Eine Frau mit Corona-Schutzmaske fotografiert mit ihrem Handy Boote an einem spanischen Jachthafen.
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Spanien hat mehr zu bieten als Ballermann und All inclusive. Der Tourismus der Zukunft setzt auf Luxus-Urlauber.

Urlaub nach Corona

Spanien setzt auf Luxus: In der Zukunft Klasse statt Masse beim Tourismus

Corona brachte Spaniens Tourismus-Branche zum Stillstand. Jetzt stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll - und mit welcher Art von Urlaubern. Potenzial hat das Luxus-Segment.

Madrid – tl. Im Tourismus-Rekordjahr 2019 haben 84 Millionen ausländische Urlauber Spanien besucht. Ein Massenansturm, wie er nie zuvor erlebt wurde und das Land im Tourismus-Ranking auf Platz zwei der meistbesuchten Staaten katapultierte. Doch zuletzt traten zunehmend die Schattenseiten dieser Entwicklung auf: Die Tourismus-Phobie grassierte. „Tourist go home“ wurde auf Hauswände in Barcelona oder auf Mallorca gesprüht. Doch bevor die Aversion gegen Spaniens Wirtschaftsmotor Nummer eins zu einem wirklich ernsten Problem wurde, kam die Corona-Pandemie.

Tourismus in Spanien: Welche Art von Urlauber will man künftig?

Diese könnte nun zur Zäsur werden. Mit der Rückkehr der Reisefreiheit und den gelockerten Einreise-Bestimmungen seit 7. Juni wird Spanien den Tourismus neu definieren müssen. In Barcelona im Rathaus beispielsweise stellt man sich der Aufgabe: „Wir müssen uns die Frage beantworten, welche Touristen wir in Zukunft wollen und welche nicht“, heißt es.

Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Urlauber, die richtig Geld im Land lassen. Es hat sich erwiesen, dass der gehobene Tourismus weitaus resistenter gegenüber Krisen ist als der Massen-Tourismus. Erlebte Spanien im Corona-Jahr 2020 einen Rückgang der Gästezahlen im klassischen Geschäft von 60 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2019, waren es im Luxus-Tourismus lediglich 36 Prozent. In diesem Segment aber besitzt Spanien noch viel Luft nach oben. Während man 2019 bei den Besucherzahlen nach Frankreich weltweit auf dem zweiten Platz lag, reichte es im Luxus-Tourismus nur zu Rang sieben.

Wachstumspotenzial im Luxus-Segment: Spanien will wohlhabende Urlauber

Wohlhabende Urlauber anzulocken zählt denn auch für Tourismus-Staatssekretär Fernando Valdés zu einer der Hauptaufgaben: „Hier besitzt Spanien noch Wachstumspotenzial“, sagte er jüngst in Madrid bei der Präsentation der Studie „Herausforderungen und Tendenzen: Wie sieht die Zukunft des Exzellenz-Tourismus aus?“ der Boston Consulting Group. Geladen hatte die spanische Föderation Círculo Español del Lujo Fortuny, ein loser Zirkel von Unternehmen aus der Luxuswaren-Industrie. Laut Valdés gebe es zwei Haupt-Herausforderungen: eine Diversifizierung des touristischen Angebots sowie das Streben nach saisonaler Unabhängigkeit im Tourismus-Geschäft.

„Dabei sind wir ein Land, das über das ganze Jahr und auf der gesamten Fläche ein umfangreiches touristisches Angebot bietet, aber wir müssen auch in der Lage sein, das auf den ausländischen Märkten – sowohl auf den europäischen als auch auf den entfernteren – bekannt zu machen“, sagte Valdés. Sein Staatssekretariat habe deshalb für den Tourismus-Sektor ein Programm zur Modernisierung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit aufgelegt, das aus dem Corona-Wiederaufbauprogramm der EU finanziert werde. „Jetzt, da die Reisefreiheit langsam zurückkehrt, müssen wir primär auf den Qualitäts-Touristen setzen, der nachhaltig Urlaub macht und der sein Urlaubsziel respektiert und zu erhalten trachtet“, sagte der Staatssekretär.

Spanien und der Tourismus: Luxus-Urlauber kommen aus China

Die vorgestellte Studie der Boston Consulting Group definiert den Luxus-Touristen allerdings schon als ein eher exklusives Wesen: Nach deren Definition gibt er im Jahr rund 35.000 Euro für Urlaubsreisen aus. Er übernachtet bevorzugt in Hotels, in denen die Nacht für zwei Personen 1.000 Euro und mehr kosten darf. In Restaurants lässt er um die 150 Euro pro Person und Besuch. Und Einkäufe im Wert von 7.000 Euro nimmt er aus dem Urlaub mit nach Hause. 39 Prozent dieses Touristen-Typs stammen laut Studie aus China, 17 Prozent aus Europa, elf Prozent aus Südostasien, neun Prozent aus den Golfstaaten und sechs Prozent aus den USA.

Man wäre geneigt, die Studie als doch etwas abgehoben zu definieren, wären da nicht andere Stimmen, die für Spanien durchaus Potenzial im Segment des Luxus-Tourismus sehen. Ebenfalls in der vergangenen Woche berichtete die renommierte „Financial Times“, dass Madrid auf dem besten Wege sei, sich zu einer der Hauptstädte Europas für Luxus-Tourismus zu entwickeln. Als Beispiel fügte die Zeitung eine Reihe von Top-Hotels an wie das Four Seasons, das Mandarin Oriental Ritz oder das Villa Magna, die allesamt entweder kürzlich eröffnet haben oder in Bälde öffnen werden.

Spanien hat Potenzial: Vielseitiges Ziel für Luxus-Urlauber

Auch andere Experten sind der Ansicht, dass Spanien viel mitbringt, um bevorzugtes Ziel von Premium-Besuchern zu werden. „Wir haben eine Reihe von sehr speziellen Dingen, die wir unser Eigen nennen und die nur schwer zu kopieren sind“, sagte etwa Abel Matutes, Präsident der Palladium Hotel Group, der bei der Präsentation der Luxus-Tourismusstudie in Madrid zugegen war. Zu dem Potenzial zählt auch, dass Spanien eines der Länder mit den meisten Sterne-Restaurants ist. Mehr als 200 Lokale besitzen einen oder mehrere Michelin-Sterne. Oder das kulturelle Angebot in Spanien mit Museen wie dem Prado, dem Reina Sofía, dem Thyssen-Bornemisza oder dem Guggenheim an der Spitze. „Kultur ist eine der sechs Säulen, die die Marke eines Landes ausmachen. 70 Prozent der Personen, die sich auf der Welt bewegen, um Urlaub zu machen, treffen ihre Reiseentscheidung nach dem kulturellen Angebot eines Landes“, sagte José María Luna, Betreiber des Picasso-Geburtshauses und des Centre Pompidou in Málaga.

Pablo Garde, Unterstaatssekretär im Ministerium für Industrie, Handel und Tourismus, hält es denn auch für ein vorrangiges Ziel, sich um die Märkte zu kümmern, aus denen betuchte Urlauber kommen: „Wir bemühen uns vor allem um asiatische Märkte wie Japan, Korea und ganz besonders China, das immer wichtiger für den spanischen Tourismus-Sektor wird“. Man dürfe zwar die wichtigsten Kunden wie Briten, Deutsche und Franzosen nicht aus dem Blick verlieren, meinte Farce. „Aber diese Verbindungen mit Europa sind gesättigt, was wir jetzt machen müssen: neue Märkte öffnen.“

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