Ein kleiner Hund läuft an der Leine über Herbstlaub.
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Spanien will ein neues Tierschutz-Gesetz auf den Weg bringen. Darin gibt es viele Neuerungen für Hunde-Halter.

Strenge Vorschriften

Spanien plant neues Tierschutz-Gesetz – Hundebesitzer müssen Kurs absolvieren

  • Judith Finsterbusch
    VonJudith Finsterbusch
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Spanien plant ein neues Tierschutz-Gesetz. Demnach dürften Hunde künftig nicht mehr in Geschäften verkauft werden und Privatpersonen maximal fünf Tiere halten.

Madrid – Spanien macht Ernst in Sachen Tierschutz. Künftig werden Tiere juristisch nicht mehr als Gegenstände gehandhabt, der entsprechende Antrag wurde bereits vom Justizausschuss genehmigt - mit den Gegenstimmen von Vox und PP - und muss jetzt noch durch den Senat, um die entsprechende Gesetzesänderung auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus hat das Sozialministerium einen Vorentwurf für ein komplett neues Tierschutzgesetz vorgestellt, auf Spanisch Ley de Protección y Derechos de los Animales - ein äußerst ambitionierter Entwurf mit einer ganzen Batterie von Verboten, aber auch Pflichten für Besitzer von Hunden, Katzen und anderen Haustieren.

Spanien plant neues Tierschutz-Gesetz: Stierkampf außen vor

Seit 6. Oktober ist der Vorentwurf für das neue Tierschutz-Gesetz öffentlich einsehbar. Anschließend geht er ins Kabinett und danach durchs Parlament. Vor 2023 ist nicht damit zu rechnen, dass das neue Gesetz in Kraft tritt. Bis dahin wird es mit Sicherheit zahlreiche Änderungen geben, doch schon jetzt ist klar: Es wird sich Einiges ändern für Tiere und deren Besitzer in Spanien. „Tiere gut zu behandeln macht bessere Menschen aus uns. Wir werden in unserem Land etwas so Grundlegendes einführen wie ein garantiertes Tierwohl“, so Sozialministerin Ione Belarra bei der Vorstellung des Entwurfs. Wer darauf gehofft hatte, dass das neue Gesetz den Stierkampf in Spanien verbietet, wird allerdings enttäuscht sein: Es soll vor allem das Halten, Züchten und den Handel mit Haustieren regeln, nicht Stierkämpfe. Auch Tiere, die zu verschiedenen Zwecken in Versuchslaboren gehalten werden, fallen künftig nicht unter das neue Tierschutzgesetz in Spanien.

Verboten ist nach dem Entwurf für das neue Tierschutz-Gesetz künftig bis auf wenige Ausnahmen das Einschläfern von Tieren in Spanien. Nur wenn ein Veterniär bescheinigt, dass das Tier unter einer unheilbaren Krankheit oder Verletzung leidet und das Einschläfern weiteres Leiden verhindert, dürfen Tiere eingeschläfert werden. Weitere Ausnahmen gelten, wenn die Sicherheit von Menschen oder anderen Tieren gefährdet ist oder eine Gefahr für die Umwelt oder die allgemeine Gesundheit besteht. Verboten wäre es aber künftig, etwa Hunde im Tierheim einzuschläfern, weil kein Platz mehr vorhanden ist.

Tierquälerei tabu: Spanien will gute Tierhaltung garantieren

Ebenso verbietet das neue Tierschutz-Gesetz ausdrücklich nicht nur die Misshandlung von Tieren in Spanien, sondern auch fahrlässigen und vernachlässigenden Umgang mit ihnen, der dazu führt, dass Tiere körperlich oder psychisch leiden – und im schlimmsten Fall sterben. So ist auch das Aussetzen verboten, sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen. Und nicht nur das Aussetzen: Ebenso dürfen Hunde, Katzen und andere Haustiere nicht mehr dauerhaft auf Terrassen, Balkonen, Dachterrassen, in Abstellräumen, Innenhöfen und ähnlichem gehalten werden. Der Entwurf wird sogar noch konkreter: Haustiere dürfen nicht länger als drei Tage allein gelassen werden – Hunde maximal 24 Stunden. Ebenso verboten ist es, Tiere in Fahrzeugen zurückzulassen, wenn durch die Wetterbedingungen Lebensgefahr herrscht. Wem ein Tier entlaufen ist, muss den Verlust binnen 48 Stunden melden, um deutlich zu machen, dass es nicht ausgesetzt wurde.

Ebenso will Spanien Verstümmelungen wie das Kupieren von Schwanz und Ohren verbieten, außer es handelt sich um notwendige medizinische Eingriffe. Kastrationen sind selbstverständlich ebenso weiterhin erlaubt. Wenn auch die Stierkämpfe nicht explizit in dem Dokument berücksichtigt sind, verbietet der Vorentwurf aber, Haustiere für Kämpfe - etwa Hahnen- oder Hundekämpfe - einzusetzen oder sie entsprechend abzurichten.

Tierschutz in Spanien: Öffentliche Spektakel künftig ohne Tiere

Auf der Liste der Verbote steht auch der Einsatz von Tieren bei öffentlichen Spektakeln, künstlerischen und touristischen Vorführungen oder zu Werbezwecken – immer dann, wenn damit Angst, Schmerz oder Leiden verbunden sind. Per sé verbieten will Spanien Tiere in Karussells und Wildtiere in Zirkusvorführungen. Auch Bettler und Straßenhändler sollen künftig keine Tiere mehr dabei haben dürfen. Schwammig wird es bei Tieren, die zu Arbeitszwecken eingesetzt werden: Dann muss die Arbeit in einem „angemessenen Rahmen“ bleiben und darf nicht zu lange andauern oder so schwer sein, dass eine Gesundheitsgefahr vorliegen könnte.

Verbannen will Spanien mit dem neuen Tierschutz-Gesetz außerdem Halsbänder mit Stacheln oder Würgesystemen. Auch Apparate, die Stromschläge abgeben, sollen künftig verboten sein. Umdenken müssen demnächst wohl auch zahlreiche Rathäuser, die zum San-Antonio-Fest im Januar Verlosungen veranstalten: Tiere dürfen nach dem Vorentwurf nicht mehr als Gewinne bei Verlosungen, Wettbewerben oder ähnlichem herhalten.

Schluss mit Welpenhandel: Hunde dürfen nicht mehr in Geschäften verkauft werden

Explizit zählt der Entwurf auch die Unsitte auf, Tiere – vor allem Hunde – an Autos festzubinden und loszufahren. Wenn der Entwurf für das Gesetz so druchkommt, ist es künftig in Spanien verboten, Tiere bei laufendem Motor an Fahrzeugen festzumachen. Dem illegalen Welpenhandel und dem Schwarzmarkt mit Rassetieren will Spanien mit zwei Verboten entgegentreten: Nur offizielle Züchter mit entsprechenden Papieren dürfen züchten. Und: Geschäfte dürfen keine Haustiere mehr verkaufen oder ausstellen – mit Ausnahme von Aquarienfischen. Ebenso dürfen Tiere nur verkauft oder zur Adoption abgegeben werden, wenn sie entsprechend identifizert – also gechipt – sind.

Mit dem Entwurf für das neue Tierschutzgebiet hagelt es in Spanien nicht nur Verbote, sondern auch jede Menge Pflichten für Tierhalter. Allgemein müssen Tiere in die Familie eingebunden, sauber und unter hygienischen Bedingungen gehalten werden. Tiere, die wegen ihrer Größe oder Art nicht mit der Familie zusammen leben können, müssen artgerecht untergebracht werden und über ausreichend Platz verfügen. Die Besitzer haben dafür zu sorgen, dass die Tiere Schattenplätze und Schutz vor Regen haben, Herdentiere müssen in Gesellschaft gehalten werden.

Straßenkatzen kontrollieren: Spanien will unkontrollierte Vermehrung unterbinden

Jeder, der schon einmal in Spanien im Urlaub war, kennt sie: Die Straßenkatzen, die durch die Wohngebiete streunen. Um die Katzen-Kolonien sollen sich künftig die Rathäuser kümmern müssen. Spanien will außerdem verhindern, dass sich Tiere unkontrolliert vermehren. Haustiere, die Freigang haben oder im Freien leben und dabei Kontakt mit Artgenossen haben könnten, müssen künftig kastriert werden. Wer mehrere Tiere derselben Art beider Geschlechter hält, muss mindestens alle Tiere desselben Geschlechts kastrieren lassen. Ausnahmen gelten lediglich für registrierte Züchter.

Auch auf der Straße nimmt der Gesetzes-Vorentwurf vor allem Hundehalter künftig strenger in die Pflicht. Tiere dürfen in Spanien nicht mehr im öffentlichen Raum angebunden oder frei ohne Aufsicht zurückgelassen werden. Ebenso soll Schluss sein mit den Tretminen, Hundehalter müssen künftig verhindern, dass ihre Tiere Häufchen auf Straßen hinterlassen oder an Fassaden, Türen und Hauseingänge urinieren. Ist das Verrichten der Geschäfte hier nicht zu verhindern, müssen die Besitzer beide Hinterlassenschaften anschließend entfernen.

Hunde-Besitzer in Spanien müssen künftig vorab Kurs absolvieren

Immer wieder ein Problem sind in Spanien auch die vermeintlich gut gemeinten (Weihnachts-)Geschenke mit vier Pfoten. Ein geplanter verpflichtender Kurs vor der Anschaffung von Hunden über deren Haltung und Erziehung könnte zumindest abschrecken. Wie genau ein solcher Kurs aussehen könnte, ist noch nicht bekannt. Abschaffen will Spanien unterdessen die Liste, nach der bestimmte Rassen als Kampfhunde eingestuft werden. Vielmehr soll eine individuelle Verhaltensprüfung ausschlaggebend für die Einstufung als potenziell gefährlicher Hund sein.

Zudem will sich Spanien einen Überblick über die Tiere im Land verschaffen und mehrere Register einführen, darunter ein allgemeines Haustier-Verzeichnis. Auch soll es ein staatliches Register für professionelle Züchter geben, und nur Unternehmer, die dort aufgeführt sind, dürfen künftig Tiere züchten. Fälle von Personen, die unzählige Tieren in einer Wohnung halten, gehen in Spanien immer mal wieder durch die Medien. Deshalb dürfen Privatpersonen künftig nicht mehr als fünf Tiere halten – wer mehr haben möchte, muss sich als sogenannter „núcleo zoológico“ anmelden, also eine Genehmigung für die Tierhaltung einholen. Sollte dieser Punkt im neuen Gesetz enthalten bleiben, müssen Halter von mehr als fünf Tieren aber nicht um ihre Schützlinge bangen: Wer zum Zeitpunkt des Inkrafttretens schon mehr als fünf Tiere besitzt, tut nichts Illegales – darf aber auch keine weiteren Tiere mehr kaufen. Ein Melderegister aller núcleos zoológicos auf staatlicher Ebene ist ebenfalls geplant.

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