Fridays for Future" demonstriert in Madrid
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Fridays for Future hat auch in Spanien den Kampf für den Klimaschutz wieder aufgenommen.

Fridays for Future wieder da - Grenzwerte WHO für Luftverschmutzung

Klimaschutzbewegung in Spanien erwacht - WHO prangert Luftverschmutzung an

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future geht wieder auf die Straßen. Derweil senkt die WHO die Grenzwerte für Luftverschmutzung. Spaniens Städte schneiden schlecht ab.

Madrid – Der „Kampf geht weiter“ - die Klimaschutzbewegung Fridays for Future ist in Spanien nach eineinhalb Jahre Zwangspause wegen der Coronavirus-Pandemie wieder erwacht. In 16 spanischen Städten sind am 24. September sind junge Menschen, Umweltschützer und Bürger unter dem Motto „La lucha sigue“ auf die Straßen gezogen.

Klimaschutz in Spanien im Fokus: Fridays for Future demonstriert, WHO warnt vor Luftverschmutzung

Auf Plakaten konnte man die bekannten Slogans wie „Das Klima kann nicht warten“ lesen. Die Demonstrationen für den Klimaschutz stehen zwar in keinem direkten Zusammenhang mit, folgten aber auf die Bekanntgabe der neuen Grenzwerte für Luftverschmutzung durch die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Diese neuen Grenzwerte für Luftschadstoffe sollten auch viele spanische Städte anhalten, sich um eine saubere Luft in den Innenstädten zu bemühen. Die WHO hat die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) erstmals seit 2005 stark nach unten korrigiert, von bisher 40 auf nur noch zehn Mikrogramm pro Kubikmeter – was einem Wink mit dem Zaunpfahl für den Autoverkehr in den Städten allgemein und speziell den mit Dieselmotoren gleichkommt.

Klimaschutz in Spanien: Benidorm und Elda schneiden gut ab, Murcia, Granada und Barcelona schlecht

Nur noch sieben der 80 größeren spanischen Städte werden diesen Empfehlungen oder Richtlinien gerecht, falls man die Schadstofferhebungen aus dem Jahr 2019 heranzieht. Das sind Badajoz, Benidorm, Cáceres, Elda, Palencia, Telde und Zamora. Das Gros der spanischen Städte stößt zwischen 10 und 30 Mikrogramm pro Kubikmeter aus, wie etwa Alicante mit 21 oder Marbella und Málaga mit je 27. Weit über das Ziel hinaus verschmutzen die Urben Granada (43), Coslada (39), Mollet del Vallès (39), Murcia (38) und Terrassa (37) die Luft, ihnen folgen Leganés (36), Madrid (35), Granollers (35), Getafe (33) und Barcelona (32).

Die WHO geht stark mit Stickstoffdioxid ins Gericht, weil die Wissenschaft hohe Konzentrationen mit Atemwegserkrankungen in Verbindungen bringt und wohl auch, weil ein Zusammenhang zwischen NO2 und dem Autoverkehr in Innenstädten nicht zu leugnen ist. Jedes Jahr sterben nach WHO-Schätzungen weltweit sieben Millionen Menschen frühzeitig infolge von Luftverschmutzung. Millionen Menschen werden gesunde Lebensjahre geraubt. Bei Kindern kann das Wachstum der Lungen gestört werden und es können – immer laut WHO - verstärkt Asthma-Symptome auftreten. Bei Erwachsenen kann Luftverschmutzung Herzkrankheiten und Schlaganfälle begünstigen.

Städte wie Madrid und Barcelona haben mit der Luftverschmutzung zu kämpfen.

Rechtskräftig sind diese neuen Richtwerte der WHO aber keineswegs. Wohl aber können die Richtlinien der WHO progressiv und nach und nach Einzug in Verordnungen und Gesetze finden und einmal die Weichen etwa bei der Stadtentwicklung und Verkehrspolitik stellen. Bis dahin halten EU-Staaten an der 40-Mikrogramm-Grenze fest, die Madrid und Barcelona in vergangenen Jahre mehrfach gerissen haben. Nicht nur die beiden Metropolen haben Probleme mit der Luftverschmutzung. Laut den Daten der Europäischen Agentur für Umwelt wird keine Hauptstadt der EU den neuen Empfehlungen der WHO gerecht.

Klimaschutz und Luftverschmutzung in Spanien: Saubere Luft erhöht Gesundheit der Bevölkerung

Die aktuellen Grenzwerte in der EU gehen zurück auf WHO-Empfehlungen von 2005. Scheinbar verfehlten sie ihre Wirkung nicht. Etwa was den Feinstaub betrifft. „1990 gab es eine Million von vorzeitigen Sterbefällen in der EU aufgrund Feinstaub-Verschmutzung, derzeit sind es 374.000”, meint Xavier Querol, Statistiker beim dem staatlichen Meinungsforschungsinstitut CSIC.

Bei Feinstaub liegen die EU-Richtwerte deutlich höher als die WHO-Empfehlungen von 2005. Feinstaub entsteht etwa durch Verbrennungsprozesse im Verkehr, in der Energiewirtschaft, Haushalten, Landwirtschaft und auf Mülldeponien. Umweltschützer in Spanien haben jüngst vor den Folgen Massentierhaltung in der Landwirtschaft auf den Klimawandel gewarnt. Der EU-Grenzwert für Feinstaub mit Partikelgröße 2,5 Mikrometer (PM 2,5) liegt bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die WHO empfahl bislang 10 und senkte diese Zahl nun auf 5 Mikrogramm. Bei Feinstaub mit der Partikelgröße 10 Mikrometer erlaubt die EU sogar 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, während die WHO den Richtwert von 20 auf 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft senkt. Keine einzige der 80 größeren spanischen Städte kann diese Richtlinien für Feinstaub bisher erfüllen.

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