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Spanien oben auf der sechsten Corona-Welle: Inzidenzen sinken langsam

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Von: Stephan Kippes

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Frau mit Atemschutzmaske geht an geschlossenem Geschäft vorbei.
Die Coronavirus-Krise in Spanien führt zu einer hohen Zahl von Krankmeldungen. Das wirkt sich auf die Wirtschaft aus. © Clara Margais/dpa

Langsam kommt Spanien vom Höhepunkt der sechsten Corona-Welle runter. Die Neuinfektionen bleiben hoch, die Krankmeldungen steigen mit Omikron auf 2 Millionen.

Madrid - Spanien scheint auf dem Scheitelpunkt der sechsten Coronavirus-Welle mit 3.139 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner festzuhocken. Mal geht es rauf, mal wie in den vergangenen vier Tagen runter – die 14-Tages-Inzidenz liegt aber am Donnerstagabend nur um die 150 Zähler unter dem Freitags-Wert der Vorwoche, der als Höhepunkt genannt wird. Auch die Auslastung der Intensivstationen gibt mit 22,3 Prozent gemächlich, aber kontinuierlich nach. Um die 2.099 Covid-19 Patienten ringen in den UCIs um ihr Leben, rund 18.548 benötigen eine stationäre Behandlung in den Krankenhäusern, was einer stabil gebliebenen Auslastung von 14,9 Prozent entspricht. Peu a peu verbessert sich die Lage in der medizinischen (Erst-) Versorgung, es kommen mehr Personen aus den Krankenhäusern als hinein.

Coronavirus in Spanien: Über 130.000 Neuinfektionen pro Tag mit Omikron

Schockierend muten die 382 Todesfälle mit Covid-19 an, die Dienstagabend vermeldet wurden. Das ist die höchste Zahl seit März und sie lässt sich nur teilweise auf Nachmeldungen aus dem Baskenland zurückführen. Donnerstagabend kam die Todeszahl 176 rein. Covid-19 bleibt gefährlich, die Coronavirus-Pandemie hat schon fast 92.767 Menschenleben in Spanien gefordert. Auf einem hohen Niveau bewegen sich weiter die Neuinfektionen. Bei 130.888 Neuinfektionen an einem Tag oder einem Anteil positiver Tests von 37,8 Prozent lichten sich die Reihen in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Schulklassen müssen in Quarantäne, manche Eltern fallen im Job eine Woche aus, das verbleibende Personal muss stemmen, was ob der hohen Zahl der Krankmeldungen in Betrieben kaum mehr zu stemmen ist. Dieser Eindruck dürfte am Mittelmeer stark ausgeprägt sein. Während im Norden Spaniens die Neuinfektionen prägnant sinken, bleiben sie südlich davon über dem Landesschnitt. Katalonien meldet eine Inzidenz von 5.288, Tendenz steigend, Valencia 4.264, Tendenz steigend und Murcia 4.735, Tendenz fallend. Nur Andalusien (1.147) scheint diese sechste Welle geringer zu berühren. Mit Ausnahme von Katalonien, wo die UCIs unter Druck sind, wirken sich die hohen Neuinfektionen in den Mittelmeerregionen nicht spürbarer aufs Gesundheitswesen aus als anderswo.

Coronavirus in Spanien: Mit Omikron steigt die Zahl der Krankmeldungen auf zwei Millionen

Wohl aber schlagen sich die hohen Zahlen der Neuinfektionen in den Krankmeldungen nieder. Ein positiver Covid-Test zieht eine Woche Quarantäne nach sich. Laut dem Minister für Sozialversicherung, José Luis Escrivá, haben sich bereits zehn Prozent der Beitragszahler aus der Seguridad Social wegen Covid-19 krankgemeldet. Das wären zwei Millionen Arbeitende in einem festen Verhältnis. Minister Escrivá sieht das Land über dem Scheitelpunkt der Welle hinweg und rechnet mit einem schnellen Abflauen der Infektionen. Nun ja, die Inzidenzwerte bei Schulkindern liegen bei über 4.500. Schnell geht da wohl nur relativ.

Madrid und Kastilien-La Mancha bringen eine erneute Reduzierung der Quarantänezeit von sieben auf drei bis fünf Tage ins Gespräch. Gesundheitsministerin Carolina Darias tritt auf die Bremse und plädiert für eine einheitliche Lösung in allen Regionen. Experten halten den Schritt für verfrüht, da etliche Menschen sieben Tage nach der Infektion noch positiv getestet werden und das Virus verbreiten können.

Auch bei einer Erfassung der Pandemie wie eine endemische Krankheit winken viele Experten ab. Trotzdem kündigt Katalonien an, Ende März, Anfang April leichte Corona-Fälle nicht mehr zu erfassen. „Jeden Fall zu zählen macht unter den aktuellen Voraussetzungen wenig Sinn“, sagt der dortige Gesundheitsminister Josep Maria Argimon. Wie bei anderen Infektionskrankheiten sollen Ärzte Corona-Fälle unter ihren Patienten erfassen. Auch der soziale Druck steigt, die Pandemie unaufgeregter anzugehen.

Menschen protestieren gegen Corona-Politik in Spanien.
Der Druck auf der Straße gegen Corona-Zwangsmaßnahmen nimmt zu. © Paco Freire/dpa

Neues bringt Omikron für Genesene mit. Ihre Booster-Impfung sollen sie erst fünf Monate nach der Infektion angehen und nicht wie bisher nach vier Wochen. Weiter hat man festgestellt, dass mit dieser Variante Zweitinfektionen stark zunehmen. Wem Delta Corona gebracht hat, sollte sich nicht vor Omikron in Schutz wähnen. Bis November 2021 erfasst das Gesundheitsministerium nur 12.600 Zweitinfektionen, im Zeitraum vom 12. bis 21. Januar stieg die Zahl dann von 66.000 auf 99.500, wobei die Krankheitsverläufe als mild gelten.

Die Tage des Covid-Passes könnten gezählt sein. Kantabrien und Asturien haben ihn auslaufen lassen, Madrid hat ihn nie eingeführt und steht von den Inzidenzwerten viel besser da als der Rest Spaniens. Derweil haben aber die Balearen und Kanaren sowie die Region Valencia die Nachweispflicht für Geimpfte, Genesene und Getestete bis Ende Februar verlängert und auch Andalusien tendiert dazu, die 3G-Regeln über den Karneval hinaus beizubehalten. Das wird Impfgegner vom Besuch vieler öffentlicher Lokalitäten ausschließen. Defacto hat der Kontrolleifer vielerorts nachgelassen, es geht aber auch um das Prinzip. Wie lange lassen sich solche Zwangsmaßnahmen noch rechtfertigen? Lebt Spanien wirklich noch in einem Notzustand oder kann das Land den ersten Schritt wagen, diese Seuche hinter sich zu lassen?

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