Ein Schiff liegt im Hafen von Algeciras, davor steht eine lange Autoschlange.
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Bei der „Operation Meerenge“ fahren normalerweise Tausende Marokkaner von Spanien aus in die Heimat.

Wegen Coronavirus

Rückschlag für Spaniens Reise-Branche: Marokko sagt „Operation Meerenge“ ab

  • Stephan Kippes
    vonStephan Kippes
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Marokkanische Einwanderer werden diesen Sommer wieder nicht von spanischen Häfen aus die Reise in die Heimat antreten. Das trifft Spaniens Reise-Branche mitten in der Corona-Krise hart.

Die Reisewelle nordafrikanischer Urlauber schwappt dieses Jahr wieder nicht über die Mittelmeerküste in Spanien. Die marokkanische Regierung hat spanische Häfen von der sogenannten Operation Meerenge – La Operación Pase del Estrecho (OPE) – ausgeschlossen. Marokkanische Einwanderer können also, wenn sie in den Sommerferien in ihre Heimat zurückkehren wollen, nicht wie üblich mit der Fähre von Algeciras aus übersetzen, auch nicht von Valencia, Alicante und Almería aus. Der Fährverkehr nach Marokko verläuft in diesem Jahr über Genua in Italien und Sète in Frankreich. Die marokkanische Regierung begründete die Maßnahme, die Millionen von Einnahmeverlusten für die spanischen Gebiete entlang der Reiseroute bedeutet, mit der Coronavirus-Pandemie. Ein Schelm, wer angesichts der jüngsten diplomatischen Krise Böses dabei denkt.

Krise zwischen Marokko und Spanien: Steht Absage der Reisewelle in Zusammenhang mit Drama in Ceuta?

Vielen Beobachtern fällt natürlich die diplomatische Krise in Ceuta vor wenigen Wochen ein. Da setzte König Mohammed VI die Grenzkontrollen aus und machte Tausenden Migranten den Weg auf EU-Gebiet frei, nachdem Spanien einen politischen Führer der Frente Polisario aus der Westsahara wegen einer schweren Covid-19-Erkrankung in Lorgroño behandeln ließ. Mit Sorgen beobachtete Spanien nun die jüngsten Bemühungen Rabats, eine gemeinsame Militärübung mit den USA in die Westsahara zu verlegen, der Washington letztendlich eine Absage erteilte. Mit den diplomatischen Beziehungen zwischen Madrid und Rabat steht es derzeit also wirklich nicht zum Besten.

Allerdings informierte Rabat, dass es ab 15. Juni den Flugverkehr wieder aufnehmen will. Dabei rangiert Spanien in der sogenannten Gruppe A, in der lediglich ein Impfnachweis oder ein negativer PCR-Test für die Einreise erforderlich ist. Und ganz überraschend kam die Absage der OPE auch nicht. Die Operation Meerenge erfordert einen Vorlauf, um sie reibungslos abwickeln zu können. Der marokkanische Außenminister Naser Burita räumte mit der Absage womöglich nur Zweifel aus. „Die Operation Meerenge ist nicht einfach eine Überfahrt, sie muss ab April vorbereitet und zwischen mehreren Ländern koordiniert werden. Es ist offensichtlich und normal, dass Marhaba – so wie wir sie nennen - mit all der Vorbereitung und Organisation nicht stattfinden wird.“

Marokko und Spanien: Operation Meerenge stürzt Reise-Branche in weitere Krise

Die Operation Meerenge ist eine gigantische Reisewelle, die von Juni bis September andauert. Jeden Sommer machen sich etwa drei Millionen Nordafrikaner, die vor allem in Frankreich und Spanien arbeiten, in schätzungsweise 800.000 oft bis obenhin vollbepackten Autos auf den Weg in die Heimat und überqueren meist in Algeciras die Meerenge und kehren dann von Marokko aus wieder zurück. Fährgesellschaften, Hafenarbeiter, Reinigungskräfte, Hotel- und Gastronomiebetriebe bauen seit 1987 auf diese Einnahmen, die nun schon im zweiten Jahr in Folge wegen der Coronaviruskrise ausfallen. Auf bis zu 500 Millionen Euro werden die Einkommensverluste beziffert.

Hart treffen wird die Entscheidung ausgerechnet die spanische Provinz Cádiz in Andalusien, in der die Arbeitslosenquote ohnehin bei astronomischen 25 Prozent liegt. Nicht ganz zu Unrecht weist man dort daraufhin, dass die Coronavirus-Inzidenzen in spanischen Häfen nicht höher liegen als in französischen und italienischen.

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