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Gaskrise: Vor Spaniens Küste warten viele Schiffe mit Gas – doch sie können nicht anlegen

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Von: Patricia Huber

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LNG-Terminal in Spanien
Spanien besitzt insgesamt sechs LNG-Terminals. © dpa/EUROPA PRESS/H.Bilbao

Es ist angesichts der Diskussionen um den drohenden Gasmangel in der EU ein bizarres Bild: Vor der Küste Spaniens stauen sich zahlreiche Schiffe mit LNG-Lieferungen, weil sie nicht anlegen können. Die Hintergründe.

Madrid – Mithilfe von verflüssigtem Erdgas (LNG) will Deutschland schnellstmöglich von russischen Gasimporten unabhängig werden. Doch bisher gibt es hierzulande keine Anlegemöglichkeit für LNG-Lieferschiffe. Diese sollen erst Ende dieses Jahres an der Nordseeküste in Betrieb genommen werden, wie Merkur.de berichtet.

LNG-Schiffe stauen sich vor spanischer Küste: Es gibt zu wenige Terminals

Währenddessen hat Spanien mit einem Überfluss an LNG zu kämpfen. Wie die Salzburger Nachrichten unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters berichten, stauen sich zahlreiche LNG-Lieferschiffe vor der spanischen Küste. Dort gibt es nur sechs Terminals zum Entladen, an denen das flüssige Gas wieder gasförmig gemacht werden und ins Gasnetz eingespeist werden kann. Mittlerweile treiben mehr als 35 Schiffe mit dem begehrten Rohstoff an Bord im Mittelmeer und warten darauf, endlich andocken zu können. Das berichten Analysten und mit der Situation vertraute Mitarbeiter von LNG-Terminals Reuters.

„Wir haben eine große Anzahl von Ladungen gesehen, die vor der Küste Südspaniens warten oder im Mittelmeer kreisen“, sagte Alex Froley, LNG-Analyst beim Datenanalyseunternehmen ICIS. Das Problem: Wenn sich die Situation nicht entspannt, könnten sich die Lieferanten nach alternativen Häfen außerhalb Europas umsehen, um ihre Ware loszuwerden. Doch das begehrte Gas würde in Europa eigentlich dringend benötigt werden. Schließlich hat Russland die Lieferungen über die Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 mittlerweile komplett eingestellt.

LNG macht 20 Prozent der Gas-Importe der EU aus

Das erste Import-Terminal für Flüssiggas wurde 2016 in Portugal in Betrieb genommen. 2021 importierten 13 EU-Länder insgesamt 80 Milliarden Kubikmeter. In den ersten Monaten 2022 stiegen die Importe laut der Brüsseler Denkfabrik Bruegel stark an. Insbesondere aus den USA kam bedeutend mehr Gas.

2021 machten die LNG-Einfuhren 20 Prozent der gesamten Gaseinfuhren in die EU aus. Größte Importeure waren Spanien, Frankreich, Italien, die Niederlande und Belgien. Große Teile von Südosteuropa bis zum Baltikum und bislang auch Deutschland hatten wegen fehlender Infrastruktur jedoch kaum Zugang zu diesen Einfuhren. (ph/AFP)

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