Maskenpflicht in Spanien
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Ende des „Lappens“ im Freien: Spaniens Maskenpflicht schlägt draußen das letzte Stündlein.

Coronavirus Spanien

Kosmetik der Macht: Spanien beendet Maskenpflicht im Freien

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Die Maskenpflicht im Freien wegen des Coronavirus war in Spanien längst zur reinen politischen Kosmetik verkommen. Am 10. Februar wurde sie endlich abgeschafft. In Innenräumen bleibt sie aufrecht.

Madrid - Am Dienstag, 8. Februar 2022, wurde in der Kabinettssitzung der spanischen Regierung das Ende der allgemeinen Maskenpflicht im Freien beschlossen, am Donnerstag, 10. Februar, fiel dann die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Freien in Spanien weg. Das erklärte vorige Woche Spaniens Gesundheitsministerin Carolina Darias in Madrid.

Spanien ist das letzte Land der EU, in der die grundsätzliche Maskenpflicht im Freien aufgehoben wird, kurz zuvor beschloss Italien dies ebenso, in den meisten Staaten gab es eine so umfängliche Pflicht nie, lediglich noch Frankreich und Schottland wandten sie in den letzten Corona-Wellen an. In Spanien galt - nach zwischenzeitlicher Aufhebung - die Maskenpflicht seit 22. Dezember 2021 auch wieder, wenn der empfohlene Mindestabstand von 1,50 Meter einhaltbar war, lediglich für sportliche Aktivitäten und Wanderungen in der freien Natur machte das Gesetz Ausnahmen, die so dehnbar waren wie die Halteschlingen der Masken.

Masken im Freien gegen Coronavirus nutzlos: Wo in Spanien die Maskenpflicht bestehen bleibt

Allerdings wurde das Gesetz kaum noch kontrolliert und im ländlichen Raum immer weniger beachtet, in den Städten hingegen hielten sich die meisten Menschen daran - übrigens auch, als die Pflicht gar nicht bestand. Experten hatten schon bei der erstmaligen Einführung davon gesprochen, dass das Tragen der Maske an der frischen Luft in den meisten Fällen das Infektionsgeschehen nicht beeinflusse, lediglich bei großen Menschenansammlungen auf engem Raum sowie in Innenräumen hätte die Maske einen Schutzeffekt.

Ein Tourist in Madrid. „Weitgehend sinnlos“. Experten auch in Spanien sind sich einig, dass die Maske im Freien hinsichtlich Corona nichts bringt.

Die gleichen Experten empfehlen die Maske nun auf freiwilliger Basis all jenen, die Symptome ansteckender Krankheiten bei sich bemerken, übrigens nicht nur Covid-bedingte, eine Praxis, die im asiatischen Raum in vielen Ländern zur Etikette gehört, um die eigenen Keime nicht zu verbreiten. Auch Menschen mit schwachem Immunsystem wird das Tragen angeraten.

Pflicht bleibt die Maske im Freien immer dann, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, zum Beispiel bei Konzerten und überall dort, wo der Verwantwortliche das verlangt, um Risiken auszuschließen. Das könnte z.B. auch für die Freiluft-Bereiche des öffentlichen Nahverkehrs gelten, ob Tram Alicante, Cercanías de Málaga oder die AVE-Stationen von Renfe das umsetzen, wird allein deren Sache.

Abschied von der Maske, Abschied von einem Stückchen Macht

Erst vor wenigen Tagen setzte die Regierung Sánchez eine Verlängerung der Maskenpflicht im Freien nochmals im Parlament durch und koppelte den Beschluss an weitere Vorlagen aus ganz anderen Themenbereichen, um die Abstimmungspartner überhaupt noch zu einer Zustimmung bewegen zu können. Die Regierung tat sich schwer damit, die Maskenpflicht im Freien trotz allgemein anerkannter Sinnlosigkeit zu kippen, handelte es sich dabei doch neben dem Grenzregime (Einreiseformular) und der Beschaffung der Impfstoffe, um eine der wenigen Covid-Maßnahmen, die überhaupt noch von der Zentralregierung gesteuert werden konnten. Alles andere - von 3G, über Kapazitätsbeschränkungen, Sperrstunden bis hin zur Impfung selbst - ist reine Ländersache.

Maskenpflicht im Freien in Spanien fällt weg: PP-Präsident von Kantabrien will sie weiter tragen

"Es war eine Vorsichtsmaßnahme, die damals strikt nötig war", verteidigte die Gesundheitsministerin Darias, das von Experten als "Kosmetische Aktion" der Regierung verspottet wurde, zumal die gerade in Spanien zu Ende gehende Omikron-Welle nicht verhindert wurde, die von vielen ohnehin als das letzte größere Coronavirus-Aufbäumen betrachtet wird. Andere Virologen warnen indes vor Leichtsinn, weil auch Varianten mit gefährlicherem Potential unterwegs seien, die man beobachten müsste. Nur: Die Maske im Freien spielt bei all diesen Szenarien keine Rolle, das ist nun auch bei der Zentralregierung in Madrid angekommen.

Was von der Corona-Maskenpflicht in Spanien bleibt? Leider viel Müll in der Natur.

Ausgerechnet einige PP-geführte Regionen wie Andalusien und natürlich Madrid, die sonst gegen die Regierungsmaßnahmen stets ihre Politik der "Freiheit" postulierten, beschwerten sich nun, über den "einseitigen, nicht abgestimmten Schritt" der Sánchez-Regierung. Auch das eine Maskerade, leicht durchschaubar. Der PP-Präsident von Kantabrien Miguel Ángel Revilla, als Sonderling berühmt, erklärte: "Ich werde die Maske auf der Straße weitertragen, für alle Fälle." Eine Einstellung, die er, das werden wir jetzt sehen, wohl mit nicht wenigen Spaniern teilt. Revilla weiter: "Ob die Abschaffung der Tragepflicht eine gute Sache ist oder nicht, weiß ich nicht, aber nun sieht es so aus, als würden wir uns gar nicht mehr kümmern".

Was von der Maskenpflicht bleibt, ist, neben dem Eindruck einer nicht sehr koherenten Politik, vor allem viel Müll. Umweltverbände prangern an, dass die von der Natur schwer abbaubaren Materialien in vielen Parks, in Wäldern, an Grünstreifen an Straßenrändern fast "normal" geworden seien. Einige Firmen erproben Recycling-Konzepte für die Maskenberge der Krankenhäuser und Altersheime.

Zum Thema: Wie alles begann - 100 Tage Coronavirus-Notstand in Spanien, Chronik eines nationalen Dramas.

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