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Viele Spanier können gar nicht auf die Nachtstunden ausweichen, in denen der Strom günstig ist.

Juni-Stromrechnung wird eine der teuersten der Geschichte

Hammer-Strompreise in Spanien: Regierung zieht die Steuerbremse

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Das dynamische Tarifmodell treibt die Strompreise in Spanien auf Rekordhöhen. Die Regierung mag nicht mehr zuschauen und senkt Steuern - aber nur vorübergehend. 

Madrid – Die Regierung hat der Kletterpartie des Strompreises in Spanien einen Riegel vorgeschoben und die Mehrwertsteuer von 21 auf zehn Prozent gesenkt. Ferner streicht Madrid die Steuer auf die Stromerzeugung. Die Maßnahme dürfte die Stromrechnung im Schnitt um sechs Euro senken, kostet den Staat aber Schätzungen zufolge rund eine Milliarde Euro im Jahr. Außen vor bleiben wie gewohnt die Energiekonzerne – bisher jedenfalls.

Spanien entschärft Strompreis-Explosion mit Steuersenkung

Die Steuersenkungen sind nur vorübergehend. Die Mehrwertsteuersenkung gilt für dieses Jahr und kommt für Haushalte mit nicht mehr als zehn Kilowatt Leistung zur Anwendung, wenn der Großmarktpreis die 45 Euro pro Megawattstunde toppt. Allerdings lag im Juni der Strompreis an mehreren Tagen über 90 Euro pro Megawattstunde. Sozial schwach gestellte Haushalte können das ganze Jahr von der IVA-Senkung profitieren. Und die Steuer auf die Stromerzeugung fällt nur für die Dauer von drei Monaten weg.

Fest steht, dass die Einführung des dynamischen Stromtarifs zum 1. Juni einen herben Rückschlag erlitten hat. Denn von der erhofften Kostenreduzierung kann angesichts der aktuellen Strompreis-Entwicklung auf dem Großmarkt keine Rede sein. Die Juni-Rechnung wird wohl die zweithöchste in der Geschichte werden. Strom sparen kann nur, wer seinen Verbrauch auf die Nachtstunden beziehungsweise auf das Wochenende fokusieren kann. Experten rechnen aber nicht damit, dass sich am Konsumverhalten kurzfristig etwas ändern wird.

Zu spüren bekommen das die knapp elf Millionen Kleinverbraucher mit dem staatlich regulierten PVPC-Modell, nicht wer auf dem privaten Strommarkt einen Vertrag mit einem der Anbieter abgeschlossen hat. Auf der monatlich Stromrechnung der PVPC-Kunden macht der Verbrauch in der Regel 24 Prozent aus. 50 Prozent entfallen auf Abgaben und Gebühren. Weitere 26 Prozent sind Steuern.

Scheinbar löst die Einführung des dynamischen Stromtarifs die strukturellen Probleme des Strommarkts nicht. Die kurzfristigen Steuersenkungen gelten auch für die Opposition nur als ein „Pflaster“. So gerät die Regierung immer stärker unter Druck, eine dauerhaftere Lösung zu finden. Und zwar bis Jahresende. Finanzministerin María Jesús Montero hält sich noch bedeckt, will aber die gesamte Kostenstruktur des Stromsystems prüfen.

Regierung sauer auf Strommarkt: Kostenstruktur soll auf den Prüfstand kommen

Notwendig wäre es, die Dynamik der spanischen Strompreise verläuft seit Jahren sehr stark in eine Richtung, nämlich nach oben. In einem Anfall von Aktionismus wurde die Nationale Kommission für Märkte und Wettbewerb (CNMC) zwar aufgefordert, möglichen missbräuchlichen Praktiken der Stromkonzerne bei der Preisgestaltung nachzugehen. Rauskommen wird dabei aber wohl wie gewohnt nichts. Worüber man sich auch nicht wundern muss, wenn mal einen Blick in die Führungsetagen der Stromkonzerne wirft.

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