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Dürre in Spanien: Kein Wasser für Tourismus und Erdbeeren

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Von: Anne Götzinger

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Trockenheit in Katalonien: Blick auf den Stausee La Baells nördlich von Barcelona.
Die Dürre trifft vor allem Katalonien und den Süden Spaniens. Hier der Stausee La Baells nördlich von Barcelona Ende März 2023. © Emilio Morenatti/dpa

Die anhaltende Dürre lässt die Wasserressourcen Spaniens schwinden. Die Pegelstände vieler Stauseen befinden sich auf dem Minimum. Angesichts des Wassermangels rücken Tourismus und Landwirtschaft ins Visier.

Madrid – Das ungute Gefühl, dass es dringend einmal wieder ausgiebig regnen müsste in Spanien, wurde in dieser Woche von einem Bericht des Umweltministeriums schwarz auf weiß bestätigt. Demnach liegen die Wasserreserven für den menschlichen Gebrauch und die Landwirtschaft derzeit bei 43,1 Prozent, und damit 20 Punkte unter dem April-Mittelwert von 63 Prozent.

Dürre in Spanien: Situation in Katalonien und Andalusien kritisch

Während einige Stauseen – vor allem im Nordwesten Spaniens – besser dastehen, ist die Situation in anderen Regionen bereits kritisch. Besonders besorgniserregend ist die Lage im Inland von Katalonien. In den sogenannten Cuencas Internas de Cataluña liegen die Wasserreserven bei nur noch 26 Prozent, normal wären zu dieser Jahreszeit eigentlich 76 Prozent. Auch im Einzugsgebiet des Flusses Guadiana in Extremadura und Andalusien wird die Dürre immer schlimmer. Dort sind die Stauseen noch zu 34 Prozent gefüllt, knapp 30 Punkte unter dem Mittelwert von 63 Prozent. Sorgen bereitet außerdem das Gebiet des Guadalquivir in Andalusien, wo die Reserven bei 25 Prozent liegen, ebenfalls 30 Prozent unter dem Normalwert.

Der Verbrauch in Kommunen, Haushalten und im Handel macht 15,5 Prozent des Wasserkonsums in Spanien aus, über 80 Prozent aller Ressourcen schluckt die Landwirtschaft für die Bewässerung der Anbauflächen, da fallen die vier Prozent für die Industrie kaum ins Gewicht. Und auch wenn der Verbrauch pro Person und Tag in Spanien in den vergangenen 20 Jahren leicht gesunken ist (von 165 Liter im Jahr 2001 auf 133 Liter) – was das Wasser angeht, lebt vor allem der Süden des Landes über seinen Verhältnissen.

Trotz Dürre in Spanien: Andalusien boxt umstrittene Initiative durch

Und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen durch den Tourismus. Erhebungen haben gezeigt, dass ein Tourist mit 300 Litern pro Tag im Schnitt doppelt so viel Wasser verbraucht wie ein Einwohner Spaniens. Angesichts der Urlaubermassen, die während der Semana Santa über die spanische Mittelmeerküste herfielen und die im Sommer zu erwarten sind, muss sich Spanien dringend Gedanken um die Nachhaltigkeit seines Tourismusmodells machen. Schon der vergangene Sommer war von Hitze, Dürre, Waldbränden und Touristenmassen geprägt.

Vor dem Panorama des Wassermangels rückt aber auch die Landwirtschaft ins Visier, und in dieser Woche konkret eine Initiative der Landesregierung in Andalusien, die der Landtag am Mittwoch debattierte. So haben Volkspartei und Vox einen Gesetzesvorschlag verabschiedet, der den Weg für eine Legalisierung der illegalen Anbauflächen rund um den Nationalpark Doñana freimacht. Und das, obwohl der Tourismus und die illegale Entnahme von Grundwasser zur Bewässerung der Erdbeerplantagen das geschützte Feuchtgebiet fast haben austrocknen lassen.

Nicht nur die Opposition, Wissenschaftler und Umweltschützer schlagen angesichts der von der Landesregierung initiierten Amnestie für die Landwirte, die über Jahrzehnte Raubbau mit den Wasserressourcen betrieben, Alarm. Auch die EU-Kommission droht mit Sanktionen, falls die illegale Bewässerung in Europas größtem Feuchtgebiet nicht gestoppt wird.

Zum Thema: Nationalpark Doñana in Not - Europas größtes Feuchtgebiet quasi ausgetrocknet.

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