Verdächtiger für Morde an Schwulen stellt sich
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Der Verdächtige wird im Polizeikommissariat in Irun verhört.

Angst vor Serienmörder

Mordserie in spanischer Homoszene - Verdächtiger stellt sich der Polizei

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Ein Serienmörder verbreitet Furcht in Spaniens Schwulenszene. Bis zu acht Morde werden einem Täter zugeschrieben. Nun hat sich der Verdächtige gestellt und leugnet alles.

Bilbao/Irun – Der wegen acht Morden an Homosexuellen in Spanien verdächtige Mann hat sich in Irun der baskischen Polizei gestellt, nachdem sein Foto in Medien veröffentlicht wurde. Berichten zufolge bestritt der 25-jährige Kolumbianer jedoch jede Verbindung mit den Mordfällen und bot den Ermittlern seine Mithilfe bei der Aufklärung der Verbrechen an. Unter Homosexuellen in Spanien geht seit einigen Tagen die Furcht vor einem Serienmörder um.

Serienmörder in Schwulenszene in Spanien: Kontakt mit Opfern über Dating-App

Der vermeintliche Täter soll Kontakt zu seinen Opfern über eine Dating-App aufgenommen haben. Ein Mann konnte ihm im Dezember entkommen und den Angreifer der Polizei beschreiben, der scheinbar auch in der Wohnung seinen Rucksack mit Dokumenten und flüssigen Ecstasy vergessen hatte, mit dem er seine Opfer betäubt haben soll. Die Polizei geht nach Angaben der Zeitung „El País“ davon aus, dass es sich bei dem 25-jährigen Kolumbianer, ein Asylsuchender, der sich seit drei Jahren ian verschiedenen Orten n Spanien aufhält, auch tatsächlich um den Täter handelt.

Länger als 72 Stunden kann der Verdächtige aber nicht festgehalten werden, ohne einem Haftrichter vorgeführt zu werden. Bislang können die Ermittler ihn nur wegen der Körperverletzung im Zuge der Handgreiflichkeiten in der Wohnung bezichtigen, weswegen er auch zur Fahndung ausgeschrieben worden war. Unklarheit herrscht auch über das Motiv der Morde, ob der Auslöser eher wirtschaftlicher oder homophober Art war. Die Ermittlungen und die Spurensuche erweisen sich als kompliziert, da möglicherweise einigen seiner Opfer fälschlicherweise eine natürliche Todesursache attestiert wurde und diese im Zuge der Bestattung eingeäschert wurden. Erst als Wochen später Angehörige die Plünderung der Bankkonten der Polizei meldeten, kam der Verdacht auf ein Verbrechen und eine unnatürliche Todesursache auf.

Spanien ist entsetzt nach einer Reihe von Angriffen auf Homosexuelle.

So sollen auch in anderen Regionen Spaniens wie Valencia und Madrid Verbrechen verübt worden sein, die dem Profil entsprechen. Alle Morde, bei denen zunächst teils kein Fremdverschulden vermutet worden war, haben mehr als einen gemeinsamen Nenner: Die Opfer hätten über die bei Schwulen beliebte Dating-App Grindr den mutmaßlichen Serienmörder kontaktiert, ihn zu sich nach Hause eingeladen und seien dort mit Drogen zu Tode betäubt worden. In allen Fällen seien die Bankkonten der Opfer geplündert worden. Vier der acht Morde hätten sich in einem bestimmten Viertel im Zentrum Bilbaos im September und Oktober vergangenen Jahres ereignet.

Bevölkerung in Bilbao besorgt wegen Mordserie unter Schwulen: „Es herrscht Unsicherheit.“

Bilbaos Bürgermeister Juan Mari Aburto räumte nun in einem Radio-Interview ein, in seiner Stadt herrsche aufgrund der Medienberichte eine „angespannte Ruhe“. Dem Rathaus seien die Ermittlungen bekannt. Man müsse aber alles tun, um die Gesellschaft „nicht zu beunruhigen“. Dass die Behörden sich aber weitgehend in Schweigen hüllen, erhöht nach Meinung einiger „Bilbaínos“ nur das Gefühl der Unsicherheit. „Man hat den Eindruck, dass das von den Behörden nicht ernst genug genommen wird. Meine Freunde und meine Familie sagen mir, ich soll aufpassen“, erzählte der von „El Confidencial“ zitierte junge Mann. Die Zeitung „20Minutos“ stellte fest, die Gay-Community sei „verängstigt“. Julio, der eine Kneipe mit Pintxos, den typischen baskischen Tapas, betreibt, kann das bestätigen. „Nicht nur bei den Gays herrscht Unsicherheit. Ich merke das auch an der Besucherzahl hier“, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Sollte der Täter überführt werden, könnte der Alptraum vorbei sein, die Probleme für die Minderheiten in Bilbao jedoch nicht, versichert der baskische Verband der Lesben, Schwulen, Transgender, Bi- und Intersexuellen (Observatorio Vasco LGTBI+). Dieser besonders schlimme Fall sei nur „die Spitze des Eisbergs“. Es gebe immer mehr Attacken gegen Schwule, Lesben und andere Minderheiten. Die Behörden müssten „dringende und wirksame Schutzmaßnahmen ergreifen“. Die Grundrechte und das Leben vieler Bürger stünden auf dem Spiel, hieß es. Für den 17. Mai wurde eine Protestkundgebung angekündigt. Diese und andere Organisationen warnten unterdessen auch vor der Gefahr, die mit der Benutzung von Dating-Apps verbunden ist. (mit dpa)

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