Menschen warten auf die Öffnung der Grenzen.
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Ein historischer Moment: Die Landgrenzen in Ceuta und Melilla sind geöffnet.

Grenzöffnung Ceuta Melilla

Alles hat eine Grenze: Spanien und die Beziehungen zu Marokko

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Spanien und Marokko läuten das Ende der Eiszeit ein und öffnen die Grenzen von Melilla und Ceuta. Möglich macht dies Spaniens neue Haltung zur Westsahara. 

Madrid/Rabat – Spanien und Marokko haben die Landgrenzen der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla geöffnet. Die Öffnung der seit März 2020 geschlossenen Übergänge sorgte am Dienstag für Jubel vor Ort. Allerdings soll sie schrittweise erfolgen, um die Sicherheit zu gewährleisten und die Covid-19-Auflagen zu erfüllen, kündigte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska an. Zuerst sollen die Grenzübergänge El Tarajal in Ceuta und Beni Enzar in Melilla für EU-Bürger und Personen öffnen, die sich im Schengenraum frei bewegen können. Damit erfüllen die beiden spanischen Städte in Nordafrika wieder voll ihre Rollen als Südgrenzen der EU. Ende des Monats können Marokkaner mit einer Arbeitsgenehmigung ein- und ausreisen.

Außen vor bleiben vorerst die Nachbarstädte Nador und Tetuán, deren Bürger vor der Pandemie ohne Visum die spanischen Exklaven in Marokko, Ceuta und Melilla, betreten konnten. Für die von Marokko geschlossene Handelsgrenze von Melilla gibt es bisher keine Regelung. Die Grenzöffnung erfolgt kurz vor der Reisewelle „Operation Meerenge“ – Operación Paso del Estrecho –, bei der ab 15. Juni marokkanische Gastarbeiter mit Fähren in ihr Heimatland reisen.

Beziehungen von Spanien und Marokko: Zusammenarbeit nach Annäherung

Exakt vor einem Jahr erreichten die diplomatischen Beziehungen zwischen Spanien und Marokko ihren Tiefpunkt, als 12.000 Nordafrikaner aufgrund der laschen Grenzkontrollen Ceuta erreichten. Erst eine Änderung der Regierung von Pedro Sánchez bezüglich der Haltung zur Westsahara führte zur Besserung der Beziehungen und zu Vereinbarungen, zuletzt zur Verhinderung irregulärer Immigration.

Spanien und Marokko wollen Migranten verstärkt davon abhalten, illegal über das Meer nach Spanien zu gelangen. Die Rückführung illegal Eingereister sei „ein wichtiges Element, die Menschen zu entmutigen“, sagte der Staatssekretär für Sicherheit, Rafael Pérez. Dies werde auch dem Kampf gegen Schleuser zugutekommen, betonte Pérez bei einem Treffen mit marokkanischen Kollegen in Rabat.

Westsahara als Knackpunkt der Beziehungen: Versöhnung mit Marokko, Ärger mit Algerien

Dabei ist die Wiederaufnahme der gemeinsamen Patrouillen vor den Küsten beider Länder vereinbart worden. Die Kontakte zwischen Vertretern beider Länder waren möglich geworden, nachdem Spanien im Streit um die Westsahara eingelenkt hatte. Madrid unterstützt nun den Plan Rabats, die frühere spanische Kolonie in der Westsahara zu einer autonomen Provinz unter marokkanischer Souveränität zu machen. Die Bewegung Frente Polisario hingegen kämpft dort für die Unabhängigkeit. Unterstützt wird die Bewegung dabei von Algerien, das wiederum ein wichtiger Gaslieferant für Spanien ist.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wurden dieses Jahr bis zum 1. Mai 10.452 illegal nach Spanien Eingereiste gezählt. Mit 6.744 kamen die meisten aus Nord- und Westafrika auf den Kanaren an. 3.708 Menschen seien über die Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla sowie über das Mittelmeer gekommen.

Die Fahrt in meist kleinen Booten übers Meer ist sehr riskant und endet für viele tödlich. 2021 starben laut der Hilfsorganisation „Caminando Fronteras“ 4.400 Migranten bei dem Versuch, Spanien auf dem Seeweg zu erreichen. Allein auf der Route von Westafrika zu den Kanaren seien 4.016 Menschen ums Leben gekommen.

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