Ultimatum an Sánchez

Rapsöl-Skandal in Spanien: Opfer drohen im Prado mit Selbstmord

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Vor 40 Jahren wurden tausende Spanier beim sogenannten Rapsöl-Skandal vergiftet. Im Prado-Museum haben jetzt sechs Opfer damit gedroht, Selbstmord zu begehen.

Madrid - Sechs Opfer des sogenannten Rapsöl-Skandals in Spanien haben am heutigen Dienstagmittag aus dem Madrider Prado-Museum gedroht, sich umzubringen. Der Opferverein „Seguimos Viviendo“ hat dazu auf Twitter ein Schreiben veröffentlicht, in dem er die Protestaktion einen „Hilfeschrei an die Welt“ nennt. Man ließe den Opfern 40 Jahre nach den Vorfällen keine andere Wahl, heißt es in der Mitteilung. Zwei Stunden nach Beginn der Protestaktion hat die Polizei die sechs Demonstranten nach Medienberichten aus dem Prado gebracht - zwei Personen seien verhaftet worden.

Spanien: Opfer des Rapsöl-Skandals wollen Aufmerksamkeit

„Wir haben das Prado-Museum als wichtigste kulturelle Institution in Spanien ausgewählt. Die Kultur hat vielen kranken Raps-Opfern geholfen, niemals aufzugeben, noch nicht einmal jetzt“, schrieb der Verein zunächst auf Twitter. Die Opfer des Rapsöl-Skandals weisen auch darauf hin, dass das weltberühmte Guernica-Gemälde 1981 ins Prado kam - im selben Jahr, in dem der Rapsöl-Skandal in Spanien tausende Menschen vergiftete. Außerdem sei die Wahl auf das Prado gefallen, weil es sich um eine weltweit angesehene Kulturstätte handelt - „und auch wir wollen Aufmerksamkeit“.

Das Prado-Museum von außen: Hier drohen Opfer des Rapsöl-Skandals in Spanien mit Selbstmord.

Die sechs Opfer, die sich im Madrider Prado „eingeschlossen“ hatten, fordern ein Treffen mit Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez. Der Regierungspräsident soll sich anhand einer offiziellen Mitteilung dazu verpflichten, sich noch im Oktober mit den Opfern des Rapsöl-Skandals zu treffen. „Sechs Stunden nach unserem Eintreffen hier werden wir damit beginnen, Pillen einzunehmen“, hieß es weiter in dem Schreiben, das gegen 11 Uhr auf Twitter veröffentlicht wurde. Um 10 Uhr waren die Demonstranten als ganz normale Besucher ins Museum gegangen. Die Opfer versicherten, dass sie ausreichend Pillen bei sich führen, um in den „ewigen Schlaf“ überzugehen - und dass sie mit nüchternem Magen ins Prado gegangen seien.

Rapsöl-Skandal in Spanien: Tausende Menschen vergiftet

Der Rapsöl-Skandal ereignete sich im Frühjahr 1981 in Spanien. Vergälltes Rapsöl wurde damals als Speiseöl auf den Markt gebracht - nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs 1989 wissentlich. Mehr als 20.000 Menschen wurden vergiftet, die Zahl der Todesopfer bezifferten Gutachter im Gerichtsprozess auf 4.800. Bis heute leiden etliche Menschen in Spanien unter Spätfolgen der Vergiftung, der Opferverein kämpft um mehr Aufmerksamkeit und Hilfen. Rapsöl ist auch 40 Jahre nach dem Skandal in Spanien nahezu tabu und wird in der Küche praktisch nicht verwendet.

Rubriklistenbild: © Archivbild: Victor Lerena/dpa

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