Polizisten kontrollieren in Spanien eine Autokolonne.
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Wann öffnen die Regionen in Spanien wieder für Reisen? Das fragen sich In- und Ausländer gleichermaßen.

Öffnung der Regionen

Reisen mit dem Auto und Flugzeug nach Spanien: Wann öffnen die Regionen?

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Kanarische Inseln und Balearen wollen sich zuerst für Reisende aus Spanien öffnen, Valencia Ende April, Andalusien möglicherweise erst im Juni. Madrid ist offen, bleibt aber unerreichbar. Die Ankündigung vom Ende des Coronavirus-Notstandes in Spanien zum 9. Mai durch Regierungschef Sánchez hat Hoffnung auf freies Reisen innerhalb Spaniens, aber auch ein Info-Chaos ausgelöst. Was man bisher weiß.

Update, 22. April: Aktuelle Lage Coronavirus Spanien, Impfung, Reisen - Was geschieht nach Ende des Notstands?

Madrid - Die Ankündigung von Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez vom Dienstag, den nationalen Coronavirus-Notstand in Spanien zu Ende gehen und nicht über den 9. Mai hinaus verlängern zu wollen, ließ umgehend Hoffnungen ins Kraut schießen, damit seien sowohl die nächtlichen Ausgangssperren als auch die Abriegelung der spanischen Regionen untereinander hinfällig. Das freie Reisen innerhalb Spaniens ist schließlich die Voraussetzung für inländischen Tourismus, aber auch ein wichtiger Aspekt des zu Ostern est zaghaft angelaufenen spanischen Auslandstourismus sowie entscheidend für die Einreise mit dem Auto.

Reisen innerhalb Spaniens: Kommt mit dem Ende des Notstands der Tourismus wieder Gang?

Denn, wie zu Ostern zu sehen war, konnten Ausländer zwar nach Mallorca oder Madrid fliegen und so in Spanien einreisen. Wer aber zum Beispiel einen Flug nach Alicante an die Costa Blanca ergatterte, sein Ferienhaus aber am Mar Menor, also in Murcia hatte, durfte genauso wenig dorthin fahren, wie jene, die per Auto über Frankreich nach Katalonien einreisten und von dort an die Costa Blanca weiter fahren wollten. Denn sobald ein Ausländer Spanien betritt, galten und gelten für ihn die gleichen Regeln, wie für alle Spanier auch: Reisen zwischen den Regionen sind nur aus besonderen Gründen möglich - Urlaub gehört nicht dazu. Zugegeben: Viele kamen dennoch durch, weil es keine lückenlosen Kontrollen gab.

Auch am Flughafen Valencia kamen Touristen zu Ostern an.

Freies Reisen zwischen den Regionen: Coronamaßnahmen in Spanien fast immer Ländersache

Was vielen hinsichtlich des Reisens und der Absperrungen der Regionen in Spanien nicht bewusst ist: Die Abriegelung der Regionen ist zwar zentral verkündet, aber dezentral vereinbart gewesen. Die ständige Konferenz der Landesgesundheitsminister beschloss landesweite Maßnahmen jeweils gemeinsam, die Zentralregierung saß dabei mit am Tisch, eine Verpflichtung für alle Regionen, sich daran zu halten, ergab sich daraus indes nicht, weil die Zentralregierung von ihren Notstandsrechten für zentrale Eingriffe praktisch keinen Gebrauch machte, solange die Regionen in ihrer Gesamtheit den Empfehlungen folgten. Das gilt auch für die nächtlichen Ausgangssperren und Einschränkungen bei Versammlungen, Gastronomie, im Handel und im Kultursektor und damit auch für die jeweiligen Lockerungen. Wirklich ganz allein in den Händen der Zentralregierung liegt derzeit nur die Impfkampagne sowie die Maskenpflicht, die kürzlich in einem nationalen Gesetz verankert worden war. Denn selbst der Schutz der Außengrenzen des Landes, sind wegen Schengen Sache der EU.

Reisen in Spanien schon vor Ende des Notstandes am 9. Mai möglich: theoretisch

Daraus ergibt sich für den Abbau der Restriktionen in Spanien ebenfalls, dass diese Ländersache sind und bleiben. Aufgrund der geographisch unterschiedlichen Lage und der volatilen Entwicklung der Pandemie - vor allem im Lichte der aufkommenden vierten Coronavirus-Welle in Spanien - wird es keine allgemeine Reisefreheit in Spanien von einem Tag auf den anderen geben, wohl aber deutliche Erleichterungen in und zwischen vielen Regionen, sogar schon vor dem 9. Mai. Auf der anderen Seite werden uns aber, solange Fallzahlen hoch und Impfquoten niedrig sind, immer wieder auch Absperrungen von Regionen, aber eher noch Provinzen, Städten und Dörfern begleiteten, die je nach Lage verhängt oder aufgehoben werden.

Es dauert keinen Monat mehr.

Valencias Landesschef Ximo Puig am 8. April zur Aufhebung der Reise-Restriktionen von Region zu Region

Gleichzeitig verhandeln benachbarte Regionen in Spanien bereits über bilaterale Lockerungen nach der Art eines kleinen Grenzverkehrs. Damit will man absurde Konstellationen und ungerechte Härten abstellen, wegen der sich Familien, die nur wenige Kilometer auseinanderleben, aber das Pech haben, dass zwischen ihren Wohnorten die Grenze einer Autonomen Gemeinschaft verläuft, seit über einem halben Jahr nicht sehen konnten. Oder noch absurder: Wer in Pilar de la Horadada (Valencia) lebt, aber im ein paar Kilometer entfernten San Pedro del Pinatar (Murcia) arbeitet, darf zwar dort zur Arbeit hin, wenn er aber nach Dienstschluss seine dort lebende Mutter besuchen will, begeht er einen Regelverstoß. Solche und viele ähnlich gelagerte Fälle wollen die Verantwortlichen beenden, womöglich auch Mithilfe von Schnelltests.

Wann öffnen welche Regionen in Spanien - und welche nicht? Was man bisher zur Reisefreiheit innerhalb Spaniens weiß

Den Äußerungen der einzelnen Landesministerpräsidenten in Spanien nach, ergibt sich am 9. April, also einen Monat vor dem wahrscheinlichen Ende des nationalen Notstandes wegen des Coronavirus in Spanien folgendes Bild:

  • Die Region Madrid hebt die Absperrung der Region bereits am Samstag, 10. April auf, obwohl die Inzidenz dort über 300 und am höchsten in ganz Spanien mit deutlich steigender Tendenz liegt. Diese Aufhebung steitens der Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso, die sich mitten im Landtagswahlkampf befindet, ist rein populistischer Natur, denn solange die Nachbarregionen, also Castilla y León und Castilla La Mancha ihr "cierre perimetral" nicht aufheben, ändert sich für die Bürger nichts. Madrid wälzt lediglich den polizeilichen Kontrollaufwand auf die Nachbarregionen ab und stellt sich als Leuchtturm der Freiheit dar - mit den höchsten Corona-Fallzahlen in Spanien, eine tödliche Freiheit.
  • Auch die Kanarischen Inseln haben die Öffnung für andere Regionen ab diesem Wochenende (9. und 10. April) angekündigt, wobei die Kanaren, die mit diesem Schritt spanische Touristen und Zweitwohnungsinhaber vor allem aus dem "offenen" Madrid anlocken könnten, auf Einreisetests an den Airports bestehen und die großen Inselns Teneriffa, Gran Canaria und Fuerteventura untereinander vorerst weiter isoliert bleiben sollen.
  • Die Balearen wollen ebenfalls Reisen vom Festland Spaniens nach Mallorca, Menorca und Ibiza ab 12. April genehmigen, die freilich nur für die Bürger jener Regionen möglich sind, deren Regionen sich ebenfalls öffnen. Und: Da praktisch alle über den Luftweg kommen, sind dann für alle Reisende, ob In- oder Ausländer, negative PCR-Tests Pflicht für die Einreise.
  • Andere Regionen wie Navarra, die beiden Kastilien oder Aragón halten ihre derzeitigen Restriktionen, einschließlich der Ein- und Ausreisebeschränkungen aus der Autonomen Gemeinschaft, zunächst wie zuerst verkündet aufrecht, jeweils zunächst bis 19. oder 22. April und wollen dann neu entscheiden. Extremadura verkündete binnen 24 Stunden: Wir öffnen - Wir öffnen doch noch nicht. Die Landesregierung will den April abwarten und hofft, bis dahin eine vierte Welle vermieden oder überwunden zu haben.
  • In manchen Regionen zieht man die Zügel sogar nochmals an, schlicht aus Angst vor der realen Gefahr einer vierten Coronavirus-Welle in Spanien, die laut den aktuellen Zahlen immer sichtbarer wird. So verhängt Katalonien vom 9. April bis vorerst 19. April eine Absperrung auf Kreisebene (comarcas) und Andalusien, wo sich die vierte Welle entlang der Costa del Sol und im Binnenland schon besonders bemerkbar macht, riegelt je nach Fallzahlen sogar wieder Städte und Dörfer ab, am Freitag waren es rund 70. Andalusiens Regierungschef Juanma Moreno hat seinen Andalusiern bereits angekündigt, dass er die Schließungen von Provinzen und notfalls der gesamten Region auch nach dem 9. Mai "für einen weiteren Monat" ins Auge fasst, je nach Corona-Lage.
  • Die Region Valencia, die mit der Costa Blanca die Paraderegion für Zweitwohnungen von Madrilenen und auch ausländischer Residenten in Spanien ist, will die Absperrung vor dem 9. Mai aufheben. Am 22. April gibt es in Valencia dazu die nächste Regierungssitzung, Landeschef Ximo Puig deutete an, dass die Region ab 25. April offen sein könnte. "Es dauert keinen Monat mehr" war das Konkreteste, was er bisher dazu sagte. Doch auch hier gilt, bleiben dann die Nachbarregionen Katalonien, Murcia oder Kastilien La Mancha dicht, können alle, die in Valencia leben, höchstens mit der Fähre nach Ibiza übersetzen oder sich mit den kleinen Lockerungen der Corona-Restriktionen in Valencia begnügen, die zum 12. April nochmals neu geschärft wurden.

Über allen Planspielen und Ankündigungen zum Reisen innerhalb Spaniens schwingt das Damoklesschwert der vierten Coronavirus-Welle. Daher bleibt die Geduld der Spanier und der hier lebenden Ausländer gefragt, bis die Impfkampagne, die glücklicherweise endlich spürbar an Fahrt aufnimmt, für immunologische Grundsicherheit sorgt. Das bedeutet auch, dass offene Regionen wieder geschlossen werden können, wenn die Lage das erfordert.

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