Mehrere Menschen sitzen auf der Terrasse einer Bar an der Strandpromenade.
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Im Freien sieht es in Spanien mancherorts schon fast wieder aus wie vor der Corona-Pandemie.

Aktuelle Covid-Lage

Lockern und abschaffen: Spanien überwindet sechste Corona-Welle

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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In ganz Spanien stehen die Zeichen auf Lockerung. Die Corona-Inzidenz sinkt rasch, jetzt stellt sich - wieder einmal - die Frage, wie das Land zur Normalität zurückkehren kann.

Madrid - Die sechste Welle wird bald als ein Kapitel mehr in die spanische Corona-Geschichte eingehen, und wieder einmal steht das Land vor der Frage, wie es gelingen kann, zu einer wirklichen Normalität zurückzukehren – mit Covid-19. Die 14-Tages-Inzidenz sinkt in Spanien weiterhin rasch, am Mittwoch lag sie bei 1.060, in der Vorwoche waren noch 1.692 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen gekommen. Auch die Krankenhaus-Belegung geht zurück, aktuell liegen nur noch knapp neun Prozent der stationär aufgenommenen Patienten wegen Covid-19 in den Kliniken, auf den Intensivstationen sind es knapp 15.

Corona in Spanien: Weiterhin viele Todesfälle - 3G-Regelung abgeschafft

Am Wochenende starben 601 Menschen mit Covid-19, so viele wie zuletzt im März 2021. Es wird noch dauern, bis auch diese Zahl zurückgeht, das war in allen Corona-Wellen so. Dennoch: Die Zeichen stehen in Spanien auf Lockerung, Navarra und das Baskenland als zwei der am schlimmsten von der sechsten Welle betroffenen Regionen haben diese Woche sämtliche Einschränkungen für die Gastronomie aufgehoben. Andalusien – bei einer Inzidenz von 474 (Vorwoche 567) weiterhin Omikron-Musterschüler – hat die 3G-Regel in der Gastronomie am Dienstag nicht mehr verlängert.

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Die Region Murcia liegt zwar mit einer Inzidenz von 1.532 (2.599) weiterhin über dem spanischen Schnitt, aber auch hier gelten seit Mittwoch keine Einschränkungen mehr. Der Covid-Pass in der Gastronomie war in der kleinen Region ohnehin nie Pflicht, jetzt sind auch Personenbeschränkungen in Restaurants aufgehoben. Die Region Valencia bleibt hingegen die strengste in Sachen Corona und hält bis Ende des Monats an der 3G-Regelung im Gastrogewerbe fest, auch wenn der Covid-Pass vielerorts gar nicht mehr verlangt, geschweige denn kontrolliert wird. Auch hier sinkt die 14-Tages-Inzidenz rasch auf aktuell 1.463 (2.445), und damit steht fest, dass die Fallas im März fast in ihrer gewohnten Form stattfinden können. Es wird keine Beschränkung bei den Besucherzahlen geben, nur die Maske muss bei Massenveranstaltungen wie den Mascletàs oder der Blumengabe getragen werden.

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Corona in Spanien: Diskussion um Maskenpflicht für Schüler

Nun streiten die Experten wieder einmal darüber, wie es weitergehen soll. Nachdem die Maskenpflicht im Freien in ganz Spanien aufgehoben ist, spricht sich der spanische Verband der Kinderärzte (APE) nun dafür aus, die Maskenpflicht im Unterricht aufzuheben. „In zwei Jahren Pandemie hat sich gezeigt, dass Kinder wenig anfällig für einen schweren Verlauf sind“, heißt es in einer Stellungnahme, gefolgt von einem schlagkräftigen Argument. So haben die Kinderärzte die Corona-Infektionszahlen ab dem Grundschulalter, wo Maske getragen werden muss, mit denen von Kindergartenkindern, die von der Maskenpflicht befreit sind, verglichen. Das Ergebnis: Es gibt kaum Unterschiede.

Der APE schlägt vor, die Corona-Maske in den Klassenzimmern nach Altersgruppen gestaffelt ab März abzunehmen, angefangen bei den Erstklässlern bis hoch zu den Abiturienten. Dabei sollen die für Covid-19 kaum anfälligen Kinder auch ein wenig Versuchskaninchen sein, um zu prüfen, wie sich das Nicht-Tragen der Maske auf das Infektionsgeschehen auswirkt und entsprechende Schlüsse auf Erwachsene übertragen zu können.

Corona in Spanien: „Wir müssen Covid-19 als eine Atemwegserkrankung mehr hinnehmen“

Gegenwind kommt von den Lehrern in Spanien, die die Maßnahme bei der aktuellen Inzidenz ebenso wie die spanische Gesellschaft für Epidemien für verfrüht halten. „Das würde für Beunruhigung unter den Lehrern führen angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der Kinder nicht oder nicht vollständig geimpft ist“, meint Esteban Serrano vom spanischen Lehrer-Verband.

Wann fällt die Corona-Maske in Innenräumen? In Spanien könnten Schüler den Anfang machen.

Die freiheitsliebende Region Madrid hingegen befürwortet den Vorstoß der Kinderärzte, und Katalonien will zumindest schonmal die Quarantänepflicht für Kinder abschaffen, die engen Kontakt zu Infizierten hatten. Auch die spanische Gesellschaft für infektiöse Krankheiten (Seimc) meldet sich zu Wort: Sie fordert, Fiebermessen am Eingang zu öffentlichen Gebäuden ebenso abzuschaffen wie 3G-Regeln und ständiges Desinfizieren. Seimc-Vertreter Benito Almirante sprach im Interview mit dem Fernsehsender RTVE wohl vielen aus der Seele: „Wir sollten die Anstrengungen jetzt auf besonders gefährdete Personen richten. Der Rest der Bevölkerung muss Covid-19 als eine Atemwegserkrankung mehr hinnehmen.“

Corona-Impfung: Wer bekommt Novavax in Spanien?

Unterdessen bekommen in Spanien jetzt Patienten, die unter Immunsuppression leiden, das Medikament Evusheld aus dem Hause AstraZeneca. Die Injektion soll Menschen vor einer Corona-Infektion schützen, die keine Impfreaktion entwickeln und als Risikopatienten gelten. Gleichzeitig hat der Gesundheits-Ausschuss auch entschieden, wer den zum Teil in Spanien hergestellten Impfstoff Novavax bekommen soll. Der erste in Europa zugelassene Totimpfstoff soll Personen verabreicht werden, die aufgrund von Allergien oder Ähnlichem nicht mit den bislang verfügbaren Stoffen geimpft werden konnten. Spanien hat vorerst 2,2 Millionen Novavax-Impfdosen gekauft, Impfstart soll „in Kürze“ sein.

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