Titelseite der Zeitung „El Mundo“ mit dem Foto von Isabel Ayuso.
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Die PP-Spitzenkandidatin Isabel Ayuso wurde schon vor geraumer Zeit als Ikone stilisiert.

Spitzenkandidatin wird zur Bar-Ikone

Wahlkampf Spanien: PP-Kandidatin Ayuso als Portion Kartoffel mit Eier

  • Stephan Kippes
    vonStephan Kippes
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Der Wahlkampf in Madrid wirkt fad. Nun steigt eine Kandidatin zur Ikone der Corona-geplagten Gastronomie auf. Jetzt gibt sie als Kartoffeln mit Eier.

Madrid - Fast täglich klagt im Fernsehen ein Politiker, der nichts mehr zu sagen hat, wie nichtssagend der Wahlkampf in Madrid doch sei. Pausenlos wird getwittert, ständig wird beschimpft und oft auch denunziert – aber inhaltlich kommt wenig rüber. Es ist so ein persönlicher Wahlkampf. Ministerpräsident Pedro Sánchez kämpft persönlich um den Landtag und lässt getrieben von seinem Feldzug gegen PP-Rivalin Isabel Díaz Ayuso den eigentlichen Spitzenkandidaten seiner Partei, Ángel Gabilondo, ganz im Schatten stehen. Derweil bleibt die wortgewaltige Ayuso die einzige Aspirantin, die dem Spektakel um die Macht in Madrid ein gewisses Gewicht verleiht – eins, das sich auch auf einer Waage bemerkbar machen kann.

Etwa die Pizza Madonna Ayuso mit Mozarella-Käse oder Kartoffeln a lo Ayuso mit einer Extraportion Eier. Mühselig, in den Speisekarten nach metaphorischen Doppeldeutigkeiten zu suchen, die wahren madrilenischen Bars, in denen man anstandshalber wenigstens einen Spanien-Banner auf der Alltagsmaske trägt, machen gar keinen Hehl aus ihrem Kult um die konservative Regionalpräsidentin. Ihr Konterfei klebt unter und über Erdnussautomachten oder Kaugummipackungen. „Ich mit Ayuso“ – steht darauf. Angesichts einer derartigen Omnipräsenz wirken die ihr politisch nahe stehenden Rivalen links und rechts  - also die liberalen Ciudadanos und die rechtspopulistische Vox – wie ein Päckchen Ketchup und Mayonnaisse in einem doppelstöckigen Hamburger.  

Kandidatin Ayuso wird Bar-Ikone: Sie hat die Gastronomie vor den Covid-Auflagen geschützt

Der Kult um sie hat seine Berechtigung, schließlich hat sie die Gastronomie vor den Covid-19-Auflagen des Gesundheitsministerium stets in Schutz genommen oder - um es mit den Worten der 42-Jährigen auszudrücken - den Kneipen die Freiheit gelassen anstatt sie wie im Rest Spaniens weitgehend zuzusperren, um die Bevölkerung vor einer Ansteckung durch das Coronavirus zu schützen. 

Sogar ein Teil von Frankreich stellt seit geraumer Zeit fest, dass der Verzicht auf die Haute Cuisine zu Hause sich besser mit einem Teller fritierter Bravas auf einer Terrasse in Madrid verdauen lässt. Eine rechtskonservative spanische Tageszeitung lichtete Ayuso wie die Jungfrau Maria ab, unbefleckt und rein, in Trauer um ein geopfertes Spanien. Jeder Italiener, der sie so sieht, muss doch an Madonna und Pizza denken.

Wahlkampf in Spanien: Ayuso erhält Lob aus den Bars und Kritik aus den Krankenhäusern

Der Sektor dankt ihr den Erhalt von Arbeitsplätzen auch mit dem entsprechenden Pathos, Ayuso prostet dafür regelmäßig den Kellnern zu. Ihr Wahlkampfvideo wirkt wie eine Tapas-Route, ein Bierchen hier und ein Würstchen dort. Gar nicht dumm, allein in der Hauptstadt leben über 250.000 Familien in irgendeiner Form von der Gastronomie, über 4,5 Prozenz zur Wirtschaftskraft geht gewißermaßen durch den Magen.     

Die Warmherzigkeit aus den Etablissments der Trabantenstädte schlägt ihr allerdings weder aus den Krankenhäusern noch aus den Intensivstationen entgegen. Madrid rangiert seit geraumer Zeit unter den Regionen mit den meisten Coroanvirus-Infektionen, den höchsten Auslastungen der Hospitäler und Intensivstationen und den höchsten Sterblichkeitsraten. Auch das dortige Gesundheitswesen steht seit der von Esperanza Aguirre eingeleiteten Ära der Privatisierungen ständig in der Kritik – auch vom eigenen Personal.

Diese Waffen setzten die Sozialisten - ihre einzig ernstzunehmenden Rivialen - im Wahlkampf um den Urnengang am 4. Mai gegen Ayuso ein. Ob ausgerechnet Pedro Sánchez und Kollegen mit der Pandemie gegen Ayuso punkten können, vor deren schmerzlichen Folgen sie doch in den Augen so vieler die Region bewahrte, steht in den Sternen. Wenn eine wie sie sich die Freiheit einverleibt, mögen andere das durchaus als Tyrannei empfinden.

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