Fischereiflotte von Villajoyosa an der Costa Blanca
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Auch die Fischereiflotte von Villajoyosa an der Costa Blanca bleibt dieser Tage im Hafen, die Ausfahrt brächte nur Verluste.

Fischerei in der Krise

Auf dem Trockenen: Spaniens Fischer bleiben wegen horrender Dieselpreise im Hafen

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Spaniens Fischer von Cádiz bis Valencia werden von den aktuellen und latenten Krisen mit voller Härte getroffen. Immer öfter bleiben die Flotten im Hafen, nicht nur wegen der Dieselpreise, die aus Panik, Gier und Spekulation seit dem Ukraine-Krieg nochmals einen Sprung machten.

Cádiz – Der Liter Diesel für 1,15 Euro? Das klingt fast wie das Paradies. Aber nicht für die Fischer Spaniens. Denn für sie kletterte der – gesetzlich subventionierte – Preis „von 33 Cent im vorigen Jahr auf 50 bis 60 Cent vor dem Ukraine-Krieg, jetzt liegt er schon über 1,15 Euro,“ erklärt Tomás Pacheco, Präsident der Fischerei-Reeder in Barbate zwischen Gibraltar und Cádiz. „Die Hälfte unserer Fischer fährt schon nicht mehr raus, es rechnet sich für sie einfach nicht mehr“.

Zum Thema: Streik der Lkw-Fahrer in Spanien verschärft sich - Ministerin: „Rechtesextreme Boykotteure“

Denn, um an die hier hauptsächlich gefangenen Boquerones, die Sardellen zu kommen, müssen die Fischer erstmal Dutzende Seemeilen überwinden. Einfach auf küstennahen Fang umstellen, „dafür sind die meisten technisch nicht ausgelegt“ und das dürfen sie wegen der gesetzlichen Fangzonen und -quoten auch gar nicht.

Ähnlich dramatisch sieht es an der gesamten Küste Spaniens aus, Kollegen in Castellón, im Norden Valencias, die Flotten von Villayosa oder Altea an der Costa Blanca und auch die rund 200 Fischerboote, die von der Costa del Sol um Málaga sonst aufs Meer fahren wie die sturmerprobten Galicier, sie alle bleiben jetzt meist im Hafen.

Spaniens Fischer im Teufelskreis: Auch das Eis ist 40 Prozent teurer

Die Fischerzünfte in Spanien bekommen schon Vorzugspreise beim Diesel. Aber selbst die sind drei Mal so hoch wie vor einem Jahr.

„Die Preise, die wir verlangen müssten, um in die Schwarzen Zahlen zu kommen, will kein Händler zahlen, weil die Endkunden sie nicht mittragen“. Gleichzeitig steigen die Preise für frischen Fisch und Meeresfrüchte in Spaniens Supermärkten und Restaurants dennoch, wegen der Verknappung des Angebotes. Das heizt wiederum die ohnehin hohe Inflation weiter an. Am Ende kommt niemand mehr auf seine Kosten.

Erdöl- und Dieselpreise steigen wegen Spekulation im Zuge des Ukraine-Krieges

Ein Teufelskreis, den die spanische Wirtschaft in vielen Bereichen erlebt und der sich seit dem Ukraine-Krieg - zunächst durch Spekulation denn wirklichem Mangel, doch ohne den Krieg hätte es diesen Preissprung eben nicht gegeben - noch verschärft, auch die Lkw-Fahrer in Spanien oder Taxi-Fahrer, die Landwirte können ein trauriges Lied davon singen, erst Recht Hochöfen und andere energiefressende Industrien, aber genauso der Bürger, dem an den Zapfsäulen die Tränen kommen. Die Fischer aber sind ein besonderes Symbol. Fische und Meeresfrüchte, eine Säule der mediterranen Küche, repräsentieren sozusagen ein Stammkapital des Landes, für den Tourismus, für die eigene Lebensweise. Gegen die Stürme, welche die Fischer Spaniens an Land ertragen müssen, erscheint die stürmischste See wie ein ruhiger Pool.

Die Fischerei ist in Spanien vom Staat und der EU subventioniert, rechnet sich aber jetzt trotzdem nicht mehr.

Neben der steten Balgerei um EU-Fangquoten, Subventionszuteilungen und Billigkonkurrenz aus Drittstaaten, setzt ihnen der Klimawandel mit Bestandsrückgängen und invasiven Arten immer mehr zu. „Auch das Eis ist um 40 Prozent teurer geworden, wegen der hohen Strompreise. Das lähmt auch die küstennahen Fischer, wegen denen unsere Lonja überhaupt noch offen ist“, erklärt Andrés Barrera, der im Fischauktionshaus in Barbate arbeitet. Eis und Diesel sind für 60 Prozent der Kosten verantwortlich, der Anteil stand vor einem Jahr bei rund 30 Prozent, „20 wären gesund“, so Barrera. Spaniens Fischer von den Verbänden Cepesca und FNCP verlangen eine Dringlichkeitssitzung mit dem Landwirtschafts- und Fischereiminister.

Zum Them: 200.000 bei Demonstration für „ländliches Spanien“ in Madrid.

Spaniens Regierung kann nicht viel tun: Probleme betreffen gesamte Wirtschaft

Direkte Subventionen zu erhalten, dürfte anhand der EU-Wettbewerbsnormen, aber auch der nachvollziehbaren Forderungen anderer Sektoren schwer werden. Eine Zwischenlösung wären „eine Art ERTE-Freistellung wie das im Tourismus während der Covid-Krise möglich war“. Der Staat würde so ein Übergangs-Arbeitslosengeld zahlen, bis sich Märkte und Preise beruhigen.

Täuschende Romantik: Dieser Fischer an der Costa Blanca schaut besorgt in die berufliche Zukunft.

„Wir brauchen eine Antwort der Politik, die auf der Höhe der Zeit ist, tausende Familien in Spanien leben noch immer vom Fischfang. Wenn das so bleiben soll, muss der Staat helfen“. Doch wie genau, das ist auch den Fischern nicht ganz schlüssig. Die einzigen, die derzeit von der „katastrophalen Lage, die das Ende etlicher Fischereibetriebe bedeuten wird“, profitieren, so FNCP, sind die Fische, denen eine unerwartete Schonzeit beschert wird. Am 19. März verkündeten Andalusiens Fischer, bis auf Weiteres Sonntag bis Mittwoch nicht mehr aufs Meer zu fahren. Und an den anderen Tagen nur, wenn es sich lohnt. Doch selbst dann bleibt es ein Risiko, denn im Moment werden viele ihren Fang nicht los, - weil sie wegen des Streiks der Lkw-Fahrer keine Transporteure finden.

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