Pandora Papers
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Dank der Pandora Papers erhält der Normalbürger konkreten Einblick in die Machenschaften der Geld-Eliten. Hunderte Journalisten vom Netzwerk ICIJ arbeiteten Monate daran.

Journalisten decken auf

Pandora Papers: Die Steuerparadiese der Superreichen - Auch 600 Spanier im Daten-Tsunami von Off-Shore-Firmen

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Steuervermeidung über Off-Shore-Firmen und Stiftungen durch Reiche und Superreiche ist nichts Neues. Die jetzt veröffentlichten Pandora Papers überraschen allerdings durch die Menge an Informationen und die Verwicklung aktiver Politiker und Staatschefs. Auch 601 Spanier sind auf Steuerparadiesen ertappt worden, darunter Pep Guardiola sowie Julio Iglesias, der seine besondere Vorliebe für „Jungfrauen“ beweist.

Madrid - Die Organistation für Entwicklung und Zusammenarbeit, OECD, schätzt, dass weltweit Werte von rund 10.000 Milliarden Euro, also rund das Zehnfache der jährlichen Wirtschaftsleistung Spaniens, in Steuerparadiesen geparkt oder vertsteckt sind. Die Europäische Union schätzt den Steuerausfall für die Mitgliedsstaaten durch Steuerflucht (nicht Hinterziehung im eigenen Land) jährlich auf 46 Milliarden Euro. Einen Einblick in das Verschieben von Vermögen am Fiskus vorbei liefern jetzt die Pandora Papers, ein Konvolut von 12 Millionen Dateien und mehreren Terrabyte Daten, die aus 14 auf Off-Shore-Konstrukte spezialisierten Anwaltskanzleien und Treuhand-Büros stammen.

Pandora Papers: 330 Amtsträger aus 91 Ländern, darunter 35 Staatschefs wie Putin und der König von Jordanien

600 Journalisten der namhaftesten Medien in 117 Ländern, zusammengeschlossen im "International Consortium of Investigative Journalists", haben den Daten-Tsunami über Monate ausgewertet, um Firmen, Stiftungen und Briefkästen Personen zuordnen zu können. Dabei kamen nicht nur die üblichen Verdächtigen zum Vorschein, VIPs aus Sport, Unterhaltung und Wirtschaft, - insgesamt darunter 130 Milliardäre - deren Steuertricks schon durch andere Leaks bekannt waren, sondern auch die Machenschaften von Politikern. "330 höhere Amtsträger aus 91 Ländern", darunter 35 Staatschefs und Ex-Staatschefs tauchen in den Dokumenten auf, die belegen sollen, wie privates Vermögen am Finanzamt vorbeigeschleust wurde.

Genannt werden in den Pandora Papers unter anderem der Ex-Premier Großbritanniens Tony Blair, der frühere Weltbankchef Dominique Strauss-Kahn, König Abdallah II von Jordanien, Russlands Präsident Wladimir Putin, sein Amtskollege aus Chile Sebastián Piñera sowie allein in Lateinamerika weitere 35 Minister und Staatssekretäre. Einige von ihnen, darunter Putin, kamen durch das Auftauchen bestimmter Namen auch in Erklärungsnot hinsichtlich ihres Privatlebens, lassen sich nämlich nicht nur steuerliche, sondern auch amouröse Geheimnisse durch das Öffnen von Pandoras Büchse lüften.

Pandora Papers Spanien: Schlagersänger Julio Iglesias und seine Vorliebe für "Jungfrauen"

Julio Iglesias soll laut Pandora Papers knapp 100 Millionen Euro in Steuerparadiesen angelegt haben.

Für Spanien kümmerten sich die Zeitung "El País" und der TV-Sender La Sexta um die Verifizierung der Pandora-Papers-Daten. Danach erscheinen in den Papieren 601 Personen mit spanischer Staatsbürgerschaft, die mit 751 Off-Shore-Gesellschaften in Verbindung gebracht werden können. "El País" betont, dass 54 Pandora-Akten akutell laufende Gerichtsverfahren beträfen. Die meisten hätten Anwälte und Treuhänder in Andorra als Mittelsmänner genutzt, um Vermögen in Form von Immobilien über Briefkastenfirmen in Belize, den British Virgin Islands, Bahamas oder den Cook Inseln, also ausgesuchten Steuerparadiesen anzulegen und so das Vermögen selbst vor dem heimischen Fiskus zu verbergen, aber auch mögliche Renditen daraus.

Die berühmtesten Spanier auf der Liste sind der Schlagerbarde Julio Iglesias, der über rund 20 Off-Shore-Firmen auf den Virgin Islands vor allem in Miami und in der Karibik gleich Dutzende Immobilien erworben haben soll, deren Wert um die 100 Millionen Euro ausmachen soll. Außerdem habe er auf diese Weise ein Privatflugzeug erworben. Gedeckt ist alles über Treuhandfonds, die effizienteste Möglichkeit, Informationspflichten zu umgehen und so auch Einnahmen zu verschleiern, die eigentlich versteuert gehören.

Pandora Spanien: Auch die deutsche Ex-Geliebte des spanischen Alt-Königs Juan Carlos taucht in den "Papern" auf

Ebenso sollen der Ex-Barcelona-Trainer Pep Guardiola und die Sängerin Shakira, Ehefrau von Barca-Held Gerard Piqué, in ähnliche Machenschaften verwickelt sein. Auch die Ex-Geliebte von Spaniens Altkönig Juan Carlos I, Corinna Larsen, taucht in den Pandora-Papieren auf. Sie soll 2007 einem Treuhandfonds mit Teilen des Geldes angelegt haben, das ihr Juan Carlos zur "Verwahrung" übergeben habe. 65 Millionen Euro, ein "Geschenk" aus Saudi Arabien an König Juan Carlos für die Vermittlung des Baus des AVE. Larson behielt das Geld und bekam so Ärger mit Juan Carlos und sogar dem spanischen Geheimdienst, am Ende verpfiff sie den Altkönig, der es seit einem Jahr für besser hält in Abu Dhabi, statt in Spanien seinen Lebensabend zu verbringen.

Juan Carlos und seine „innige Freundin“ Corinna Larsen.

Steuerhinterziehung bei jenen, die es am wenigstens nötig haben, den Reichen und Superreichen, ist nichts Neues. Doch die Pandora Papers überraschen durch die schiere Menge an Information, die Verwicklung vieler, auch aktiver Politiker sowie die Dreistigkeit, mit der die mutmaßlichen Steuerbetrüger vorgehen. "Die Pandora Papers sind wie die Panama Papers auf Steroiden", verdeutlicht einer der beteiligten Journalisten die Ausmaße der Recherche. Und wer öffnete die Büchse der Pandora? Es handelt sich, so erklärt das Journalistennetzwerk, um eine einzige Quelle, die natürlich geschützt bleibe und die auch keiner der Journalisten je persönlich getroffen habe. Doch mit dieser Person habe man bereits viele Jahre zusammengearbeitet und konnte bis dato alle weitergeleiteten Infos als echt verifizieren.

Spaniens Steuerfahnder: Pandora Papers führen zu Ermittlungen, Beweisführung oft problematisch

Die spanische Steuerbehörde, Agencia Tributaria, hat bereits reagiert und angekündigt, alle neuen Dokumente genau auf Straftatbestände prüfen zu wollen. Das Problem dabei ist, dass viele Wege, die das Geld nimmt, zunächst legal sind oder scheinen, Dank Gesetzen, die die Angezählten selbst befördert oder sogar beschlossen haben. Für die Steuerfahnder und die Gerichte ist es daher und auch wegen der Verschleierung von Daten und Unterlagen mitunter sehr schwer, den Nachweis einer Straftat nach heimischem Recht so zu erbringen, dass eine Verurteilung Berufungen und Revisionen standhält. Ab wann wird die Gründung einer Firma oder Stiftung im Ausland oder deren Aktivitäten zur Geldwäsche oder Steuerhinterziehung? Legal, illegal, sch...egal: Die durch die Pandora-Leaks bloßgestellten Kanzleien verteidigen sich eben mit diesem Argument: Sie würden nur geltendes Recht anwenden, alles, was sie gemacht haben, sei legal. Diese "Koalition der Korrupten" zu durchbrechen, wie sie einer der investigativen Journalisten nennt, sei letztlich Sache der Wähler.

Spaniens Steuerfahnder konnten nach der Publikation der Panama Papers 140 Millionen Euro Steuernachzahlungen von 244 Steuerpflichtigen einholen, darunter sind auch einige Milliönchen vom Alt-König Juan Carlos. Verglichen mit dem geschätzten Ausfall an Steuereinnahmen und mit der Vielzahl der Steuervermeider die ungeschoren davon kommen, ist das für die Reichen aber nur ein Trinkgeld und Steuervermeidung auf diese Art und Weise gerade angesichts der Armut - nicht nur in der Dritten Welt - geradezu vulgär.

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