Archivbild von Altkönig Juan Carlos, der Publikum begrüsst.
+
Die Justiz ermittelt gegen Altkönig Juan Carlos.

Rechtshilfeersuchen an Schweiz

Altkönig Juan Carlos: Justiz in Spanien mit Indizien für vier Vergehen 

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
    schließen

Altkönig Juan Carlos gerät weiter in die Mühlen der Justiz. In einem Rechtshilfeersuchen an die Schweiz werden Indizien für insgesamt vier Vergehen aufgeführt.

Madrid – Die Justiz nimmt Spaniens E-König Juan Carlos I immer mehr in den Fokus ihrer Ermittlungen. Staatsanwälte des Obersten Gerichts in Spanien gehen Hinweisen nach, nach denen Juan Carlos I als Zwischenmann und Vermittler von internationalen Geschäften Kommissionen eingestrichen haben könnte. Demnach prüfen die Staatsanwälte die Konten des Altkönigs und haben die Justiz in der Schweiz in Form eines Rechtshilfeersuchens um die entsprechenden Informationen ersucht. Dieses interne Schreiben führt Indizien auf vier Rechtsverstöße auf und ist just der Presse zugespielt worden, als Generalstaatsanwältin Dolores Delgado am Freitag im Zarzuela-Palast König Felipe VI den Jahresbericht der Staatsanwaltschaft überreichte.

Ermittlungen gegen Altkönig Juan Carlos in Spanien: Indizien für Korruption, Steuerhinterziehung, Geldwäsche

Dolores Delgado hatte die ersten Ermittlungen gegen Juan Carlos I aufgrund seiner Immunität während seiner Zeit als Staatsoberhaupt an das Obersten Gericht weitergegeben und zudem eine Gruppe von Staatsanwälten und Spezialisten für Wirtschaftsvergehen beauftragt, den Korruptionsvorwürfen gegen Juan Carlos I nach seiner Abdankung im Juni 2014 nachzugehen. Die Generalstaatsanwaltschaft spricht bisher lediglich von Indizien, die sich bestätigen könnten oder eben nicht. Die Justiz verfolgt also die Spuren des Geldes von Juan Carlos in und außerhalb Spaniens und findet dabei Hinweise, die auf vier Vergehen, nämlich Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruption und unredliche Einflussnahme, hindeuten könnten.

Die Anwälte von Juan Carlos reagierten empört auf die Veröffentlichung und den Inhalt des Schreibens, da es kein Fundament für diese Anschuldigungen gebe, der Grundsatz auf Unschuldsvermutung des Altkönigs verletzt würde und diese Informationen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt wären.

Die spanischen Ermittler beantragten Einsicht in die Konten der Stiftung Zagatka, die Álvaro de Orleans gehört, dem Cousin des sich seit mehr als einem Jahr im freiwilligen Exil weilenden Altkönigs. Im gleichen Monat, im Februar 2020, leistete Juan Carlos I seine zweite freiwillige Steuernachzahlung von 4,4 Millionen Euro just wegen der von dieser Stiftung bezahlten Privatflüge in Höhe von acht Millionen Euro – ein Betrag, den er mit Hilfe befreundete Geschäftsleute bezahlte. Zwei Monate zuvor hatte der 83-Jährige bereits Steuerschulden in Höhe von 678.000 Euro wegen sechs Geldgeschenken des mexikanischen Unternehmers Allen Sangines-Krause im Zeitraum von 2016 bis 2019 freiwillig nachgezahlt – beide Operationen prüft das Finanzministerium derzeit noch. Das Königshaus kam einem Gesuch des Ministeriums auf Einsicht aller Zahlungen an Juan Carlos seit seiner Abdankung 2014 bis 2018 nach. Dem Bourbonen stand bis 2020 ein jährliches Salär von knapp 200.000 Euro zu. Die Steuerfahndung prüft nun auch, ob diese Summen mit den Kontobewegungen, also den Einnahmen und Abhebungen, von Juan Carlos I übereinstimmen, woher alle möglichen weiteren Eingänge stammen und wohin sie geflossen sind.

Ermittlungen gegen Altkönig Juan Carlos in Spanien: Schnellzug nach Mekka, Trust-Fonds und Geldgeschenke

Derzeit laufen bereits drei Ermittlungen gegen Juan Carlos, wegen vermeintlicher Kommissionen im Zuge des Baus des Hochgeschwindigkeitszugs AVE nach Mekka, die über Stiftung Zagatka geflossen sein könnten, wegen versteckter Trust-Fonds auf der Insel Jersey und wegen des Gebrauchs verdeckter Kreditkarten, die mit den Geldgeschenken des mexikanischen Unternehmers Sangines-Krause gedeckt waren. Die Presseberichte darüber gehen einher mit der Abreise Juan Carlos in die Arabischen Emirate, wo er sich seit Anfang August 2020 aufhält.

Die Ermittlungen wegen des Verdachts, dass Juan Carlos illegale Kommissionen eingestrichen haben könnte, richten sich vor allem auf den Bau des Hochgeschwindigkeitszugs AVE nach Mekka. Diese Vorwürfe sind keinesfalls neu, sie reichen zurück in den September 2018 und stehen in Zusammenhang mit den Untersuchungen der Abhörungen des ominösen Privatdetektivs José Manuel Villarejo, der die “Ex-Freunding” von Juan Carlos, Corinna Larsen beschattete. Gleichzeitig, im März 2020, nahm auch die Justiz in der Schweiz Ermittlungen gegen Juan Carlos auf wegen eines Geldgeschenks von 65 Millionen Euro, das die Stiftung Lucum von Panama aus auf ein Konto von Larsen bei der Mirabaud & Cie in Genf überwiesen haben soll. Ob diese Ermittlungen letztendlich zu Anklagen gegen Juan Carlos führen steht noch nicht fest. Klar aber ist, dass diese Skandale dem spanischen Königshaus auch als Institution großen Schaden zugefügt haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare