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Schiffsunglück vor Kanada: Spanisches Fischerboot gekentert - Wahrscheinlich 21 Tote

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Von: Marco Schicker

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Einsatzzentrale der spanischen Seenotrettung
Die Einsatzzentrale der spanischen Seenotrettung konnte keinen Kontakt mehr mit dem havarierten Fischerboot vor Neufundland aufnehmen. © Salvamento marítimo

Das spanische Fischerboot „Villa de Pitanxo“ geriet am Dienstag im Nordatlantik vor Neufundland, Kanada, in Seenot und kenterte binnen Minuten. Drei Seeleute konnten schwer unterkühlt gerettet werden, zehn wurden bisher tot geborgen, elf werden noch vermisst.

Update, 17. Februar: Die Küstenwache in Kanada hat die Suche nach den 12 noch vermissten Seeleuten des gekenterten spanischen Fisch-Trawlers offiziell und endgültig eingestellt, man habe deutlich länger nach Überlebenden gesucht als üblich, so die Behörden. Von der 24-köpfigen Besatzung gelten nach berichtigten Zahlen der spanischen Seenotrettung nun drei als gerettet, neun wurden tot geborgen, 12 gelten offiziell noch als vermisst.

Erstmeldung, 16. Februar: Halifax/Pontevedra - 24 Seeleute waren an Bord der "Villa de Pitanxo", davon 17 Spanier aus Galicien und Andalusien, fünf Peruaner und zwei Ghanesen. Der 50 Meter lange und zehn Meter breite Fisch-Trowler mit Tiefkühleinheit mit Heimathafen Marín, Pontevedra, Galicien, gehört der spanischen Reederei- und Fischerei-Gruppe Nores. Am Dienstagmorgen, spanische Ortszeit, gerieten die Fischer rund 450 Kilometer südöstlich der Küste von Neufundland (Terranova) wegen der Wetterbedingungen und wilden Seegangs im Nordatlantik in Seenot, binnen Minuten sank ihr Schiff.

Spanisches Fischerboot vor Kanada gesunken: Drei Überlebende, zehn Tote, keine Hoffnung für Vermisste

Bis Mittwochmorgen wurden zehn Leichen geborgen, elf Fischer und Seeleute gelten noch als vermisst, die Hoffnung, dass einer von ihnen überlebt haben könnte, ist aufgrund des eisigen Wassers gleich Null. Lediglich drei Fischer konnten lebend, mit schwersten Unterkühlungen, gerettet werden. "Wir können nur beten", sagten geschockte Angehörige, die sich am Firmensitz der Gruppe Nores in Galicien versammelten, um Erklärungen von der Firmenleitung zu verlangen. Bis dato ist nur bekannt, dass das Schiff mit Baujahr 2004 über alle erforderlichen Genehmigungen verfügt haben soll.

Karte der See vor Neufundland
Rund 450 Kilometer vor der Küste von Neufundland, Kanada, sank das spanische Fischerboot am Dienstag, 15. Februar. © Salvamento marítimo

Fischerboote als Retter - Kanadisches Militär hilft bei Suche nach Fischern aus Spanien

Laut der spanischen Seerettung, Salvamento Marítimo, setzte die "Villa de Pitanxo" ab 5.24 Uhr spanische Ortszeit am Dienstag, 15. Februar 2022, zwei Notrufe ab, doch Kontaktaufnahmen seitens der Einsatzzentrale schlugen fehl, niemand antwortete. Kurz nach sechs brach auch das Signal der sogenannten Blue Box für die Ortung ab. Die Seeretter informierten umgehend die nächstgelegenen Schiffe, Fischerkollegen der spanischen "Playa Menduiña Dos" und der "Novo Virgem da Barca" aus Portugal starteten einen Rettungseinsatz. Die spanischen Kollegen konnten die drei Überlebenden an Bord bringen und bargen auch die ersten Leichen, die in ihren Rettungsinseln trieben. Auch die Portugiesen fanden mehrere Seeleute, für die jede Hilfe zu spät kam. Das kanadische Militär beteiligte sich umgehend mit ihren speziellen Seerettungseinheiten sowie Helikoptern und einem Flugzeug an der Suche.

"Ich erinnere mich nicht an eine so große Tragödie", erklärte die Bürgermeisterin von Marín, María Ramallo gegenüber "El País". Die Mehrzahl der Besatzung stammt aus der Provinz Pontevedra und galt als sehr erfahren. Zu dieser Zeit wird in den Gewässern vor Neufundland vor allem nach Kabeljau, Rochen und Heilbutt gefischt.

spanischen Fischerei-Trawlers „Villa de Pitanxo“
Archivbild des spanischen Fischerei-Trawlers „Villa de Pitanxo“, der im Februar 2022 vor der Küste von Kanada gesunken ist, was 21 Menschen das Leben kostete. © Salvamento marítimo

Gesunkenes spanisches Fischerboot vor Kanada: Schwerstes Unglück seit 40 Jahren

Das Schiffsunglück vor Kanada ist das schwerste und tödlichste der traditionsreichen galicischen und spanischen Feischereiflotte seit vier Jahrzehnten. Im März 2014 verunglückte die "Santa Ana" vor Asturien, wobei acht Besatzungsmitglieder ertranken. 2007 etranken acht Fischer vor der Küste von Barbate im andalusischen Cádiz, im Oktober 2000 sank die "Arosa", ebenfalls aus dem Hafen Marín" in irischen Gewässern, damals ertranken 12 Fischer und Seeleute. 1991 starben 16 Mann, darunter 14 Spanier, des spanisch-deutschen Bootes Frank-C vor Schottland. 1984 kostete die Havarie der "Montrove" 17 Seeleute vor Las Palmas das Leben und im gleichen Jshr starben 26 Seeleute von der "Islamar III" 15 Meilen vor der Küste von Marokko.

Zum Thema: Sorge um die Zukunft: Spaniens Fischer fürchten EU-Plan zum Schutz der Meere.

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