Eine Engelsfigur zwischen Grableuchten.
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Spanien stärkt den Schutz Minderjähriger mit dem Kinderschutzgesetz.

Gesetz zum Schutz von Minderjährigen

Spanien legt Kinderschändern Fesseln an: Kinderschutzgesetz kommt

  • Stephan Kippes
    vonStephan Kippes
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Spanien bringt ein modernes Gesetz zum Schutz von Kindern auf den Weg. Der Gesetzgeber hilft Opfern, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und anzuklagen.  

Madrid - Spanien geht im Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt und Missbrauch mit Riesenschritten voran. Das Parlament hat in ungewohnter Eintracht den Entwurf für das Kinder - und Jugendschutzgesetz verabschiedet, das nur bei den 57 Abgeordneten der Rechtspopulisten von Vox und der gemäßigten baskischen Nationalisten der PNV – bei Letzteren aufgrund der Beschneidung regionaler Kompetenzen – keine Zustimmung fand.

Kinderschutzgesetz in Spanien: Missbrauch von Kindern per Gesetz bekämpfen

Das Kinderschutzgesetz soll Kinder und Minderjährige gegen jede Form von Gewalt schützen, von physischer Gewalt bis hin zu Nötigung im Internet, Mobbing und insbesondere Kindesmissbrauch beziehungsweise sexuelle Übergriffe. Den Daten des Innenministeriums zufolge kamen 2019 etwa 40.000 Straftaten gegen Jugendliche zur Anzeige, wobei die Dunkelziffer der Vergehen vor allem im Bereich der Sexualstraftaten in Spanien weit höher liegen dürfte.

Als Motor hinter dem Gesetz gilt der in Spanien lebende Starpianist James Rhodes, der als Kind missbraucht wurde und sich unermüdlich für ein Kinderschutzgesetz eingesetzt hat, weshalb viele Spanier es unter dem Namen Ley Rhodes kennen. Der Gesetzestext führt eine Reihe von Maßnahmen ein, die auf die Sensibilisierung für dieses Thema, der Aufdeckung möglicher Übergriffe, dem Schutz der Opfer und Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse abzielen.

Neues Kinderschutzgesetz in Spanien: Verjährung setzt erst ab 35. Lebensjahr ein

Das Ley de la Protección a la Infancia setzt vor allem bei der Verjährung an, die nun nahezu ausgehebelt wird. Nun können Opfer Übergriffe aus ihrer Kindheit bis zum 35. Lebensjahr in Spanien anzeigen. Erst ab diesem Zeitpunkt der Anzeige setzt die Verjährungsfrist im neuen Kinderschutzgesetz ein – und nicht wie derzeit mit der Volljährigkeit. Schwere Fälle können bis zum 55. Lebensjahr angezeigt werden. So soll verhindert werden, dass sexuelle Vergehen im Familienkreis ungesühnt bleiben. Damit kommt der Gesetzgeber auch Opfern entgegen, denen es oft enorm schwer fällt, diese traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten und darüber zu sprechen. Auch soll die Betreuung Betroffener verstärkt werden, um zu verhindern, dass sie das Erlebte vor Gericht nochmals verarbeiten müssen.

Mit dem Kinderschutzgesetz haben Kinder jetzt das Recht, vor Gericht gehört und informiert zu werden. Ferner nimmt es die Regierung in die Pflicht, spezielle Gerichtshöfe in Spanien einzurichten sowie Protokolle für den Umgang mit Opfern in Schulen, Sport- und Jugendzentren auszuarbeiten.

Ministerin Ione Belarra (Podemos) wandte sich auch direkt an die Kinder. „Falls jemand versucht, dass ihr auch schuldig fühlt, für das, was passiert ist, möchte ich, dass ihr mir gut zuhört. Nichts, was passiert ist, ist eure Schuld, sucht Hilfe, jemand wird euch helfen.“

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