Tourismus auf Mallorca: Deutscher mit Koffer am Airport Palma
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Die Deutschen kommen nach Mallorca zurück. Allerdings bisher nur mit negativem Test, die Briten brauchen den nicht mehr.

Covid-19 Spanien 

Spanien erlaubt Briten die Einreise ohne Test und Impfung - Coronavirus Spanien aktuell

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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No risk, no fun? Spanien lässt seit kurzem alle Briten ins Land, auch ohne Test oder Impfung, EU-Bürger aber nicht. Für britische Pfund und Urlauber wirft Spanien eigene Corona-Zielvorgaben und die Vorsicht über den Haufen. Spaniens Chef-Virologe warnt vergebens vor den Risiken, die Tourismusbranche auf Balearen, Kanaren, an Costa Blanca und Costa del Sol atmet hingegen hörbar auf. 

Update, 3. Juni: Ab Montag, 7. Juni, können EU-Bürger, die vollständig geimpft sind oder eine Corona-Infektion überstanden haben, ohne Test nach Spanien reisen. Auch für die Rückkehr nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz gibt es neue Reise-Regeln.

Madrid – „Man sollte es laut sagen, aber ich bevorzuge den leisen Ton: Es bleibt Vorsicht geboten“. So reagierte Fernando Simón, Chef des Sanitären Krisenstabes der spanischen Regierung auf die Frage, was er von der Einreise für Urlauber aus Großbritannien nach Spanien ohne Test und Impfung hält. Im Subtext fragte der Journalist eigentlich, ob sich Simón nicht von seiner Regierung veralbert fühlt. Er, Simón, wie immer salomonisch, wolle es nicht an Nationalitäten und den Entscheidungen der Regierung festmachen, sondern an Daten: „Wir stellen fest, dass sich die Fallzahlen in Spanien weiter nach unten bewegen, es in Relation dazu deutlich weniger schwere Verläufe und Todesfälle sowie immer mehr Geimpfte gibt.“

Einreise nach Spanien ohne Impfung und ohne Test: Nur für Briten

Doch der Rückgang der Coronavirus-Fälle in Spanien habe sich verlangsamt „und wir müssen erst noch schauen, ob sich damit ein Rückfall, aufgrund der Lockerung der Maßnahmen der letzten Wochenenden ankündigen könnte.“ Wie berichtet, endete am 9. Mai der nationale Corona-Notstand in Spanien und damit das Reiseverbot zwischen den Regionen. Alle Corona-Regeln - alle Regionen in Spanien.

Doch Simóns Expertise, hinter der 300 der besten Wissenschaftler Spaniens stehen, scheint im Angesicht des anstehenden Sommers kaum noch gefragt, das Primat der Wirtschaft über die Gesundheit bricht sich in Spanien Bahn – bei einer Durchimpfungsrate von gerade 17 Prozent (55 Prozent bei den über 60-Jährigen) und einschließlich der Ungewissheiten über das Ansteckungspotential von Genesenen, Geimpften und den diversen Mutationen.

Denn einen zweiten Sommer ohne Touristen aus dem Ausland kann und will sich Spanien schlicht nicht leisten, koste es, was es wolle. Die Regierung geht daher ein hohes Risiko ein. So können Urlauber aus Großbritannien seit Montag ohne jegliche Einschränkungen einreisen, wie Regierungschef Pedro Sánchez bei der Eröffnung der Tourismusmesse Fitur in Madrid bekanntgab. Das heißt: Selbst Briten, die noch nicht oder noch nicht vollständig gegen Covid-19 geimpft sind, dürfen ohne Test ins Land kommen.

Spanien: Freie Einreise der Urlauber aus Großbritannien schürt Angst vor Corona-Variante

Derweil breitet sich in Großbritannien die als besonders gefährlich betrachtete Corona-Variante B.1.617.2. aus. Die Einreise von dort nach Deutschland ist deshalb bereits drastisch eingeschränkt worden. Spanien aber lässt alle Briten rein, während Deutsche und andere EU-Ausländer ohne Test in Spanien abgewiesen werden.

Man sollte es laut sagen, aber ich bevorzuge den leisen Ton: Es bleibt Vorsicht geboten!

Fernando Simón zur freien Einreise von Briten nachen Spanien

Dass am Montag nicht gleich Massen von Briten nach Magaluf auf Mallorca, Torremolinos an der Costa del Sol oder Benidorm an der Costa Blanca strömten, liegt an deren eigener Regierung: Denn noch zählt Spanien für die Regierung in London nicht zu den sicheren Ländern, für die Briten grünes Reise-Licht besitzen. Es sind also weiterhin ein negativer PCR-Test bei An- und Abreise fällig sowie eine Quarantäne bei der Rückkehr. Allerdings will London die Bestimmungen Anfang Juni überprüfen. Sánchez machte bei der Fitur deutlich, wie sehr man auf die Briten setzt: „Spanien wird begeistert sein, britische Urlauber aufzunehmen, die in unser Land kommen wollen“, sagte der Ministerpräsident. Klar: 2019 machten 18 Millionen Briten Urlaub in Spanien, was 22 Prozent aller ausländischen Touristen entsprach.

Spanien: Geimpfte Urlauber aus vielen Drittstaaten können ab 7. Juni ohne Tests einreisen

Aber auch für Urlauber aus anderen Ländern öffnet Spanien seine Tore. Ab 7. Juni gilt die neue Reisefreiheit in Spanien*, berichtet auch merkur.de*. Ab dann können alle Personen, die vollständig mit einem von der EU und der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannten Corona-Vakzin geimpft sind, ins Land kommen. Womit klar ist, dass Geimpfte doch Privilegien genießen.

Auf den Anzeigetafeln der spanischen Flughäfen - hier Madrid/Barajas - erscheinen wieder die üblichen Verdächtigen.

Wer noch nicht geimpft ist, benötigt weiterhin einen negativen PCR-Test bei der Einreise. Sánchez erhofft sich zudem von dem digitalen Impfnachweis der EU, der ab 1. Juli verfügbar sein soll, eine deutliche Zunahme der Reisefreudigkeit in Europa. Allerdings wird der grüne Impfpass zwar Test, Genesung und/oder Impfung auf einer elektronischen Plattform zusammenfassen, die Reiseregeln vereinheitlicht er allerdings nicht.

Mit den neuen Einreisebestimmungen für ausländische Urlauber erwartet die spanische Regierung, dass in diesem Jahr zumindest die Hälfte der Touristen kommen, die man 2019 begrüßen konnte: Damals waren es über 83 Millionen – ein Allzeitrekord. Das Corona-Jahr 2020 hat Spanien wirtschaftlich schwer mitgenommen. Zwölf Prozent steuert der Tourismus in guten Jahren zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und 13 Prozent der Beschäftigung. Im vergangenen Jahr indes ging dem wichtigsten Wirtschaftsmotor der Kraftstoff aus: 80 Prozent an Verlusten bei den Urlauber- sowie den Umsatzzahlen.

Ende April 2021 stammte von den rund 638.000 Kurzarbeiten die Hälfte aus Branchen, die mit Tourismus zusammenhängen. Vor allem der Sommer ist für das Geschäft wichtig: Die Hälfte des Tourismus-Umsatzes wird in den Monaten zwischen Juni und September erwirtschaftet. Deshalb halten Experten die 50-Prozent-Prognose der Regierung für arg optimistisch.

Costa del Sol bereit für Urlauber: Schauen auf die britische Corona-Ampel

Die Ankündigungen des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez auf der Fitur kamen in den spanischen Urlaubsregionen gut an. Allerdings machten die Tourismus-Verantwortlichen deutlich, dass mit einem richtigen Aufschwung erst gerechnet werden könne, wenn die britische Regierung ihr Reiseampel-System für Spanien auf Grün stelle. „Die Nachricht ist gut, aber Vorsicht“, sagte Margarita del Cid, Geschäftsführerin von Turimso Costa del Sol, gegenüber der Zeitung „El País“. „Wir haben zwar die Tür geöffnet für die Briten, doch es bedarf der Unterstützung der britischen Regierung, damit deren Bürger ohne Einschränkungen kommen können.“ 2020 hatte die Costa del Sol 9,3 Millionen Touristen verloren, 2,2 Millionen davon waren Briten.

Aufatmen an der Costa Blanca: Benidorm wartet sehnsüchtig auf seine Briten-Urlauber

Aufatmen auch in der Region Valencia – und hier vor allem in Benidorm an der Costa Blanca: Valencia werde eine der Regionen sein, die am schnellsten den Nutzen der Grenzöffnungen für britische Touristen spüren werden, sagte Nuria Montes, Generalsekretärin des Hotel-Dachverbands von Benidorm (Hosbec). Mit 70.000 britischen Residenten beherbergt die Costa Blanca die größte Kolonie von Expats. Für die Region Valencia bedeutet der britische Markt ein Drittel des ausländischen Urlauberaufkommens. Und 98 Prozent der Briten, die in der Comunidad Valenciana Urlaub machen wollen, entscheiden sich für die Provinz Alicante – und davon wiederum die Hälfte für Benidorm.

Laut Montes haben in der Betten-Hochburg bereits 35 Prozent der Hotels wieder geöffnet. Im Juni könnte es schon 50 Prozent sein. Valencias Landesministerpräsident Ximo Puig will sich daher für eine Sonderregelung stark machen, Großbritannien möge für Rückreisen aus seiner Region die Test- und Quarantänepflicht aufheben, schließlich sei die Inzidenz in Valencia noch niedriger als auf der Insel.

Coronavirus Spanien: Die aktuellen Inzidenzen, Stand der Impfung und weitere Daten

  • Die Coronavirus-Inzidenz in Spanien je 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen beträgt in Spanien am Dienstag, 25. Mai 128 (18. Mai 147, 4. Mai 214). Andalusien 164 (169, 207), Balearen 38 (45, 61), Kanarische Inseln 83 (84, 97), Madrid 202 (250, 343), Murcia 72 (61, 72), Region Valencia 30 (30, 43).
  • 14-Tage-Inzidenzen, der europäische Vergleich: Deutschland, 25. Mai: 145 (18. Mai 204, 4. Mai 326), Schweiz 195 (227, 320), Niederlande 383 (524, 600), Österreich 116 (166, 317), Großbritannien 41 (46, 47), Schweden 494 (621, 718).
  • Die Covid-Todesfälle beliefen sich in Spanien binnen sieben Tagen per 25. Mai auf 141, in der Woche vor dem 18. Mai waren es 186, vor 14 Tagen 210, Mitte Februar noch 1.300. In der vergangenen Woche starben in der Region Valencia vier Menschen wegen Covid-19, in Andalusien 20 (38, 49), in Madrid 42 (36).
  • Am 24. Mai wurden in Spaniens Krankenhäusern 5.412 Patienten wegen Covid-19 stationär behandelt, knapp 1.500 weniger als vor einer Woche. Auslastung: 4,3 Prozent. Von den jetzt stationär Betreuten liegen 1.552 (1.774, 2.292) auf Intensivstationen, Diese sind im Schnitt somit zu 16 (18, 23) Prozent mit Covid-Patienten belegt, in Madrid sind es 34 (37) Prozent.
  • Stand der Covid-Impfungen in Spanien bis 25. Mai: 27,2 Millionen Impfdosen wurden ausgeliefert, knapp 1,6 Million davon binnen einer Woche. Davon entfallen 18 Millionen auf BioNTech/Pfizer, rund 2,7 Millionen auf Moderna und 6 Millionen auf AstraZeneca sowie 580.000 auf Janssen, bei der eine Impfgabe genügt. Bis 25. Mai wurden gut 24,8 Millionen Dosen verabreicht, 91 Prozent der gelieferten Dosen. 8,25 Millionen Personen erhielten die vollständige Dosis, das sind 17,4 Prozent der Bevölkerung (+2), während knapp 16,5 Millionen Menschen bzw. 35,7 Prozent der Bürger zumindest eine Dosis erhalten hat. 94,1 Prozent der Gruppe über 60 Jahre ist mit einer Dosis, 55 Prozent mit beiden Dosen versorgt.
  • Quelle: Ministerio de Sanidad

Balearen: Nur 30 Prozent der Hotels auf Mallorca geöffnet - Briten Nummer 2 auf der "deutschen" Insel in Spanien

Auf den Balearen sind aktuell gerade einmal 30 Prozent der Hotels geöffnet. Vor der Corona-Pandemie waren es zu diesem Zeitpunkt 90 Prozent. Doch auch auf den Inseln begrüßte man die Nachrichten von der Fitur in Madrid: „Die Harmonisierung der Maßnahmen in der EU haben wir seit Monaten gefordert. Wir hätten uns aber gewünscht, dass sie eher gekommen wären“, äußerte María José Aguiló von der Hotel-Vereinigung von Mallorca. Nach den Deutschen sind die Briten dort der zweitwichtigste Mark. 2019 kamen 3,6 Millionen Urlauber aus Großbritannien auf die Balearen. 2020 waren es lediglich knapp 151.000. Im April erreichten die Flugbuchungen aus Deutschland auf die Balearen bereits wieder 60 Prozent des Aufkommens von vor der Pandemie.

Kanaren: Spanien-Urlauber der "Mittelklasse" können sich auch Tests leisten

Auf den Kanaren ist man indes der Ansicht, dass mit der uneingeschränkten Öffnung für den britischen Markt noch längst nicht alles erreicht ist. Schließlich sei Spanien für die britische Regierung „noch kein sicheres Land“, sagte José María Mañaricúa, Präsident der Hotelleriesvereinigung von Las Palmas. Allerdings hält er die bislang noch notwendigen PCR-Test für keinen großen Nachteil. „Auf die Kanaren kommt die Mittelklasse. Zwar bedeuten zwei PCR-Test für eine normale Familie schon Kosten von 700 bis 800 Euro – aber das ist tragbar.“ Auch auf den Kanaren stellen die Briten die meisten Urlauber aus dem Ausland. Ihr Anteil beträgt in normalen Zeiten 37 Prozent. Die Deutschen machen 19 Prozent aus.

Laut Wirtschaftszeitung „CincoDías“ hätten die Hotel-Reservierungen in Spanien bis Mitte Mai wieder zu 70 Prozent das Niveau des Vorjahres erreicht. Der Großteil der Reservierungen wurde allerdings von Spaniern vorgenommen. Mit einem kräftigen Anziehen des ausländischen Markts wird erst gegen Ende Juni gerechnet.

Spanien - Kellner Europas: Impfung der U50 läuft an

Der Schlüssel für die Normalität, die zwar „neu“ genannt wird, obwohl zumindest der Massentourismus wieder zur alten strebt, sind die Impfungen. Spanien behält seinen gesteigerten Rhythmus bei, einige Regionen wie Madrid und Andalusien beginnen dieser Tage bereits mit der Massenimpfung der unter 50-Jährigen, denen man, so verfügbar, vor allem den One-Shot-Impfstoff von Janssen verabreichen wolle. Für die „Unglücklichen“, vor allem aus der Gruppe der „Essentiellen“ in Spanien, die als erste Dosis AstraZeneca erhielten, stehe nun Moderna oder Pfizer zur Auswahl, was nach einer spanischen Studie eine hohe Immunität garantiere, nur die Nebenwirkungen könnten etwas häufiger auftreten, aber dennoch „im marginalen Bereich“.

Doch offenbar kommt es der Regierung neben der Immunität vor allem darauf an, dass die Arbeitskräfte des Tourismussektors rechtzeitig einsatzfähig sind und, da geimpft, möglichst auch bleiben, um den erwarteten Millionen Briten und anderen Urlaubern so zu Diensten zu sein, wie Spanien es immer war, als: Kellner Europas. Und der Madrilenen. Denn wie „El País“ berichtet, „übernachteten am Pfingstwochenende schon 12 Prozent der Madrilenen außerhalb ihrer Heimatregion und machten Urlaub an den spanischen Küsten“, auch ohne Impfung oder Test. Und die Inzidenz in Madrid ist achtmal höher als in Valencia – oder in Großbritannien. Cheers! (Co-Autor: Thomas Liebelt) *costanachrichten.com und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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