Flugverkehr lahmgelegt

Mallorca: Flugzeug zur Notlandung gezwungen - Geplante Aktion von Flüchtlingen?

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Auf Mallorca musste ein Flugzeug aus Marokko wegen eines angeblichen medizinischen Notfalls notlanden. 24 Passagiere verschwanden im allgemeinen Chaos übers Rollfeld in der Nacht - eine neue Strategie von Flüchtlingen?

Der Flüchtlingsdruck aus nordafrikanischen Länder setzt Spanien stark unter Druck – man denke an die Flüchtlingsboote oder den Sturm von Grenzzäunen in den Exklaven, bei denen sich tausende Menschen jährlich verletzen oder sterben. Nun scheinen Immigranten einen neuen Trick gefunden zu haben, sich nach Spanien und somit nach Europa einzuschmuggeln. Allerdings brauchen sie dafür ein Flugzeug.

Notlandung auf Mallorca: War Flugzeug-Aktion von Migranten geplant?

Eine Passagiermaschine der Gesellschaft Air Arabia Maroc aus Marokko musste am Freitagabend wegen eines angeblichen medizinischen Notfalls an Bord auf Palma de Mallorca zwischenlanden. Aber der Kranke, ein Diabetiker, der an Bord einen Anfall erlitt, entpuppte sich später im Krankenhaus als kerngesund. In den Minuten des Chaos und der Panik aber stiegen Passagiere aus dem Flugzeug, liefen auf das Rollfeld und verschwanden in der Nacht.

Nach der Notlandung des Flugzeugs hat die Polizei zwölf Menschen auf Mallorca in Gewahrsam genommen.

Bei der Notlandung auf Mallorca und der anschließenden Flucht von 24 Passagieren soll es sich um eine geplante Migranten-Aktion handeln. Davon geht die Polizei wohl aus, seitdem ein Facebook-Eintrag in der Gruppe „Brooklyn“ aufgetaucht ist, in dem bereits im Juli explizit die Taktik als Fluchtmöglichkeit geschildert wurde: In der Luft einen medizinischen Notfall vortäuschen, eine Notlandung erzwingen und in dem Chaos die Flucht ergreifen – sogar die Flugroute, von Casablanca nach Istanbul, stimmt überein. 40 Freiwillige wurden gesucht. Das klingt eher nach Methodik als nach spontaner Flucht.

Flughafen auf Mallorca nach Notlandung stundenlang außer Betrieb

Es handele sich um einen „ungewöhnlichen und beispiellosen“ Vorfall“, meint die Abgesandte der Zentralregierung auf den Balearen, Aina Calvo. Der Flughafen auf Mallorca musste wegen der Menschen auf dem Rollfeld für mehr als drei Stunden alle Starts und Landungen aussetzen. Bis der Flugbetrieb gegen 23.30 Uhr wieder aufgenommen werden konnte, mussten 27 anfliegende Maschinen zu anderen spanischen Flughäfen wie Ibiza, Barcelona oder Valencia umgeleitet werden. 20 Starts verzögerten sich um Stunden.

Derweil fahndet die Polizei in Spanien weiter nach einem Dutzend Passagieren. Diese sollen nun wie Migranten behandelt werden, die mit Booten aus Nordafrika ankommen, sagte die Polizei. Sie werden aufgegriffen, registriert und kommen in eine Erstaufnahmeeinrichtung. Später werden sie von Mallorca aus auf das Festland gebracht, wo ein Verfahren zur Rückführung in das Herkunftsland eröffnet wird, das durch einen Antrag auf Asyl oder Gewährung von Schutz als Flüchtling gestoppt werden kann.

Es kann aber auch anders kommen: Die Justiz leitet ein Verfahren wegen Aufruhrs und Gefährdung des Flugverkehrs und der öffentlichen Ordnung gegen sie ein. Das sind schwerwiegende Vorwürfe. Nur der vermeintliche Notfallpatient, der ein diabetisches Koma vortäuschte, muss zusätzlich mit einem Strafverfahren wegen des Verdachts der Begünstigung illegaler Einreise und Verstoßes gegen das Ausländergesetz rechnen. (dpa)

Rubriklistenbild: © Isaac Buj/dpa

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