Abbau einer Franco-Statue durch einen Kran in Melilla.
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Ende im Depot: Die letzte Franco-Statue auf öffentlichem Boden in Spanien wird in Melilla abgebaut.

Spanien im Blick

Aktuelle Nachrichten aus Spanien in Kurzform

  • Anne Götzinger
    vonAnne Götzinger
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  • Marco Schicker
    Marco Schicker
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Letzte Franco-Statue abgebaut - El Corte Inglés baut 3.000 Stellen ab - Puigdemont verliert Immunität - Poker um Regierungsbildung in Katalonien - Spaniens Konzerne als Krisengewinner - Firmengründung für 1 Euro - Rückgang der Krebsbehandlungen - Absage von Demos zum Frauentag, Gasexplosion in Madrid nur „Unfall“.

Anfang und Ende in Melilla: Letzte Franco-Statue in Spanien abgebaut

Updates, 28. Februar: Melilla - Mit der Enthaltung der PP und den Gegenstimmen von Vox hat das Parlament der autonomen Stadt Melilla beschlossen, die letzte noch auf öffentlichem Grund in Spanien stehende Statue des Diktators Francisco Franco abzumontieren. Einen Tag nach dem Beschluss erledigte ein Kran die Demontage des Denkmals in der Exklave, das Franco als Kommandeur der spanischen Fremdenlegion 1921 zeigt. Rund 100 Menschen, darunter viele Ex-Legionäre, protestierten gegen die Maßnahme, die dem Gesetz zur Historischen Erinnerung nachkommt, das kürzlich nochmals nachgebessert wurde. Das Kuriose: Das Denkmal wurde in Melilla erst 1978, also nach dem Tod des Diktators und im Jahr des Verfassungsreferendums zur spanischen Demokratie aufgestellt.

Corte bei Corte Inglés: Größter Stellenabbau in der Geschichte der Kaufhauskette

Madrid - Spaniens berühmte Kaufhaus-Kette El Corte Inglés will 3.000 Stellen abbauen, eine Folge der Flaute durch die Coronavirus-Pandemie, aber für Analysten auch ein lang erwarteter Schritt der Kaufhaus-Kette, deren Vermarktungsmodell in die Jahre gekommen sei. 2.500 Stellen sollen demnach in den Kaufhäusern und Zweigstellen (neben Corte Inglés auch Bricor, Hipercor und Sfera) wegfallen, 500 in der zentralen Verwaltung und bei der Logistik. Das Management betont jedoch, dass alle Stellen "freiwillig" abgebaut werden sollen. Dafür lege man ein entsprechendes Angebot (Abfindungen) vor, das auch mit den zuständigen Gewerkschaften abgestimmt werde und deren Abfindungen über die gesetzliche Vorgabe (20 Tage pro Arbeitsjahr) hinausgehe. Es handelt sich um den größten Stellenabbau in der 80-jährigen Geschichte der Kette.

Neuer Deal: Ex-König Juan Carlos macht wieder Schlagzeilen

Madrid - Spaniens Ex-König Juan Carlos I. macht wieder mit Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, eigenartigen Freunden und seinem Luxusleben als einkommensloser Exilant in den Arabischen Emiraten Schlagzeilen. Regierungschef Pedro Sánchez, der die Monarchie als Verfassungsinstitution stur verteidigt, gehen langsam die Argumente aus. Alles Weitere zum neuen Millionen-Deal von Juan Carlos mit dem spanischen Finanzamt und der Debatte über die Monarchie.

Katalanischer Separatistenführer Puigdemont verliert Immunität als EU-Parlamentarier - Auslieferung unwahrscheinlich

Spanien entzweit: Demonstranten schwenken die katalanische Flagge, um für die Unabhängigkeit der Region zu demonstrieren.

Erstmeldungen, 26. Februar: Brüssel - Carles Puigdemont, katalanischer Separtistenführer, der sich vor der spanischen Prozess geflüchtet hat, wird seine Immunität als EU-Abgeordneter verlieren. Die Kommission für Rechtsfragen stimmte am Dienstag mehrheitlich dafür, dem ehemaligen katalanischen Ministerpräsidenten sowie seinen ehemaligen Landesministern Antoni Comín und Clara Ponsatí die parlamentarische Immunität zu entziehen. Ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen hatte Spanien gestellt. Puigdemont, Comín und Ponsatí waren nach der Abhaltung des illegalen Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober 2017 nach Belgien geflüchtet. Andere katalanische Politiker waren wegen Aufruhrs und Veruntreuung öffentlicher Gelder zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt worden. Ob Belgien die drei Justizflüchtlinge an Spanien ausliefern wird, ist allerdings fraglich. Bisher hatte die belgische Justiz immer zugunsten der Katalanen entschieden.

Wer mit wem? Geschacher um Regierungsbildung in Katalonien

Barcelona - Zehn Tage nach der Landtagswahl in Katalonien laufen die Gespräche für eine Regierungsbildung auf Hochtouren. Die Linksrepublikaner (ERC), die von den separatistischen Parteien die meisten Stimmen erhielten, würden neben der Neuauflage des Bündnisses mit der liberalkonservativen Junts per Catalunya (JxCat) und der anarchistischen CUP auch gerne den katalanischen Podemos-Ableger En Comú Podem ins Boot holen. Die Puigdemont-Partei JxCat ist dagegen. Und auch En Comú will nur ohne die Konservativen mitregieren. ERC müsse sich entscheiden „zwischen einer separatistischen oder einer linken Regierung“, so der Podemos-Ableger. Nicht einverstanden ist ERC zudem mit den Konditionen von JxCat. So wollen die Liberalkonservativen ihren Konfrontationskurs mit der Zentralregierung weiterführen. ERC aber will auf einen Dialog mit Pedro Sánchez nicht verzichten. Die CUP wiederum fordert eine Änderung des Polizei- und Sicherheitsmodells. Mit dem eigentlichen Wahlsieger, Salvador Illa von den Sozialisten, will keine der separatistischen Parteien paktieren.

Spaniens Stromkonzerne große Gewinner der Coronavirus-Krise

Madrid/Bilbao - Die beiden führenden Energieversorger Spaniens, Iberdrola und Endesa haben ihre Gewinne im Corona-Jahr 2020 um 36 Prozent erhöht und strichen über fünf Milliarden Euro an Gewinnen ein. Und das angesichts der Tatsache, dass immer mehr Spanier ihre Energierechnung nicht oder nur noch unter Schmerzen bezahlen können und die Preise - auch zu Anfang 2021 - wieder massiv stiegen. Im Verhältnis zum Einkommen haben Spanier mit die teuersten Stromrechnungen in Europa. Podemos-Chef Pablo Iglesias, sonst als linker Populist gescholten, bekommt daher für seine Forderung einer Nationalisierung der Energiewirtschaft einigen Applaus.

Spaniens Energiekonzern Nr. 1 Iberdrola steigerte seine Profite im Krisenjahr 2020, während Millionen Spanier darben. Ein Investitionsprogramm soll die Wogen glätten.

Um die Wogen etwas zu glätten, kündigte Iberdrola einen "Megaplan" an. Bis 2025 will der Konzern 75 Milliarden Euro in Erneuerbare Energien investieren, darunter unter anderem in eine schwimmende Windkraftanalge vor der Küste von Kantabrien (mehr dazu und zum Boom der Solarenergie in Spanien auch in unseren aktuellen Printausgaben). Ein Großteil dieser Gelder kommt aus EU-Mitteln sowie von den Kunden über eine Pauschalabgabe auf der Stromrechnung. Diese soll, so die Regierung Sánchez, künftig reduziert und zum größten Teil von der Industrie übernommen werden, was die Stromrechnung im zweistelligen Prozentbereich entlasten soll.

Spaniens Telekom verdient mehr, trotz weniger Umsatz

Madrid - Auch der größte spanische Telekommunikationskonzern Telefónica (Movistar) meldet einen Rekordgwinn für 2020. Der Profit konnte um 38,5 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro gesteigert werden, obwohl die Umsätze wegen der Pandemie um 11 Prozent auf 43 Milliarden Euro zurückgingen. Die ausgezahlte Dividende an die Teilhaber wird dennoch geringer ausfallen, weil Telefónica weiter Schulden abbauen und wieder investieren will. Denn der Gewinnsprung 2020 hatte drei Ursachen: geringere Investitionen, höhere Produktivität und Personalabbau oder Parken von Mitarbeitern im ERTE und somit auf Kosten des Staates, also auch der Kunden.

Weniger Bürokratie: Firmengründung in Spanien bald für einen Euro in zehn Tagen

Madrid - Immer wieder ist aus Wirtschaftskreisen die Klage zu hören, in Spanien gäbe es zu hohe bürokratische Hürden für Unternehmensgründungen. Das Wirtschaftsministerium unternimmt jetzt einen neuen Anlauf und startet eine öffentliche Befragung unter Unternehmen. So will man wissen, welche Hindernisse dem unternehmerischen Wachstum im Wege stehen, wie das Geschäftsklima verbessert werden kann und wie eine Firmengründung schneller abzuwickeln sei. Dabei hat das Ministerium durchaus seine eigenen Vorstellungen. Geplant ist, im Rahmen eines neuen Unternehmensgründungsgesetzes, eine Firmengründung mit nur einem Euro innerhalb von zehn Tagen und vollständig auf digitale Art und Weise möglich zu machen.

Angst und Überlastung: Krebsbehandlungen in Spanien im Coronajahr rückläufig

Madrid - Die spanische Vereinigung für Onkologie schätzt, dass die Zahl der Krebsuntersuchungen seit Beginn der Coronavirus-Pandemie um 21 Prozent gesunken ist. Sie stützen sich dabei auf Erhebungen aus 37 großen Krankenhäusern. Die Zahl der Diopsien, zentrales Diagnostik-Element bei Krebsverdacht, sank sogar um 41 Prozent. Gründe dafür seien eine Kombination aus tatsächlicher Überlastung der Hospitäler durch die Covid-Patienten und der Angst vieler Patienten, überhaupt im Krankenhaus vorstellig zu werden. Telematische Alternativen halten die Experten für einen ungeeigneten Ersatz.

Zu unsicher: Keine Großdemos zum Frauentag in Spanien

Kurz vor Corona: Frauen protestierten am Internationalen Frauentag gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung in Madrid.

Madrid - Das spanische Gesundheitsministerium hat "empfohlen" auf Manifestationen zum Frauentag des 8. März zu verzichten. Die Regierungsvertretung für die Region Madrid hat konkretisiert, dass man Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern nicht genehmigen wird, wobei auch bei diesen streng alle Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten seien. Der 8. März 2020 wurde vor allem von der politischen Rechten immer wieder als "Ursache" für den Ausbruch der Coronavirus-Pandemie in Spanien ausgeschlachtet, obwohl es am gleichen Tag andere Massenevents (darunter ein Fußballspiel und einen Vox-Kongress) gegeben hatte. Vox forderte jetzt, den 8. März, zum nationalen Gedenktag für die Covid-Opfer zu machen, was das Parlament aber einhellig ablehnte, ging es der rechten Partei ja damit nur um die Diskreditierung der Emanzipationsbewegung.

Gasexplosion in Madrid mit vier Toten offiziell ein "Unfall"

Im Zentrum von Madrid hat es in einem Gebäude eine heftige Explosion gegeben.

Madrid - Richterin Belén Verdyguer hat ein Fremdverschulden bei der Gasexplosion am 20. Januar in Madrid ausgeschlossen und den Fall zu den Akten gelegt. Die Ursache des Unfalls sei ein Gasleck gewesen, durch das sich das Erdgas langsam, kontinuierlich und über lange Zeit ausbreiten konnte. Bei dem Unfall in einem Wohnhaus in der Calle Toledo im Zentrum der Hauptstadt waren vier Menschen ums Leben gekommen.

Mehr zum Thema: Spaniens Koalition in der Krise, Volkspartei lachender Dritter?

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