Aktuelles zu Covid-19

Corona in Spanien: Maske runter, Inzidenz auch - Krankenpfleger am Limit

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
    schließen

In Spanien sinkt die Corona-Inzidenz schneller als erwartet, die Maskenpflicht im Freien ist abgeschafft. Eine Umfrage unter Krankenpflegern offenbart unterdessen erschreckende Ergebnisse: Viele von ihnen leiden unter Angstzuständen und Depression.

Madrid – Maske rauf, Maske runter: Kurz vor Karneval fällt sie wieder einmal auf den Straßen, die Maskenpflicht in Spanien. Im Freien muss der Mund-Nasenschutz seit Donnerstag, 10. Februar, nur noch bei Großveranstaltungen getragen werden, auch wenn das Gesundheitsministerium ihn weiterhin in Fußgängerzonen oder anderen Bereichen mit vielen Menschen empfiehlt. Ein Novum gibt es für Spaniens Schüler: Sie sind ab sofort auf dem Schulhof von der Corona-Maskenpflicht befreit und können zum ersten Mal seit Beginn des Schuljahres 2020/2021 wieder tief durchatmen.

Spanien: Corona-Maskenpflicht fällt dank rasch sinkender Inzidenz weg

Viele Experten in Spanien hatten die Maßnahme der Regierung, die seit Weihnachten – mal wieder – in Kraft war, ohnehin kritisiert und begrüßen nun deren Abschaffung. Epidemiologe Salvador Peiró sagte etwa gegenüber dem Fernsehsender TVE: „Aus technischer Sicht hilft die Maskenpflicht im Freien weder dabei, die Corona-Zahlen zu senken, noch ihre Abschaffung, die Inzidenz steigen zu lassen. Es handelt sich um eine Maßnahme, die absolut keinen Einfluss auf die Ausbreitung des Virus hat“.

Die Abschaffung der Maskenpflicht fällt zusammen mit einer aktuell rasch sinkenden Corona-Inzidenz. Am Montag sank der Wert erstmals in diesem Jahr unter 2.000, am Mittwoch verzeichnete Spanien 1.692 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen. Noch sind die Werte aber extrem hoch und das Virus macht nicht einmal vor dem Königspalast halt: Spaniens König Felipe VI. wurde am Mittwoch positiv auf Corona getestet*, berichtet 24royal.de*.

Spaniens Pflegekräfte ans Limit: Corona bringt Überlastung, Angst und Depression

Andalusien scheint bei einer Inzidenz von 567 weiterhin resistent gegen die Omikron-Variante zu sein, keine andere spanische Region verzeichnet einen so niedrigen Wert. Die Region Murcia hat dagegen bei einer 14-Tages-Inzidenz von 2.599 den bisherigen Spitzenreiter Katalonien (2.571) knapp überholt, aber auch hier sinkt der Wert deutlich, um 1.130 binnen einer Woche. Die Region Valencia verzeichnet aktuell mit 2.445 Neuinfektionen (minus 1.275) ebenfalls eine deutlich höhere Zahl als das spanische Mittel. Und auch trotz der steil sinkenden Inzidenz und dem nachlassenden Druck auf die Krankenhäuser samt Intensivstationen meldete Spanien über das vergangene Wochenende 335 Todesfälle mit Covid-19.

Endlich wieder durchatmen: Spanien hat die Corona-Maskenpflicht im Freien abgeschafft.

Zum Thema: Aktuelle Corona-Zahlen an der Costa Blanca und Inzidenzen aus den Gemeinden an der Costa del Sol.

Zwei Jahre mit Corona hinterlassen ihre Spuren, viele Menschen haben mit psychischen Problemen zu kämpfen, die Pflegekräfte sind am Limit. Jetzt äußert sich das auch in Zahlen, wie eine Studie des Gesamt-Personalrats der Krankenpfleger in Spanien belegt. 20.000 Berufstätige beantworteten eine Umfrage mit erschreckenden Ergebnissen: 87,4 Prozent geben an, unter psychischer Belastung zu leiden, 67 Prozent sprechen von schweren Angstzuständen. Ein Drittel der Krankenpfleger leidet unter Depression, fast die Hälfte denkt aktuell darüber nach, den Beruf an den Nagel zu hängen. Vom Applaus auf den Balkonen ist wenig geblieben. „Wir können nicht mehr“, brachte es Generalrats-Präsident Florentino Pérez Raya auf den Punkt.

Anders mit Corona umgehen: Impfbereitschaft sinkt bei dritter Dosis

Es ist Zeit, umzudenken und anders mit Corona zu verfahren. Das zeigt auch eine Forderung der spanischen Ärzte-Gesellschaft für infektiöse Krankheiten. Die Mediziner wollen neue Covid-Protokolle in den Krankenhäusern, um eine bessere Versorgung aller Patienten zu garantieren. Aktuell wird bei jedem Patienten, der eingewiesen wird, ein PCR-Test durchgeführt, unabhängig von Krankheit und Symptomen, die behandelt werden sollen. Die Ärzte fordern, die Testpflicht auf Risikopatienten zu beschränken. Denn eins ist längst klar: Covid-19 wird eine endemische Krankheit werden und Bevölkerung, Gesundheitssystem, Wirtschaft und Politik müssen außerhalb von Verboten, Tests und immer neuen Auffrischungs-Impfungen damit umgehen können.

Bei der dritten Impfung gegen Covid-19 zögern viele Spanier.

Die Bürger haben Corona satt, und wenn die erste Impfdosis noch gefeiert wurde, war die zweite ein notwendiges Übel, die dritte wird oft nur noch zähneknirschend hingenommen. Bei den über 70-Jährigen etwa sind in Spanien 99 Prozent zweifach geimpft, aber „nur“ 92 Prozent drei Mal. Je jünger die Altersgruppe, desto höher die Zahl derjenigen, die die dritte Dosis nicht wollen. Bei den 60- bis 69-Jährigen sind 91 Prozent geboostert, bei den 50- bis 59-Jährigen nur noch 74, bei den 40- bis 49-Jährigen 56 Prozent. Auch bei der Impfung der Kinder zögern viele Eltern, zwei Monate nach Impfstart der Fünf- bis Elfjährigen haben in Spanien nur 56 Prozent der Kinder die erste Dosis bekommen. *costanachrichten.com und 24royal.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © David Revenga

Mehr zum Thema

Kommentare