Spaniens Koenigspaar bei der Fitur Messe in Madrid.
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Kanaren oder doch wieder Mallorca? Felipe VI und Letizia bei der Eröffnung der Reisemesse Fitur in Madrid am 19. Mai 2021.

Coronavirus Spanien aktuell 

Spanien vor dem Sommer: Impfung und Tourismus nehmen Fahrt auf - Wann fällt die Maske?

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Coronavirus in Spanien: Gemischte Gefühle, gemischte Impfstoffe und Warten auf einheitliche und möglichst smarte Reiseregeln. Spanien und Europa im Transit zwischen Pandemie-Stress und lang ersehnter Erholung. - Reisende aus Drittstaaten dürfen ab 20. Mai wieder in die EU.

Update, 20. Mai: Die Landesregierung in Valencia bleibt bei ihrer vorsichtigen Linie bei der Lockerung von Corona-Restriktionen und will die nächtliche Ausgangssperre bis in den Juni hinein verlängern - wohl zum letzten Male. Somit bleibt an der Costa Blanca das Nachtleben wohl zumindest für weitere zwei Wochen stillgelegt. Auch die Balearen bleiben weiterhin trotz niedriger Corona-Inzidenz vorsichtig. Wie ruhr24.de* berichtet, will auf Mallorca jetzt aber das Ballermann-Lokal Bierkönig wieder öffnen* - unter Auflagen, versteht sich.

Erstmeldung, 19. Mai: Madrid - Das erste volle Wochenende nach Ende des nationalen Corona-Notstands in Spanien löste gemischte Gefühle aus. Auf der einen Seite Euphorie bei Gastronomen, Hoteliers und Reiselustigen, dass es endlich wieder losgeht, Geld verdient und ausgegeben, etwas wie Normalität gelebt werden kann. Lange Auto-Karawanen aus Madrid – 50 Prozent mehr Verkehr als vor einer Woche – und anderen Orten Innerspaniens rollten gen Mittelmeerküste, allein Málaga verzeichnete zudem 500 Flüge aus Europa binnen vier Tagen. Etliche Hotels an Spaniens Küsten sind wieder offen, andere warten lieber ab.

Neue Reisefreiheit in Spanien: Gemischte Gefühle - ein Land braucht Auslauf

Lange verwaiste Zweit- und Ferienwohnungen wurden entstaubt, in den Innenstädten und Gastro-Zonen an den Stränden von Barcelona, über Alicante bis Málaga gab es Szenen von überfüllten Terrassen und vollgestopften Gassen, wo mitunter auch die Polizei eingreifen musste. Und es gab auch wieder Feiern, die über die Stränge schlugen, aber bei Weiten nicht so massiv wie vor einer Woche, als sich Frust und Langeweile wie ein ploppender Cava-Korken entluden. Es war eher reine Freude, ein Land brauchte dringend Auslauf.

Und da war die andere Seite, Menschen, die skeptisch auf die wiedergewonnenen Freiheiten schauen, weil noch zu wenige in Spanien geimpft sind, um sich abstandsfreie Eskapaden zu erlauben. Viele von denen, die schwere Verläufe und Tod durch Covid in der eigenen Familie durchleben mussten. Auch die Fachleute und verantwortlichen Politiker schauen auf diese Tage mit Argwohn, denn noch sind rund 18 Prozent der Intensivstationen der Hospitäler mit Covid-Patienten belegt, teils mit sehr hartnäckigen Fällen und längst nicht nur bei alten Menschen.

Zum Thema: Aktuelle Corona-Regeln in Spanien - alle Regionen

Corona in Spanien: Viele Hospitäler schon ohne Intensivfälle, aber landesweit 18 Prozent der UCIs ausgelastet

Allerdings beschreibt die Zahl den Landesdurchschnitt, in ganzen Gesundheitszbezirken melden UCIs mittlerweile „Covid-frei“ oder nur noch einzelne Patienten im kritischen Zustand. Auch das ist bereits ein erster Erfolg der Impfkampagne, die in Spanien konsequent von alt nach jung durchgezogen wird und so die am meisten für schwere Verläufe und Tod durch Covid gefährdeten Gruppen als erstes schützt. Bei den über 60-Jährigen – deren Gruppe 85 Prozent aller Covid-Todesfälle stellte – hat mittlerweile jeder Zweite beide „Shots“ bekommen, 92 Prozent haben die erste Dosis erhalten. Ein Erfolg, der vor allem auf die massenweisen Lieferungen an Impfstoffen geht, die allein binnen der letzten Woche fünf Millionen Impfungen ermöglichte.

Corona-Lage in Spanien gut, könnte aber besser sein - Wunder von Valencia "kein Wunder"

Fernando Simón, Chef des Sanitären Krisenstabes der Regierung, verdeutlichte, dass die Lage insgesamt optimistisch zu bewerten sei. Die 14-Tage-Inzidenz in Spanien am Dienstag, 18. Mai, von 147 Fällen auf 100.000 Einwohner macht Spanien zu einem Land mit „mittlerem“ Ansteckungsrisiko. Noch wichtiger aber ist hier die Tendenz. Denn die 7-Tage-Inzidenz beträgt nur noch 60 Fälle, ist also deutlich kleiner als die Hälfte des 14-Tage-Wertes.

Landesweit sind sieben Regionen bereits unter 100, die Balearen und die Region Valencia sind mit Inzidenzen von unter 50 sogar europaweiter Spitzenreiter. Andalusien tut sich hingegen noch etwas schwer und bleibt mit 170 über dem Landesschnitt und stellt auch – zusammen mit Madrid – die meisten Covid-Toten, knapp 40 in einer Woche. Auch das Baskenland und Madrid liegen noch bei um und über 250 Fällen, was wiederum die Sorgenfalten in deren bevorzugten Ausflugs- und Urlaubsregionen vertieft.

Aktuelle Inzidenz in Spanien - Weitere Daten zu Corona und Impfung

  • Die Coronavirus-Inzidenz je 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen beträgt in Spanien am Dienstag, 18. Mai 147,5 (4. Mai 214, 27. April 233). Andalusien 169 (207, 238), Balearen 45 (61, 58), Kanarische Inseln 84 (97, 117), Madrid 250 (343, 396), Murcia 61 (72, 68), Region Valencia 30 (43, 43).
  • Der europäische Vergleich: Deutschland, 18. Mai: 204 (4. Mai: 326, 27. April 365), Schweiz 227 (320, 337), Frankreich 336 (537, 652), Niederlande 524 (600, 639), Österreich 166 (317, 356), Großbritannien 46 (47, 50), Schweden 621 (718).
  • Die Covid-Todesfälle beliefen sich in Spanien binnen sieben Tagen per 18. Mai auf 186, vor 14 Tagen waren es noch 210, Mitte Februar noch 1.300. In der vergangenen Woche starben in der Region Valencia sechs Menschen wegen Covid-19, in Andalusien 38 (davor 49, 54), neben Madrid (36) die meisten in Spanien.
  • Am 18. Mai wurden in Spaniens Krankenhäusern 6.568 Patienten wegen Covid-19 stationär behandelt (Auslastung 5,2,7 Prozent). Vor 14 Tagen waren es noch fast 10.000. Von den jetzt stationär Betreuten liegen 1.774 (vor zwei Wochen 2.292) auf Intensivstationen, Diese sind im Schnitt somit zu 18 (zuvor 23) Prozent mit Covid-Patienten belegt, in Madrid sind es 37 (44) Prozent.
  • Stand der Covid-Impfungen in Spanien bis 18. Mai: 25,6 Millionen Impfdosen wurden ausgeliefert, knapp 4,5 Million davon binnen einer Woche. Davon entfallen 17 Millionen auf BioNTech/Pfizer, rund 2,4 Millionen auf Moderna und 5,7 Millionen auf AstraZeneca sowie 410.000 auf Janssen, bei der eine Impfgabe genügt. Bis 18. Mai wurden gut 22,5 Millionen Dosen verabreicht, 88 Prozent der gelieferten Dosen. 7,32 Millionen Personen erhielten die vollständige Dosis, das sind 15,4 Prozent der Bevölkerung, während knapp 5,5 Millionen Menschen bzw. gut 32,7 Prozent der Bürger zumindest eine Dosis erhalten hat. 92 Prozent der Gruppe über 60 Jahre ist mit einer Dosis, 48 Prozent mit beiden Dosen versorgt.
  • Quelle: Ministerio de Sanidad

Chefvirologe Simón versucht, die Lage einzuordnen. Von einem „valencianischen Wunder“, wie die führende Tageszeitung „El País“ will er nicht sprechen, vielmehr von „dem Beleg, dass konsequente Restriktionen Wirkung gezeigt haben“. Denn man darf nicht vergessen, dass Valencia im Januar Inzidenzen von über 1.000 aufwies und die Menschen genau wissen, was sie nicht mehr erleben wollen.

Wann fallen die Masken: Spaniens Chefvirologe zu Maskenpflicht im Freien und positiven Aussichten

So war Valencia bei den Lockerungen zurückhaltender als viele andere Regionen. „Durch Ausgangssperre und frühe Sperrstunden in der Gastronomie“ verhinderte man ‚die Hauptquelle der Infektionen, den Privat- und Unterhaltungsbereich‘, so Simón. Trotz besser werdender Zahlen, sperrte Valencia seine großen Städte an Wochenenden ab und reduzierte die sozialen Kontaktmöglichkeiten für manche bis an die Grenze des Erträglichen. Doch Valencia erntet jetzt die Früchte seiner Konsequenz, „von der andere Regionen sich etwas abschauen können“. Denn dass es zu Rückfällen kommen wird, scheint unvermeidlich, auch wenn diese „Wellen“ eher regional oder lokal begrenzte sein werden, – im Einzelfall sind sie immer tragisch, zumal, wenn sie eigentlich meist zu verhindern sind.

Doch die Journalisten, die Simón bei der täglichen Pressekonferenz „grillen“, wollten von Gefahren nichts mehr wissen und löcherten Professor Simón mit Fragen, wie lange die lästigen und mit jedem Grad lästigeren Masken denn noch an der frischen Luft und überhaupt zu tragen seien. Simón antwortete, wie immer, salomonisch: „Wir können mit sowas anfangen, wenn wir eine höhere Immunisierung und noch etwas geringere Fallzahlen als jetzt haben“, aber: „Ich sehe es als sehr gut möglich an, dass die Maskenpflicht im Freien in Spanien in nicht so vielen Tagen gelockert werden kann.“ Doch: „Das kann nur funktionieren, wenn sich die Leute dann noch gründlicher an die restlichen Vorschriften halten“, sprich: Abstand, Abstand, Abstand, Gel, Händewaschen.

Genaue Daten kann und will Simón nicht nennen, „aber die Lagen“ und deutete an, dass die Maskenpflicht im Freien in gut einem Monat, also zu Ende Juni, in weiten Teilen Spaniens fallen könnte. „Aber nur, wenn das Ende des Notstands die Lage nicht wieder deutlich verschlechtert, was wir erst in ein bis zwei Wochen wissen werden“. Und zudem braucht es, damit die Masken fallen können, einen Parlamentsbeschluss.

Impfung in Spanien: Die Hälfte der Gruppe 60+ ist auf der sicheren Seite, ab Juni beginnt Impfung der Unter-50-Jährigen

Bisher warteten die Kunden auf die Impfung, bald wird es andersherum sein. Ab Juni startet in Spanien die Impfung der U50-Gruppe.

Pedro Sánchez, Spaniens Regierungschef, ist gerade besonders dankbar für jeden zählbaren Erfolg, den er vorweisen kann und nach dem Geholper zu Beginn hat sich die Impfkampagne in EU-spanischer Gemeinschaftsproduktion als ein solcher erwiesen. Am Montag erklärte Sánchez: „Heute hat Spanien die Marke von sieben Millionen vollständig geimpften Personen und 15 Millionen mit zumindest einer Dosis überschritten.

Pfizer nach AstraZeneca - Studie aus Spanien erklärt: Impf-Kombi möglich und wirksam

Während im Mai die meisten der bis 70-Jährigen vollständig geimpft sein werden, können wir im Juni mit der massiven Impfung der unter 50-Jährigen beginnen.“ Der Ryhthmus ist freilich von Region zu Region unterschiedlich, doch es geht nun Schlag auf Schlag. Gelöst wurde auch das Problem der rund 1,5 Millionen Menschen aus essentiellen Sektoren, die außerhalb der Alters-Regel mit Astra-Zeneca geimpft wurden.

Am Dienstag stellte das spanische Gesundheitsministerium ihre Studie Combivac vor, die belegen soll, dass die zweite Impfung der AstraZeneca-“Patienten“ durchaus mit dem Pfizer-Impfstoff durchgeführt werden könne, die Immunisierung sei dann ebenso gut wie mit zweimal Pfizer. Nebenbei arbeitet Spanien an eigenen Covid-Impfstoffen.

Für die derzeit fälligen 50 bis 59-Jährigen stehen in Spanien Pfizer, Moderna und Janssen bereit, AstraZeneca bleibt außen vor. Von Janssen, das wegen der ausreichenden Einmalgabe besonders beliebt ist, kamen bis dato nur 410.000 Dosen der bis Ende Juni zugesagten 5,5 Millionen an. Die unter 50-Jährigen erhalten daher zunächst Moderna oder Pfizer.

Einheitliche Reiseregeln von und nach Spanien tun Not

Mit der massiven Impfung stellt sich natürlich für viele die Frage, ob dadurch auch die Freiheiten steigen und, ob es für Geimpfte Privilegien geben solle – eine Grundsatzfrage auch von politischer Natur, da es nirgendwo in der EU eine gesetzliche Impfpflicht gibt. Pedro Sánchez sagte daher etwas leichtfertig, dass „auch Spanien noch vor dem Juli den grünen Impfpass der EU nutzen wird“. Dieses digitale Zertifikat wird eine App sein, die Auskunft über Impfung, Test oder Durchlaufen der Krankheit (in einem bestimmten Zeitraum) gibt, alles drei Kategorien, die zu den gleichen Rechten führen – bisher.

Ab 20. Mai: Reisende aus Drittstaaten dürfen geimpft in die EU - Doch Testpflicht entfällt in Spanien nicht

Denn schon in der Praxis, ändern sich die Maßgaben schnell und schleichen sich bereits auch Impfprivilegien ein. So hieß es bis eben noch, dass Rückreisende aus Nichtrisikogebieten (also zum Beispiel von Spanien nach Deutschland) bei der Einreise in Deutschland keinen negativen PCR-Test vorweisen müssten. Doch nun gilt dies nur noch für vollständig geimpfte Personen.

Bei der Einreise nach Spanien brauchen hingegen alle einen Test, ob geimpft oder nicht und egal woher sie kommen. Es sei denn, sie kommen aus Drittstaaten in die EU, denn dann haben Geimpfte seit 20. Mai wieder freien Eintritt. Eine Info, die vor allem für die spanische Tourismusindustrie wichtig ist, denn auch die Briten sind ja seit kurzem wieder Drittstaatler und für Mallorca oder Benidorm wichtige Geldbringer. Auf den Balearen hat sich unterdessen Landesministerpräsidentin Francina Armengol dazu geäußert, wie ein Sommer-Urlaub auf Mallorca aussehen dürfte*, berichtet merkur.de*.

Mehr zu den Regeln für Reisen von und nach Spanien

Urlaubssaison 2021: Tourismusindustrie und Urlauber in Spanien sehnen sich nach Erholung

Vereinheitlichung tut Not, um es den Reisenden leicht zu machen, trotz Vorsicht ihren Urlaub mit Freude zu absolvieren. Die EU ist auch deshalb gut beraten, möglichst schnell unbürokratische, einheitliche Reiseregeln durchzusetzen, um gegen die Wettbewerber außerhalb der EU in der „Schlacht“ um die Touristen, wie Ägypten, Türkei, Tunesien nicht ins Hintertreffen zu geraten. Ein smartes Covid-Management, das Sicherheit vermittelt, ohne den Reisenden zu sehr zu belasten, kann in diesem Jahr ein gewinnbringendes Argument gegen Billigkonkurrenten sein.

Die „Waffenschau“ zur diesjährigen Urlaubskampagne eröffnete Spaniens König Felipe VI am 19. Mai in Madrid mit der Reisemesse Fitur. „Recuperación“ – Erholung, Wiederherstellung, ist dort das Schlüsselwort. Ein Wort, das sich Reisebranche und Urlauber einhellig teilen. Der kommende Monat bis Ende Juni wird hinsichtlich der Impf- wie der Urlaubskampagne entscheidend. Beides wären wichtige Etappensiege im Krieg gegen das Coronavirus und die Auswirkungen der Pandemie. *costanachrichten.com, ruhr24.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.DIGITAL.

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