Temperaturmessung an einem Impfzentrum in Valencia.
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Die jungen Menschen ab 12 Jahre lassen sich in Spanien bereitwillig impfen. Die Normalität ist in Sicht.

Corona Lage in Spanien

Corona-Lage in Spanien entspannt sich dank Impfung deutlich: Mittleres Risiko

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Pünktlich zum Schulbeginn und dem Ende der Urlaubszeit entspannt sich die Corona-Lage in Spanien, es gibt nur noch minimale Restriktionen. Zeit für Normalisierung, aber auch Zeit, den Schutz der verletzlichen Gruppen nicht aufzugeben.

Madrid - Nach über zwei Monaten ist die Coronavirus-Inzidenz in Spanien erstmals wieder unter 150 Fälle pro 100.000 Einwohner und 14 Tage gesunken, das Land befindet sich damit im "mittleren Risiko" hinsichtlich der Ansteckungsgefahr. und wird auch in Deutschland nicht mehr als Hochrisikogebiet geführt, was das Reisen erleichtert und viele Menschen wieder in ihre zweite Heimat Spanien zurückkehren lässt. Am Donnerstag meldete das spanische Gesundheitsministerium eine landesweite Inzidenz von 140,4, der beste Wert seit 1. Juli. Und die 7-Tages-Inzidenz von nur 52, die also deutlich weniger als die Hälfte des 14-Tages-Wertes ausmacht, weist auf einen anhaltend deutlichen Rückgang für die kommenden Wochen.

Dieses "mittlere Risiko" drückt sich auch in den anderen Indikatoren aus, die seit der Impfung mehr Aussagekraft entwickeln als die Inzidenz. Aus den Erfahrungen der ersten Wellen wird daher besonderes Augenmerk auf die Auslastung der Krankenhäuser Spaniens gelegt. Diese beträgt auf den normalen Stationen nur noch rund 5 Prozent landesweit, allerdings werden 14 Prozent der Intensivbetten in Spanien derzeit durch Covid-Patienten belegt, über 85 Prozent davon durch ungeimpfte oder nicht vollständig geimpfte Personen.

5.115 Menschen in Spanien liegen derzeit mit Covid in Hospitälern, davon 1.258 auf Intensivstationen. Zum Vergleich: Am 9. August waren es noch 2.031. In ähnlichem Rhythmus sinken so auch die durch Covid-19 bedingten Todesfälle in Spanien, über 90 waren es noch in der abgelaufenen Woche, Nachmeldungen noch nicht eingerechnet. Offiziell hat Covid-19 in Spanien bereits über 85.000 Leben ausgelöscht, was der Einwohnerzahl einer Stadt wie Torrevieja entspricht. Experten gehen jedoch von über 100.000 Toten aus.

Corona-Lage in Spanien: Dort am besten, wo am meisten geimpft wurde

Trotz der positiven Entwicklung, die vor allem auf die europa- und weltweit führende Impfbereitschaft der Spanier zurückzuführen ist, verläuft die Erholung regional unterschiedlich. So verbleiben neun Regionen numerisch im "hohen Risiko": Aragón, Balearen, Kantabrien, Castilla-La Mancha, Extremadura, Madrid, Navarra, País Vasco und La Rioja. Die besten Daten kommen derzeit aus Asturien mit einer Inzidenz von nur 56. Es ist auch die Region mit der höchsten Impfquote Spaniens: 81,1 Prozent aller Einwohner haben die vollständige Impfdosis erhalten.

Mit der Verbesserung der Zahlen geht der Abbau von Corona-Restriktionen einher: Wie berichtet, hat Valencia bereits die Nachtgastronomie geöffnet und die nächtlichen Sperrstunden abgeschafft, in Katalonien ist sogar das Personen-Limit bei privaten oder öffentlichen Treffen weggefallen. Auch in Andalusien, das lange mit Aufs und Abs haderte, macht sich Entspannung breit. Nicht zuletzt finden wieder Fiestas statt, von den Großen wie den Ersatz-Fallas, die gerade in Valencia zu Ende gingen bis zu lokaleren, wie das Oktoberfest in La Nucía Ende September.

Corona-Regeln in der Region Valencia. - Corona-Regeln in der Region Andalusien.

Blick in die Zukunft: Weitere Corona-Wellen werden kommen, aber kaum noch Restriktionen nötig machen

Der Rückgang der Fälle kommt gerade recht zum Beginn des Schuljahres in Spanien, aber auch dem Ende der Urlaubszeit und die Rückkehr vieler Home-Office-Arbeiter an ihre eigentlichen Arbeitsplätze. Für Bevölkerung wie Wissenschaft wird es spannend zu sehen, ob diese erhöhten Kontakte eine nächste Welle auslösen oder ob die in wenigen Wochen erreichte Durchimpfung von 75 Prozent der Bevölkerung diese aufhält, zumindest was die Belegung der Krankenhäuser betrifft.

Das Schuljahr in Spanien hat begonnen - mit viel Sicherheitsmaßnahmen aber Sehnsucht nach Normalität. Die Zahlen und Zeiten stehen günstig.

Bleibt die Frage, was mit den Kindern unter 12 Jahren passiert. Für sie ist in der EU derzeit noch kein Impfstoff zugelassen, Pfizer und Moderna sind in der Testphase und es deutet sich an, dass es bis Jahresende dauern wird, bis die Jüngsten die richtige, sichere und wirksame Dosis erhalten können.

Der Kinderarzt und Epidemiologe Quique Bassat, Teil des Expertenteams im Krisenzentrum der Regierung, geht jedenfalls davon aus, dass "Spanien höchstwahrscheinlich keine großen Ansteckungswellen mehr verkraften werden muss. Es wird Wellen geben, die aber nicht mehr so sein werden wie die früheren". Für ihn sei es "an der Zeit, diese Krankheit zu normalisieren".

Seine Kollegin Elena Vanesa Martínez ergänzt: "Schon durch die fünfte Welle, obwohl die von der Delta-Variante dominiert war, gingen wir mit sehr laxen Einschränkungen", weil die Impfung bereits Wirkung zeigte. Es sei nun zwar einfacher, aber auch nach wie vor geboten, "jene, die sich nichts selbst schützen können", zu schützen. Und das geht am besten mit der Impfung, die kein Allheilmittel ist, aber das Risiko für alle am besten und am meisten minimiert.

Impfen für Ausländer in Spanien: In Spanien ist die Impfung jetzt praktisch überall ohne Termin möglich. Die großen Impfzentren werden im Oktober geschlossen, geimpft wird dann in den Gesundheitszentren. Für in Spanien lebende Ausländer genügt eine provisorische Krankenversicherungs-SIP-Karte, die unabhängig vom Versicherungsstand durch Rathäuser oder Gesundheitsämter mit Vorlage der Meldebescheinigung ausgestellt wird. Die Impfung in Spanien ist eine staatliche Leistung und für alle kostenlos. Weitere Information zur Impfung für Ausländer in Spanien.

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