Frauen protestieren in Pamplona vor einer Polizeikette gegen ein Gerichtsurteil.
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Nach dem zunächst milden Urteil zur Manada-Gruppenverwaltigung gab es in Spanien heftige Proteste.

Geständnis im Gefängnis

Gruppenvergewaltigung in Spanien: Manada-Anführer gesteht Tat - Urteil rechtskräftig

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Die Gruppenvergewaltigung der Manada in Pamplona wurde in Spanien zum Präzedenzfall. Jetzt hat einer der Täter die Vergewaltigung erstmals zugegeben. Unterdessen wurde ein weiteres Urteil wegen sexuellen Missbrauchs gegen vier der fünf Männer bestätigt.

Update, 19. Oktober: Auch das zweite Urteil gegen die Manada ist rechtskräftig, nachdem der Oberste Gerichtshof ein Urteil wegen sexuellen Missbrauchs gegen vier der fünf Männer bestätigt hat: Drei wurden zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verhaftet, der Anführer der Männergruppe, José Ángel Prenda, zu viereinhalb Jahren. In dem Fall geht es nicht um die Gruppenvergewaltigung während der Sanfermines in Pamplona, sondern um einen zweiten sexuellen Missbrauchs, der im Mai 2016 in Córdoba, stattfand. Dabei vergingen sich die vier Männer an einer bewusstlosen Frau in einem Auto. Prenda filmte die Tat und verschickte die Videos anschließend per Whatsapp.

Erstmeldung, 7. Oktober: Pamplona - Selten hat in Spanien ein Fall für so viel Aufsehen und Entsetzen gesorgt und so heftige Proteste hervorgerufen wie die Gruppenvergewaltigung der Manada bei den Sanfermines in Pamplona im Sommer 2016. Fünf Männer aus Sevilla, die sich selbst Manada, Rudel, nennen, vergewaltigten bei dem Volksfest mit der weltberühmten Stierhatz eine junge Frau in einem Hauseingang, filmten die Tat und verbreiteten das Video über WhatsApp. Jetzt hat einer der verurteilten Männer, José Ángel Prenda, genannt „El Prenda“, erstmals die Vergewaltigung zugegeben.

Brief aus dem Gefängnis: Manada-Anführer gibt Vergewaltigung zu

Das Mitglied der Manada hat aus dem Gefängnis einen Brief an das Oberlandesgericht in Navarra geschrieben. Darin gibt Prenda zu, dass er die junge Frau in Pamplona vergewaltigt hat, so wie es auch im rechtskräftigen Gerichtsurteil heißt. Der Mann bittet in dem Brief außerdem um Entschuldigung. Prenda gilt als Anführer der Manada, die auch wegen eines zweiten Sexualverbrechens in Spanien verurteilt wurde.

Es ist das erste Mal, dass Prenda die Vergewaltigung zugibt. Bislang hatte der Manada-Chef die Tat in Pamplona stets abgestritten und der zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alten Frau vorgeworfen, zu lügen. Die Verteidigung des Opfers geht ihrerseits nun davon aus, dass sich Prenda mit dem Schuldeingeständnis eine Strafminderung erhofft.

Gruppenvergewaltigung in Spanien: Manada-Mitglieder sitzen im Gefängnis

Vier Mitglieder der Manada sitzen wegen der Gruppenvergewaltigung in Pamplona jeweils 15 Jahre Haft ab. Der fünfte Mann, ein ehemaliges Mitglied der Guardia Civil, wurde zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt, er hatte der jungen Frau obendrein das Handy gestohlen. Im Fall Manada fällte der Oberste Gerichtshof in Madrid seinerzeit ein Präzendenzurteil, das zum Wendepunkt in der gesellschaftlichen Debatte wurde und schließlich auch ausschlaggebend war für das neue Gesetz zur sexuellen Selbstbestimmung in Spanien. Zuvor hatte das Landgericht in Pamplona die fünf Männer nicht wegen Vergewaltigung, sondern nur wegen sexuellen Missbrauchs lediglich zu neun Jahren Haft verurteilt. Das Oberlandesgericht von Navarra bestätigte dieses Urteil mit dem Argument, das Opfer habe sich nicht gewehrt.

Dabei war die junge Frau bei der Tat offenbar betrunken, verfiel während der Vergewaltigung durch fünf Männer in Schockstarre und ließ den Übergriff über sich ergehen. Das Urteil empörte in Spanien nicht nur Frauenrechtler und sorgte im ganzen Land für Massen-Proteste. Der Oberste Gerichtshof erkannte schließlich die extreme Einschüchterung des Opfers durch die Männer an, die sich in einem engen Hausflur ohne Ausweg an der Frau vergingen: Es muss keine Gewaltanwendung vorliegen, um von Vergewaltigung zu sprechen, wenn fünf Männer sich an einer 18-Jährigen mehrfach vergehen, so das rechtskräftige Urteil.

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