König Felipe VI und Königin Letizia bei einem Besuch einer Plantage.
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Das Königspaar Felipe und Letizia bei einem Besuch auf Teneriffa.

Covid-19-Impfgate in Spanien

Real verimpft: Spaniens Königshaus bringt Sozialisten zur Verzweiflung

  • Stephan Kippes
    vonStephan Kippes
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Sozialisten verzweifeln in ihrem Bemühen, das Image des Königshauses aufzupolieren: Nun haben sich auch noch die Infantinnen außer Reihe gegen Covid-19 impfen lassen.

Madrid – Spaniens Sozialisten fällt es immer schwerer, das Königshaus zusammenzuhalten. Klingt mit Seitenblick auf die politische Ideengeschichte etwas paradox, aber ausgerechnet in den Reihen der Sozialisten gehen Angst und Sorge um die Zukunft der Monarchie um. Die Ausfälle des Altkönigs Juan Carlos, so skandalös sie anmuten, schaden dem Ansehen der Krone in Spanien zwar, erschrecken tun sie aber niemanden mehr. Nun zog es den Sozialisten schon den Teppich unter den Füßen weg, als herauskam, dass die Infantinnen Elena und Cristina sich außer der Reihe und bei einem Besuch ihres Vaters Juan Carlos in Abu Dabi gegen Covid-19 impfen ließen.

Impfskandal in der Königsfamilie: Wie die Politik in Spanien reagiert

Bei Unidas Podemos, seit Wochen in der Koalition auf Krawall gebürstet, rieb man sich freudig die Hände, Skandale wie diese „eröffnen den Horizont einer Republik“, hieß es bei den Linken. Die Konservativen und Rechten spielen den Vorfall als einen Sturm im Wasserglas herunter. „Das ist eine private Angelegenheit“, sagte der Sprecher der rechtspopulistischen Partei Vox, Javier Ortega Smith, das reale Impfgate. Womit er sicherlich Recht hat, aber da die konservativen Parteien sich gewissermaßen das Königshaus einverleiben und es grundsätzlich auf der Seite ihrer Wähler wähnen so wie die CSU die Bayern, müssen sie keine Rücksicht auf die symbolische Wirkung oder die moralische Dimension solcher Handlungen nehmen. Die Verteidigung der parlamentarischen Monarchie gegenüber einem ihr immer skeptischer eingestellten Volk kommt eigentlich den Sozialisten zu.

Deren Wähler rekrutieren sich hauptsächlich aus den Mittel- und Unterschichten und leiden immer mehr unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Bei Arbeitslosenzahlen von über vier Millionen leistet sich der Altkönig  eine „freiwillige“ Steuernachzahlung von 4,4 Millionen Euro, mit der er jedem zu verstehen gibt, dass er in den letzten Jahren, ohne dass jemand sich vorstellen kann wie, über 8,8 Millionen Euro an der Steuer vorbei verdient haben muss. Und während Woche für Woche immer mehr Spanier in die Existenznot abrutschen und die einzige Hoffnung auf Besserung ihrer Situation in der Impfung gegen Covid-19 in Spanien zu liegen scheint, lassen sich die beiden Königstöchter in einem Luxusressort in Abu Dhabi in den Arm pieksen, Monate bevor sie eigentlich an der Reihe wären. Manch ein PSOE-Minister muss sich derzeit fragen, ob es mutig ist, als ein Sozialist und im Zeichen der altehrwürdigen Faust und Rose sich hinter die Bourbonen zu stellen oder schlichtweg töricht.

Königin Letizia und Parlamentspräsidentin Meritxell Batet.

Ministerpräsident Pedro Sánchez steht - komme was wolle - hinter Felipe VI. Sicherlich, auch der spanische Regierungschef hat sich den ein oder anderen Fehltritt erlaubt und etwa aus politischem Kalkül dem Bourbonen zuletzt die Tür bei der alljährlichen Richterkür vor der Nase zugeschlagen. Sánchez lässt aber niemanden im Zweifel, dass er vollstes Vertrauen in Felipe VI hat - vielmehr als es sein Vorgänger Mariano Rajoy hatte.

Am heutigen Freitag besucht Sánchez mit Felipe das Seat Werk in Martorell bei Barcelona trotz Aufmarsch der Radikalen und anhaltender Proteste gegen die Verhaftung des Rappers Pablo Hasél, der unter anderem im Gefängnis sitzt, weil der Altkönig Juan Carlos einen Dieb schimpfte. Der Werksbesuch dürfte für die Regierung von äußerster Wichtigkeit sein, da man ein halbstaatliches Konsortium bilden und mit diesem Verbund aus Wirtschaft und Staat ein Werk für den Bau für Batterien für Elektroautos neben der Seat-Fabrik anstoßen möchte.

Aus politischer Sicht baut Sánchez Felipe VI zu moralischen Vorbildsfigur auf, indem er einerseits den König lobt und gleichzeitig hart und zunehmend härter ins Gericht mit dessen Vater geht. Die Sozialisten haben mit einer Schere das Familienfoto der Bourbonen durchschnitten. Dem Königshaus gehören heute weder die Infantinnen noch König Juan Carlos an, es gibt keinen Korruptionsfall Noos, kein Koks und keine Elefanten mehr, sondern nur noch die sympathische Familie um Felipe, Leticia und ihre beiden Töchter.

Der Diskurs des Territorialministers Miquel Iceta schlug auch sofort diese Richtung ein. „Fatal“ nannte er die Impfung der Infantinnen, während er im gleichen Atemzug betonte, Felipe, die Königin, Leonor und Sofía seien „einem derartigen Fehler nicht verfallen“ und hätten sich nicht aus der Reihe impfen lassen. Die öffentliche Rundfunkanstalt TVE blendete die Familie bei einem Spaziergang ein – alle vier mit nagelneuen blauen chirurgischen Atemschutzmasken im Supermarkt-Look über den Mündern – und kommentierte die Szene in dem Tenor, die Königsfamilie lasse sich impfen wie alle anderen auch, sobald die einzelnen Mitglieder gemäß der Impfordnung in Spanien an die Reihe kommen.

Steuerskandal von Altkönig Juan Carlos: Regierung kündigt weitere Ermittlungen an

Ein Kontrast zu diesem idyllischem Bild bot Finanzministerin María Jesús Montero bei ihrem Presseauftritt, als sie versicherte, der Prozess der steuerlichen Regularisierung der Einnahmen von Juan Carlos sei keinesfalls abgeschlossen und man werde Unterlagen im Detail prüfen. Die Generalstaatsanwältin Dolores Delgado schob gleich nach, dass die neue und bereits zweite Regularisierung wahrscheinlich die Behörde dazu zwinge, neue Untersuchungen einzuleiten. Es ist doch beruhigend, dass es der Bourbonen wenigstens in einer Hinsicht das Leid der Bevölkerung teilen dürfen: An einen Osterurlaub in Spanien braucht derzeit auch der im arabischen Luxus-Exil weilende Altkönig nicht denken.

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