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FIFA suspendiert Spaniens Fußball-Verbandschef Rubiales: Der sieht sich als Opfer einer „sozialen Mordkampagne“

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Beim spanischen Fußball-Verband RFEF ist auf der Generalversammlung am Freitag das übergriffige Verhalten von Verbandschef Luis Rubiales Thema gewesen. Er verteidigte sich nicht nur, sondern drohte Spielern, Medien und Politik.

Update, 26. August: Nach dem Auftritt von Verbandschef Rubiales vor der Vollversammlung der spanischen Fußballföderation, bei dem er sich in einer regelrechten „Macho-Show“ (Ministerin Montero) als Opfer einer „sozialen Mordkampagne des falschen Feminismus“ darstellte, an der „linke Parteien“ Schuld seien, wo er rechtliche Schritte ankündigte und sein Verhalten (Kuss auf den Mund, Tätscheleien) als „im gegenseitigen Einvernehmen“ rechtfertigte, brachen in Spanien und auch international medial und sozial alle Dämme.

Die 23 spanischen Fußballweltmeisterinnen sowie 58 weitere Fußballer erklärten, nicht für Länderspiele zur Verfügung zu stehen, so lange Rubiales und der „applaudiernde“ Vorstand im Amt bleiben. Die spanische Regierung arbeitet an einer „Postenenthebung“ bis kommenden Mittwoch. Mehrere sportliche Aufsichtsgremien werden ebenfalls aktiv, etliche Klagen und Gegenklagen gingen bei Gerichten ein. Der Fußball-Weltverband FIFA suspendierte Rubiales für 90 Tage von „allen Aktivitäten, die mit Fußball bei FIFA, UEFA und im nationalen Verband zusammenhängen“. Zahlreiche Politiker und Personen des öffentlichen Lebens verurteilten die „machistische“ und „feige“ Haltung von Rubiales, die „weder in unserem Sport, noch in unserer Gesellschaft einen Platz haben darf“ (Minsiterin Díaz).

Auf Twitter und in anderen Sozialen Medien geht eine Solidaritätskampagne mit Jenni Hermoso unter dem Hashtag #seacabó viral (Deutsch: Es reicht). Diese widerspricht vehement der Darstellung von Rubiales, dass sie mit dem Kuss einverstanden gewesen sei. Sie verbiete sich, ihr Worte in den Mund zu legen. Der Verband will nun auch sie verklagen und brachte in peinlichen Postings „Beweisfotos“ in Umlauf, die die Freiwilligkeit belegen sollten. Zuvor war bekannt geworden, dass Rubiales Hermoso angefleht hatte, mit ihr gemeinsam auf einem „Entschuldigungs“-Video aufzutreten, „tu es für meine Töchter“, soll er gesagt haben.

Mittlerweile haben sich auch Sponsoren wie Iberia und Cervezas Victoria von Rubiales distanziert, mehrere Mitarbeiter, darunter auch technische Mitarbeiter des Stabes von Frauen-Trainer Jorge Vilda traten zurück. Vilda, dem Rubiales vor wenigen Tagen das Gehalt erhöht hatte, applaudierte dem Statement seines Chefs. Die Regionalpräsidenten des Fußballverbandes des Baskenlandes und Navarra legten ihre Ämter nieder, mehrere Vereine, darunter auch Real Madrid kehrten Rubiales in Publikationen den Rücken.(mar)

Gegendarstellung von Jenni Hermoso (engl.):

Update, 25. August, 13 Uhr: Zur Verblüffung vieler tritt Verbandschef Luis Rubiales doch nicht zurück - zumindest nicht aus eigenen Stücken. Laut Pressestimmen verteidigte der Verbandschef bei der außerordentlichen Sitzung des RFEF seine Führung und die erreichten Ziele. „Ich werde euch eines sagen: Ich trete nicht zurück, ich trete nicht zurück, ich trete nicht zurück“, sagte Rubiales unter anderem in seiner Rede vor dem Verbandsvorsitz.

Erstmeldung, 25. August, 9 Uhr: Madrid (dpa/sw) - Nach der Kuss-Affäre steht Spaniens Fußball-Chef Luis Rubiales bei einer außerordentlichen Generalversammlung des Verbandes RFEF am Freitag in Madrid offenbar vor dem Rücktritt. Der 46-Jährige hatte bei der Siegerehrung der spanischen Fußball-Weltmeisterinnen in Australien die spanische Spielerin Jennifer Hermoso am Sonntag mit beiden Händen am Kopf gepackt und ungefragt auf den Mund geküsst. Nicht nur in Spanien war wegen dieses übergriffigen Verhaltens die Empörung groß. Mittlerweile ist Spaniens Fußball-Verbandschef der Protagonist eines im Weltfußball diskutierten Skandals. Nun will Rubiales offenbar die Konsequenzen ziehen, wie mehrere Medien berichten. 

Wer ist Luis Rubiales?

Der 46-Jährige führt den spanischen Verband seit 2018, zuvor war er von 2010 bis 2017 Präsident der spanischen Spielergewerkschaft AFE. Seit vier Jahren sitzt Rubiales als Vizepräsident im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union UEFA - ein Job, der jährlich mit 250 000 Euro plus Spesen vergütet wird. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert. Rubiales hatte - mit Verzögerung - am Montag einen Fehler eingeräumt. Er habe Hermoso „spontan“ und „ohne jede böse Absicht oder bösen Willen“ auf den Mund geküsst. Nachdem der Druck immer größer wurde, will Rubiales nun aber zurücktreten. Das berichteten mehre Medien am Donnerstag.

Welche Auswirkungen hat der Vorfall?

Der Übergriff hatte zur Folge, dass wieder verstärkt über Machtstrukturen und Missbrauch im Fußball diskutiert wurde. US-Star Megan Rapinoe sprach von einem großen „Ausmaß an Frauenfeindlichkeit und Sexismus in diesem Verband und in diesem Mann“. Dem Portal „The Athletic“ sagte die 38-Jährige in einem Interview: „In was für einer verkehrten Welt leben wir eigentlich? Auf der größten Bühne, auf der man feiern sollte, muss Jenni (Hermoso) von diesem Kerl körperlich angegriffen werden.“ Die spanische Spielerin hatte in einem Kabinenvideo nach dem WM-Finale noch mit eher heiterer Stimme gesagt, dass ihr die Geste „nicht gefallen“ habe. Dann verteidigte sie ihren Verbandschef vermeintlich in einem Text, der jedoch womöglich durch den Verband manipuliert wurde. Mitte der Woche forderte Hermoso dann über die Gewerkschaft Futpro „beispielhafte Konsequenzen“.

Ein Mann lächelt in die Kamera, dahinter hält sich ein anderer den Mund zu
Spaniens Fußball-Verbandschef Rubiales (links) tritt nach dem Kuss-Skandal nun doch zurück. © Manu Fernandez/dpa

Laut der Zeitung „Relevo“ hatte Rubiales die Spielerin zudem vergeblich dazu gedrängt, im Entschuldigungsvideo zu erscheinen. Im Zuge des Skandals kündigte der spanische Verband für Freitag, 25. August, eine Sonderversammlung ein. Rubiales schloss einen Rücktritt zunächst aus, aber selbst Spaniens Präsident Pedro Sánchez hielt dessen Entschuldigung für „nicht ausreichend“. Der Verbandschef hatte sich im WM-Finale laut Internetbildern übrigens noch weitere Verfehlungen geleistet: Auf der Tribüne - direkt neben Königin Letizia und Prinzessin Sofía - griff er sich in einer obszönen Macho-Geste in den Schritt. Beim Gratulieren kam er auch anderen spanischen Spielerinnen unangenehm nahe.

Wie kam es zum Sinneswandel von Rubiales, der einen Rücktritt bislang abgelehnt hatte? 

Auslöser der Entscheidung zum Rücktritt soll Medienberichten zufolge die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens durch den Weltfußballverband FIFA gewesen sein. Auch die spanische Regierung hatte Druck gemacht. „Natürlich warten wir darauf, dass etwas passiert. Wenn das nicht der Fall ist, wird die Regierung handeln“, sagte Präsidentschaftsminister Félix Bolaños. Hinzu kommt: Die RFEF möchte mit Nachbar Portugal, Marokko und möglicherweise auch der Ukraine die WM 2030 ausrichten. Die Entscheidung soll Ende 2024 fallen. Ein derartiger Skandal ist da nicht hilfreich.

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