Klassenzimmer in Spanien.
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Alles bereit für das neue Schuljahr? Gel ist nicht alles, bleibt aber ein ständiger Begleiter in Spaniens Klassenzimmern.

Zweites Corona-Schuljahr

Schuljahr in Spanien beginnt: Start ins Ungewisse - Lust auf Normalität

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Für acht Millionen Schüler in Spanien hat in dieser Woche das neue Schuljahr begonnen, das zweite der Coronavirus-Pandemie. Während die älteren Schüler sich rekordverdächtig schnell impfen lassen, gibt es für die Kleineren noch gar keine Impfung. Corona-Maßnahmen bleiben daher genauso erhalten wie das alte Leiden Personalmangel.

Madrid – „Es ist Zeit, wieder mehr über Bildung als über die Pandemie zu reden, auch wenn es noch nicht wieder so sein kann wie zuvor“, sagt Idoia Pujana, Schuldirektorin in Bilbao. „Wir alle haben viel Lust auf Normalität, wir wollen was tun“, bestätigt ihre Kollegin Myriam Fuentes von einer Mittelschule in Palma de Mallorca. Acht Millionen Schüler starteten in dieser Woche in Spanien ins neue Schuljahr, das zweite in der Coronavirus-Pandemie, die naturgemäß ein wichtiges Thema bleibt, bestimmt sie doch weite Teile des Schulalltags. So wie das Fehlen vieler Lehrer, was ein anderes Dauer-Thema ist.

Schulbeginn 2021: Spanien hat die meisten Schulabbrecher in Europa

In Valencia zum Beispiel fehlen pro Schule im Schnitt drei Lehrer, Andalusien „verspricht“ die Einstellung von 5.300 weiteren Pädagogen und anderen Kräften zu einer Zeit, da sie längst am Start stehen müssten. Das Geld sei da, aber das Personal fehlt, weil die Verwaltung zu langsam agiert. Aber auch, weil die Ungewissheit über die Zukunft Teil der Stellenbeschreibung einer spanischen Lehrkraft geblieben ist. In vielen Fällen fallen die sogenannten Covid-Lehrer weg, die im Vorjahr das Leben der Hauptlehrer erleichterten. Nicht nur, weil sie auf die Einhaltung der Maßnahmen achteten, sondern auch, weil sie sich um besonders sensible, bedürftige Kinder intensiver kümmern konnten, was letztlich allen zu Gute kam und in nicht wenigen Fällen auch vorzeitige Schulabgänge verhindern half. Spanien ist mit 16 Prozent Schulabbrechern während der Pflischtschulzeit europaweit trauriges Schlusslicht.

Ein höherer Personaleinsatz ist ein bewährtes Mittel dagegen.

„Wir sollten die Bildungsdebatte nicht laut führen“, bittet die neue Bildungsministerin Pilar Alegría zum Auftakt des Schuljahres, bei dem eine schlechte Entwicklung des Virus die vielen optimistischen Pläne über „normale“ schulische Aktivitäten binnen Wochen zunichte machen könnte.

Lust auf Schule nach langen Ferien.

Mit dieser Unsicherheit und den in Spanien besonders hohen üblichen Kosten für die Ausstattung, schickten die Eltern ihre Kinder in einen Unterricht, der immerhin wieder vollständig präsenziell vonstatten gehen kann. Das ist eine Folge der in Spanien besonders erfolgreichen Impfkampagne und deshalb ist es dennoch nötig von der Pandemie zu reden, wenn man von Bildung reden möchte.

"Schüler sind vorbildlich": Über 75 Prozent der 12-19-Jährigen in Spanien haben bereits eine Impfung

Die Schüler der „Secundaria“, von 12 bis 19 Jahren, sind zu 40 Prozent geimpft. Das klingt erst einmal wenig. Doch 75,3 Prozent haben bereits in den Ferien die erste Dosis erhalten und damit die Altersgruppe der 20-30jährigen überholt, die mehrere Wochen vorher mit der Impfung begannen. „Die jungen Leute haben sich vorbildlich verhalten, die Impfbereitschaft ist noch höher als erwartet“, bestätigt der Kinderarzt und Epidemiologe Quique Bassat. Er geht davon aus, dass die Schüler der Mittelstufe „in wenigen Wochen 85 Prozent" Durchimpfung erreichen.

Doch für Kinder unter 12 Jahren ist in der Europäischen Union noch kein Impfstoff zugelassen worden. Das bedeutet, dass die Maßnahmen aus dem Vorjahr hinsichtlich „Bubbles“, Abständen, Masken, Trennwänden in der Schulkantine und der eingeschränkten Nutzung von Innenräumen erhalten bleiben müssen oder nur leicht gemildert werden können. Da sich Unter- und Mittelstufe in vielen Einrichtungen vor allem im ländlichen Raum Installationen teilen müssen, gelten diese Maßnahmen dann auch für die möglicherweise bald durchimpften Jahrgänge.

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