Gewaltige Rohre an Straße in Spanien.
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Costa Blanca: Um ihn geht‘s im Wasser-Konflikt - Der Tajo-Segura-Kanal liefert Wasser an die Küste.

Wasserwirtschaft in Spanien

Madrid: Wegen Wasser-Konflikt - Tausende Landwirte protestieren

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Sind bald die Gemüseregale in Europas Supermärkten leer? Davor warnen in Spanien Landwirte aus Andalusien bis Valencia wegen der Kürzung der Wasserlieferungen an die Küste. Die Politik ihrer Regionen steht ihnen bei. Aber welche Rolle spielt die Umwelt?

Madrid - Tausende Landwirte aus dem Südosten von Spanien haben am Montag am Landwirtschaftsministerium demonstriert. Der Grund ist ein Konflikt ums Wasser. Die Regierung von Pedro Sánchez (PSOE) hat angekündigt, die Lieferungen über den Tajo-Segura-Kanal an die Küste von 38 auf 27 Kubikhektometer im Jahr deutlich herunterzufahren. Die Regionen Andalusien, Murcia und Valencia befürchten das Aus für den „Gemüsegarten Europas“ und warnen: Bald würden die Regale in europäischen Supermärkten leer bleiben.

MadridHauptstadt von Spanien
Einwohner: 3.266.126 (1. Jan. 2019)
Höhe: 667 msnm

Wasser-Konflikt in Madrid - Tausende Landwirte aus Andalusien bis Valencia protestieren

Im Konflikt um das Wasser erhalten die Landwirte der Costa Blanca, Costa Cálida oder Costa del Sol immer mehr Rückhalt seitens der regionalen Politik, und das im gesamten Parteispektrum. Ob konservative PP oder sozialistische PSOE - Stadt- und Landesvertreter aus Andalusien, Murcia und Valencia mischten beim Protest der tausenden Landwirte mit. Selbst die valencianische Umweltministerin Mireia Mollà vom regionalen Öko-Bündnis Compromís bezeichnete mit nach Madrid gereist den Kampf um das Wasser als „gerechte Sache“.

„Jeder Tropfen Wasser aus dem Tajo-Segura-Kanal wird angemessen verwendet“, verkündete Valencias Umweltministerin beim Protest der tausenden Landwirte in Madrid. „Wir erleben einen Angriff auf unseren Lebensstil, die produktiven Sektoren, von denen unsere Aktivität, unsere Lebensart, unser Überleben abhängen“, hatte zuvor schon Orihuelas konservativer Bürgermeister Emilio Bascuñana (PP) erklärt. Spaniens Regierung will unter anderem aus Umweltgründen die Wasserlieferungen über den Tajo-Segura-Kanal reduzieren.

Madrid: Wegen Wasser-Konflikt - Tausende Landwirte verteidigen Tajo-Segura-Kanal

Zum Wasser-Konflikt trägt das wenig transparente Vorgehen von Spaniens Regierung bei. Laut „Información“ nahm Madrid beim Berechnen der neuen Wassermenge eine eigenwillige Interpretation von Zahlen vor. Berücksichtigt wurde seitens des Umweltministeriums demnach nur die Zeit 2013-18, als die Stauseen, aus denen das Tajo-Segura-Wasser an die Küste strömt, an der Dürre litten und die Lieferungen um 30 Prozent herabgesetzt wurden. Doch seit 2018 sei die Lage der Stausee entspannter, meinen die Landwirte des Südens.

Und sie fordern eine Erhöhung oder zumindest Beibehaltung der Wasserlieferungen. Schon in den vergangenen Jahren sei über den Tajo-Segura-Kanal aus der Gegend von Madrid an die Costa Blanca oder Costa Cálida „zu wenig“ Wasser geflossen, „um unsere Zone zu versorgen“, sagt Orihuelas Agrarstadtrat Víctor Valverde, der mit nach Madrid reiste, um die tausenden Landwirte zu unterstützen. „Zerstören“ wolle die Regierung die Landwirtschaft der Küste, die doch auf 140.000 Hektar Fläche Obst und Gemüse für ganz Europa produziere.

Wasser-Konflikt in Spanien - Was ist mit der Umwelt?

80.000 Landwirte und ihre Familien, 61 Bewässerungsgemeinschaften, 104.000 direkte und 250.000 indirekte Arbeitsplätze hingen am Agrarsektor der Costa Blanca, Costa Cálida und Costa del Sol. 70 Prozent des nationalen landwirtschaftlichen Exports machten die Produkte aus „Europas Gemüsegarten“ aus, erinnerte Agrarstadtrat Valverde aus Orihuela. Vor einigen Wochen legte daher die grüne Compromís aus Valencia im Parlament in Madrid einen Entschließungsantrag vor.

Die Landwirtschaft von Valencia bis Andalusien „darf nicht in Gefahr gebracht werden“, sagte der Compromís-Abgeordnete in Madrid, Joan Baldoví. Erstaunlich leise ist es in der Wasser-Debatte in Spanien jedoch - auch in grünen Kreisen - um die Rolle der Umwelt. Ein Grundproblem für den Konflikt ist jedoch der akute Wassermangel, der - bedingt durch den Klimawandel - zur zunehmenden Wüstenbildung und Austrockung der Mittelmeer-Küste von Spanien führt.

Madrid: Im Wasser-Konflikt warnen Landwirte vor leeren Supermärkten in Europa.

Schon lange fordern Umweltexperten daher dringend eine wassersparendere Landwirtschaft in Spanien und nicht zuletzt – seitens Verbrauchern in ganz Europa – einen verantwortlichen Konsum von Produkten. Also nicht unbedingt rund ums Jahr jedes mögliche Gemüse aus dem „Garten Europas“ auf dem Tisch oder in Regal des Supermarkts

In der Printausgabe der Costa Blanca Nachrichten (Nummer 1954) und Costa Cálida Nachrichten (Nummer 869) lesen Sie mehr über den Protest der Landwirte in Madrid.

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