichbaren Impfstoffen und zudem behandelbar. Castilla y León hatte am Dienstag die Impfungen mit AstraZeneca ausgesetzt, die Regierung in Madrid wies jedoch darauf hin, dass das Impfregime eine Kompetenz des Zentralstaates sei und auch nach einer möglichen Beendigung des sanitären Notstandes am 9. Mai bleibe.

Auch bei der umstrittenen verschärften Maskenpflicht in Spanien haben sich die Gesundheitsminister der Länder auf einen Kompromiss geeinigt, wonach die Maske an Stränden und in der freien Natur nur in Situationen zu tragen ist, wo kein Abstand garantiert ist.

Erstmeldung, 7. April: Madrid - Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez verkündete nach einer Ministerratssitzung am Dienstag, dass er nicht vorhabe, den am 9. Mai auslaufenden sanitären Notstand wegen des Coronavirus in Spanien weiter zu verlängern. Außerdem geht er davon aus, dass bis Mitte Juli 25 Millionen und bis Ende August 33 Millionen Spanier geimpft sein werden. Damit verfehlte man zwar das Ziel von 70 Prozent Durchimpfung bis zum Sommeranfang, doch angesichts dessen, dass man bisher noch bei unter sieben Prozent steht, malt der Regierungschef einen sichtbaren Hoffnungsschimmer an den Horizont. Der sprunghafte Anstieg der Liefermengen der Vakzine koloriert das leichthändige Fresko des Regierungschefs in zaghaftem Pastell.

Aktuelle Zahlen und wichtige Links zum Coronavirus in Spanien am Ende dieses Beitrags.

Spanien beendet Coronavirus-Notstand: Handling der Pandemie jetzt Ländersache

Und etwas Optimismus können die Spanier gut gebrauchen, nachdem ihr Frust in den Ostertagen ganz zurecht anstieg, in denen viele wieder nicht in ihre Zweitwohnung fahren oder wenigstens die Familie besuchen konnten, während über die TV-Schirme Bilder fröhlicher deutscher Mallorca-Urlauber, ausgelassen feiernder Franzosen in Madrid und an die Küsten ausgebüchster Promis flimmerten, für die scheinbar eigene Gesetze gelten. Real Madrid-Star Marcelo grinste auf Instagram vom Strand in Valencia und Paparazzi erwischten Neffe und Nichte von König Felipe VI in Marbella.

Die Polizei hat während der Osterferien in ganz Spanien die Kontrollen verschärft.

Das Auslaufen des Notstandsdekrets in Spanien zum 9. Mai bedeutet indes nicht zwingend, dass die Absperrung der Regionen untereinander sowie die nächtlichen Ausgangssperren gleich entfallen. Dabei handelte es sich zwar um zentrale Vorgaben, die jedoch durch die Mehrheit der Regionen beschlossen wurden. Die ständige Konferenz der Landesgesundheitsminister bleibt daher auch nach dem 9. Mai das entscheidende Gremium für übergreifende Restriktionen – und deren Lockerungen, auch wenn theoretisch jede Region selbst entscheiden kann. So verhandeln einige Regionen bereits über wechselseitige Grenzöffnung gegen PCR-Tests, damit sich Familien, die oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt, aber in zwei unterschiedlichen Regionen wohnen, endlich wiedersehen können.

Ende des Coronavirus-Notstands in Spanien: Rückkehr der Reisefreiheit und Ende der Ausgangssperre?

Sánchez überließ das Handling der Pandemie schon bisher den Ländern, räumt nun aber auch den zentralstaatlichen Zaunpfahl in die Abstellkammer, – aber in Sichtweite. Ein Schachzug, der auch mit der am 4. Mai anstehenden und für ganz Spanien richtungsweisenden Landtagswahl in Madrid zu tun haben soll, wie die spanische Presse einhellig interpretiert. Sánchez will sich undankbare Debatten im Vorfeld der „Schlacht um Madrid“ ersparen und nicht als der Kerkermeister der Hauptstadt dastehen, während die PP-Regentin von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, an ihrem Image als querdenkende Freiheitskämpferin arbeiten kann. Letztes Bonmot: Sie will den russischen Sputnik-Impfstoff für ihre Region importieren, der ihr von einem PP-nahen Geschäftsmann millionenfach angeboten wurde. Antwort von Sánchez: Der Stoff ist in der EU noch nicht zugelassen und die Bestellungen laufen sowieso zentral über Brüssel. Ayuso darauf in Opferpose: Sie wollte doch nur im Interesse von ganz Spanien vorsondieren...

Doch zurück zu wirklichen Freiheiten: Gegen eine Freigabe der Reisen innerhalb Spaniens ab Ende des Notstandes am 9. Mai spricht schon jetzt die vierte Welle, die immer hörbarer an die Tür des Schicksals klopft. Die Inzidenzen legen wieder fast in täglichen Zehnerschritten zu, auch die Indikatoren des Anteils der positiven Tests und die bereits vor dem „Oster-Effekt“ ansteigende Zahl von neuen Covid-Patienten in den Krankenhäusern (siehe Kasten), lassen erahnen, dass Spanien vor der „Herdenimmunität“ neue Albtraum-Wochen bevorstehen.

Vierte Coronavirus-Welle in Spanien noch vor Oster-Effekt: Intensivstationen noch mit vielen "Alt-Patienten" belegt

Vor allem die Intensivstationen erwischt diese vierte Welle auf dem falschen Fuß, denn die lange Behandlungsdauer der schweren Covid-Fälle führt dazu, dass noch jeder fünfte UCI-Patient ein Opfer der dritten Welle ist, sodass die kritischen Sättigungen der Intensivstationen jetzt schneller erreicht werden, – bei ohnehin zu wenig und stark ausgelaugtem Personal. „Jede Welle erwischt uns mit volleren UCIs der Wellen zuvor“, beklagt Ricard Ferrer, Chefarzt der Intensivmedizin im Hospital Vall d’Hebron von Barcelona.

Die britische Variante ist mittlerweile unsere Variante geworden, das hat auch Vorteile.

Fernando Simón, Chef des sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung

Britische Coronavirus-Variante in Spanien die Norm: "Gute Nachricht"

Hinzu kommt die Ungewissheit über die Aggressivität der vagabundierenden Mutationen. Spanien hinkt der Detektion der Varianten hinterher, obwohl die EU seit Monaten darauf hinweist, dass man hier nachrüsten müsse. Fernando Simón, Chef des sanitären Krisenstabes der Regierung, erklärte am Dienstag, dass „die britische Variante mittlerweile unsere ist“, drei von vier Fällen in Spanien gingen bereits auf sie zurück.

Zwar sei diese Version B.1.1.7. ansteckender als der Urvirus, aber „sie hat auch einen Vorteil, denn sie lässt den weit gefährlicheren südafrikanischen und brasilianischen Varianten weniger Raum“, so Simón. Zudem wirkten die vorhandenen Imfpstoffe gut gegen die britische, aber „wahrscheinlich nicht so gut“ gegen die anderen.

Coronavirus-Impfung in Spanien beschleunigt sich: 3 Millionen Impfdosen in einer Woche angekommen

Hinsichtlich der Impfungen gibt es Anzeichen, dass der Rhythmus von einer Soleá in eine Bulería umschlägt, um im Flamenco-Jargon zu sprechen. Allein in der Osterwoche fanden über drei Millionen Impfdosen den Weg nach Spanien, noch ohne die ausstehenden Lieferungen von Johnson & Johnson. Die Altersgruppe der Ü-80 ist bald durch, einige Regionen rufen bereits die Jahrgänge bis 1950 auf, während man „essentielle“ Gruppen auch jünger impft, – wenn sie denn AstraZeneca akzeptieren. Zehn bis 15 Prozent der Lehrer und Soldaten verweigerten derzeit den für außergewöhnliche Thrombosen unter Verdacht stehenden Impfstoff.

Die EMA, die europäische Medikamentenagentur bemüht sich um wissenschaftlich fundierte Aufklärung dieser Ereignisse, die dennoch im Vergleich zur Zahl der Geimpften und damit auch der vor Corona Geretteten verschwindend gering ist. Aber das Gefühl ist dem Menschen häufig eben doch eine stärkere Entscheidungshilfe als der Verstand. Denn über Ersteres verfügt praktisch jeder.

Entwicklung des Coronavirus in Spanien - Aktuelle Zahlen, Stand der Impfungen

Coronavirus-Inzidenz in Spanien je 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen in Spanien am Dienstag, 6. April: 165 (30. März 147, 24. März 132). Andalusien 156 (130, 120), Balearen 64 (67, 52), Kanarische Inseln 122 (130, 133), Castilla y León 165 (131, 110), Madrid 288 (258, 228), Murcia 65 (56, 56), Region Valencia 33 (27, 30).

Navarra bildet mit einer Inzidenz von 366 das Schlusslicht in Spanien. Madrid, Baskenland und Katalonien liegen über 200. Balearen, Valencia, Galicien und Murcia liegen unter 100. Valencia hat mit 33 den besten Wert.

Der europäische Vergleich: Deutschland, 6. April 272 (30. März 254, 23. März 199), Schweiz 288 (251, 231), Frankreich 798 (711, 580), Niederlande 582 (551, 471), Österreich 594 (484, 450), Großbritannien 90 (111, 118).

Der Anteil der positiven Tests betrug in Spanien zum 2. April 7,2 Prozent, 5,9 Prozent vor einer Woche. Ende Januar waren es 14 Prozent. In Madrid, Kastilien La Mancha, Andalusien und Aragón fiel in der letzten Woche jeder zehnte Test positiv aus. Murcia meldet einen Anteil von 5,2, Valencia nur 3,5 Prozent positiver Tests.

Die Covid-Todesfälle beliefen sich in Spanien binnen sieben Tagen per 6. April auf 237 (30. März 265, 23. März 337), Mitte Februar waren es noch 1.300. In der vergangenen Woche starben in der Region Valencia 4 (9, 13) Menschen wegen Covid-19, in Andalusien 41 (52, 68), in Murcia 10 (7, 4), in Madrid 68.

In den letzten sieben Tagen mussten (Stand 6. April) 2.005 (zuvor 1.748) Menschen in Spanien wegen Covid-19 neu in Krankenhäuser eingeliefert werden, also rund 250 mehr als in der Vorwoche. Davon mussten 222 neu auf Intensivstationen, gegenüber 196 in der Vorwoche. Insgesamt werden wegen Covid-19 derzeit 9.463 (8.065, 7.926) Personen stationär behandelt, also wieder mehr als in der Vorwoche, davon 1.990 (1.844) intensiv.

Die Auslastung der Intensivstationen durch Covid-19-Patienten beträgt landesweit am 6. April 20 Prozent, 1,5 Punkte mehr als in der Vorwoche, Ende Januar waren es 42%.

Die statistische Übersterblichkeit in Spanien wurde vom Nationalen Statistikinstitut (INE) für 2020 mit über 80.600 angegeben. Die noch vorläufigen Daten für 2021 weisen ein statistisches Mehr an Toten von rund 13.000 aus.

Stand der Covid-Impfungen in Spanien bis 6. April: 11,9 Millionen Impfdosen wurden ausgeliefert, knapp 3,5 Million davon in der abgelaufenen Woche. Davon entfallen 7,6 Mio. auf BioNTech/Pfizer, rund eine Million auf Moderna und 3,2 Millionen auf AstraZeneca. Davon wurden bis 7. April etwas über 9 Millionen Dosen verabreicht, rund 76 Prozent der gelieferten Dosen. 2,9 Millionen Personen erhielten die vollständige Dosis, das sind 6,1 Prozent der Bevölkerung, während fast 13 Prozent der Bürger zumindest eine Dosis erhielten. Alle Daten: Ministerio de Sanidad.

Wichtige Links zum Coronavirus in Spanien

Wer aktuelle Corona-Zahlen aus seiner spanischen Gemeinde sucht, wird hier für Andalusien unter „informe diario“ hier für Murcia und hier für Valencia fündig, die wichtigsten Corona-Fallzahlen aus den Gemeinden entlang der Costa Blanca haben wir hier für Sie zusammengefasst sowie hier für die Gemeinden entlang der Costa del Sol in Andalusien.

Weitere aktuelle Entwicklungen sowie der Stand der sich stetig ändernden Corona-Restriktionen und -Regeln finden Sie hier für die Region Valencia (Costa Blanca) hier für die Region Murcia (Costa Cálida) und hier für die Region Andalusien (Costa del Sol etc).

Informationen zur Covid-Impfung für Ausländer in Spanien.
Informationen zur Wirksamkeit der Impfstoffe und zur Impfkampagne in Spanien.

Wichtige Hinweise für Reisende zur Einreise nach Spanien und Deutschland.

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