Menschen warten auf eine Covid-Impfung vor dem Impfzentrum in Madrid.
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Schlangen vor dem Impfzentrum in Madrid.

Situation der Pandemie in Spanien

Corona in Spanien: Inzidenz steigt, 3G-Regel greift, Omikron ist da

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Corona breitet sich weiter in Spanien aus. 3G-Regeln und Impfung können die Fallzahlen nicht stoppen. Zweifel an Festtagen ohne Auflagen kommen auf. 

Málaga/Murcia/Alicante – Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus ziehen auch in Spanien an. Die 14-Tage-Inzidenz lag am Mittwoch bei 217,5 Fällen unter 100.000 Einwohnern, der Wert liegt neun Punkte über dem Vortag und vor einer Woche waren es noch 149. Die Tendenz geht in allen Regionen nach oben, insbesondere im Norden, etwa in Navarra oder im Baskenland, wo die klimatischen Verhältnisse ähnlich denen Zentraleuropas sind und die Inzidenzwerte 500 übersteigen.

Omikron-Variante in Spanien: Bisher drei Fälle mit neuem Coronavirus festgestellt

Die just in Europa angekommene Omikron-Variante dürfte kaum für diesen Anstieg verantwortlich sein. Bisher konnten die Gesundheitsexperten in Spanien erst drei Fälle offiziell bestätigen. Seit Omikron haben viele Länder abgeschottet. Viele spanische Touristen sitzen fest, vor allem in Marokko und in Südafrika. Momentan ist kein guter Zeitpunkt für Flugreisen ins außereuropäische Ausland.

Die Corona-Neuinfektionen folgen der bekannten Dynamik. Nun nehmen sie Fahrt auf – wenn auch langsamer als in früheren Wellen. Spanien meldet derzeit 10.000 Neuinfektionen täglich. Sieben Prozent aller getesteten Menschen sind positiv. Am Montag brachte das Gesundheitsministerium 44 Todesfälle mit der Coronavirus-Pandemie in Verbindung. Medien sprechen von der sechsten Welle.

Die Situation an der Mittelmeerküste spiegelt teilweise die Spaniens wider. Valencia meldet eine Inzidenz von 231 und Murcia 239. Wesentlich besser steht Andalusien mit 105 Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern im Zeitraum von 14 Tagen da, etwas schlechter Katalonien mit 259 Fällen.

Mit steigender Inzidenz kommen mehr Covid-19-Patienten in die Krankenhäuser. Am Mittwoch waren es 3.957. Der Anstieg bleibt aufgrund der Durchimpfung von über 89 Prozent der impffähigen Bevölkerung gering. 100 Einweisungen mehr pro Tag steckt Spanien weg. Die Intensivstationen sind zu 8,07 Prozent mit Covid-19-Kranken ausgelastet. Sieben Regionen verzeichnen ein mittleres Risiko über zehn Prozent, darunter Katalonien und Valencia.

Nun halten Politiker in acht Regionen die Pandemie für besorgniserregend genug, um Covid-Pass und 3G-Regeln einzuführen. Die Region Valencia verlangt ab Samstag und für 30 Tage das EU-Zertifikat über den Nachweis von Test, Impfung oder Genesung in Innenräumen von Lokalen, in denen mehr als 50 Gäste zugelassen sind. Ferner für Musikfestivals und Großveranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern sowie bei Besuchen im Krankenhaus und von Senioreneinrichtungen. Nur an den Fußballfans im Stadion geht der Kelch vorüber.

3G-Regeln in Spanien: Covid-Pass bremst Verbreitung des Coronavirus nicht ab

Diese Nachweispflicht verläuft und funktioniert in allen Regionen ähnlich, auch Andalusien und Murcia wollen den Covid-Pass einführen. An dessen Sinn zweifeln in Spanien selbst Experten des Gesundheitsministeriums. In einer Studie für die Landesministerkonferenz, bei der die Covid-Maßnahmen beschlossen werden, argumentieren Experten, dass man mit dem Covid-Pass die Bevölkerung zur Impfung animieren und das Risiko einer Infektion präsent halten kann. In keinem europäischen Land aber haben 3G-Regeln die Verbreitung des Coronavirus abgebremst.

Einen noch geringeren Effekt erwartet man hierzulande, wo fast jeder geimpft ist. Das sollten sich Gastronomen mal auf der Zunge zergehen lassen.

„Wir wissen, dass sich 40 Prozent der Geimpften infizieren und das Virus verbreiten können. Der Nutzen des Covid-Passes, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern, ist daher sehr limitiert und kann negativ sein, wenn man andere Vorsichtsmaßnahmen schleifen lässt“, heißt es in dem Papier, das der Zeitung „El País“ zugespielt wurde. Wohl Sinn mache der Covid-Pass für Besuche in Krankenhäusern, Seniorenresidenzen und dort, „wo Risikogruppen“ sind.

Reisen in der Coronavirus-Pandemie.

Experten vertrauen auf Atemschutzmasken und auf restriktivere Maßnahmen, die sich als effizient erwiesen haben: die Begrenzung der Anzahl von Personen, die sich in einem Raum aufhalten, die Durchlüftung und eine Verkürzung von Öffnungszeiten. Gesundheitsministerin Carolina Darias drängt darauf, die Anzahl der Personen bei Festlichkeiten und Veranstaltungen im Hinblick auf Weihnachten und Omikron zu beschränken.

Coronavirus in Spanien: Virus verbreitet sich in ungeimpften Gruppen

Viele Corona-Infektionen breiten sich derzeit in Familien, unter Schülern und Lehrern aus. Die höchsten Inzidenzwerte verzeichnen die ungeimpften Altersgruppen, bei Kindern unter zwölf Jahren liegt der 14-Tageswert bei 342 Fällen unter 100.000, aber in Navarra und im Baskenland jenseits der 1.000. Die EU will mit der Impfung von Kindern ab dem 13. Dezember beginnen. Die EU-Kommission tastet schon das Terrain für eine Impfpflicht ab.

Das Gesundheitsministerium veröffentlicht wöchentlich die Neuinfektionen bei Geimpften und nicht Geimpften, aber nur die Sieben-Tage-Inzidenz. Der Unterschied in den vier Altersgruppen ab 50 Jahren ist signifikant. Bei den 50- bis 59-Jährigen liegt die Inzidenz der Neuinfektionen unter geimpften Personen bei 21,9 und unter Ungeimpften bei 93,6. In höheren Altersgruppen öffnet sich die Schere weiter. Ähnlich sind die Daten, die Krankenhäuser melden. 80,9 Prozent der stationär wegen Covid-19 behandelten Patienten sind nicht oder nicht komplett geimpfte Personen der Altersgruppen 60 bis 79 Jahre (40,1 Prozent) und über 80 Jahre (40,8 Prozent).

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