Nachwirkungen von Sturmtief Filomena

Madrid im Winter: Spaniens Hauptstadt steckt im Schneechaos fest

  • vonStephan Kippes
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Eine Woche nach dem Schneesturm Filomena stapelt sich der Müll in den Straßen Madrids, die noch voll Schnee und Eis sind. Jetzt greifen Anwohner zu Pickel und Schaufel.

Madrid – Der Wintersturm Filomena hat Madrilenen gezeigt, wie weit ihre Regierenden noch davon entfernt sind, effizient, koordiniert und kooperierend auf Naturkatastrophen zu regieren. Eine Woche nach dem Schneeunwetter stapelt sich noch immer der Müll in den Straßen von Madrid, der Schnee liegt auf vereisten Straßen und Gehsteigen und noch nicht einmal die abgebrochenen Bäume und Äste sind vollständig von den Straßen entfernt. Unfassbar mutet auch an, wie viele Menschen gestürzt sind und sich Knochenverletzungen zugezogen haben. Auch die Schulen haben bisher den Lehrbetrieb nicht wieder aufnehmen können.

Dabei kann niemand der Stadt Madrid Untätigkeit vorwerfen. 9.000 Arbeiter schuften, um die Hauptstadt wieder flott zu machen. Dennoch hat Madrid nicht das Ziel erreicht, binnen einer Woche nach dem Schneesturm Filomena wieder den Normalbetrieb herzustellen. Allein 650.000 Bäume sollen beschädigt sein, es wird Wochen dauern, bis die Grünanlagen der Stadt wieder passierbar sind. “Das war kein Schneesturm, das war eine Katastrophe”, sagte der Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida. Weder Stadt, noch Region unter der Führung von Isabel Díaz Ayuso noch Zentralregierung von Pedro Sánchez haben beim Krisen-Management in den Tagen nach dem Wintersturm eine gute Figur gemacht. Dabei wurde er von dem staatlichen Wetterinstitut Aemet ebenso vorhersagt wie die Kältewelle, die auf Filomena folgte.

Angehörige helfen dabei die Amadeo-Vives-Schule in Madrid und ihre Umgebung von Schnee zu befreien.

Abseits der Hauptverkehrsstraßen sieht man viele Anwohner zu Pickel und Schaufel greifen, um dicke Eisschichten auf den Straßen und Gehwegen aufzuhacken und zur Seite zu räumen. Erst am Freitag das Rathaus eine externe Firma, Tragsa, damit beauftragt hat, mit dabei zu helfen, den Zugang zu allen 250 Schulen freizuräumen. Zu diesen 200 Arbeitern stellt das Umweltministerium weitere 200 Brigadisten die ebenfalls mit anpacken, um so schnell wie möglich und wohl nicht vor Mittwoch den Schulbetrieb wieder aufnehmen zu können. Vielerorts sind auch Installation wie Rohre und Heizanlagen beschädigt.

Bei den Aufräumarbeiten wirkten Stadt und Region überfordert, in einigen Vierteln Madrids können die Einwohner seit einer Woche den Müll nicht mehr entsorgen und der Unrat stapelt sich rund um die Container der Stadt. Hochrechnungen zufolge müssten 9.000 Tonnen Müll abtransportiert werden, die Müllabfuhren sind zu 100 Prozent im Einsatz, aber können vielerorts die Containerstellen gar nicht erreichen. Rund 850 Tonnen Müll können nach Angaben der Stadt derzeit täglich abtransportiert werden, was in etwa der Menge entspricht, die in den Haushalten anfällt.

Über die Hälfte der 9.300 Straßen sind nicht vollständig geräumt. Etliche Madrilenen können ihr Auto noch nicht bewegen. In vielen Vierteln Madrids sind die Straßen sehr eng. Bäume, Unrat, Schnee und Eis erschweren den Räumungsfahrzeugen zusätzlich die Arbeit.

Die öffentlichen Verkehrsmittel haben weitgehend den Betrieb aufgenommen, Busse fahren wieder, die Metro funktioniert. Bis Dienstag sollen wieder in der gewohnten Frequenz operieren.

Die Stadt hat die Schäden bei ihrem Antrag auf eine Ausweisung als Katastrophengebiet auf fast 1,4 Milliarden Euro geschätzt, allein 43 Millionen Euro davon würden die Schulen benötigen. Erste Schadensbilanzen für die Region Madrid belaufen sich auf 2,2 Milliarden Euro, wobei in beiden Fällen Sachschäden zusammen mit wirtschaftlichen Einnahmensverlusten aufgeführt werden. Nun muss das Kabinett der Zentralregierung prüfen, ob Madrid die Kriterien erfüllt, um als Katastrophengebiet eingestuft werden zu können.

Rubriklistenbild: © Jesús Hellín, dpa

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