Impfung mit AstraZeneca in Spanien gegen Covid-19.
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Schon wieder gerät der Impfstoff von AstraZeneca in die Schlagzeilen.

Coronavirus Spanien aktuell

Spanien: Vierte Coronavirus-Welle nach Ostern unvermeidlich? - Zahlen, Links, Updates

  • Marco Schicker
    vonMarco Schicker
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Die Coronavirus-Inzidenz in Spanien steigt schon am Osterwochenende wieder, die britische Variante und die zu langsame Impfung beflügeln eine „vierte Welle“, während das Land in Europa noch gut dasteht. Frust über „Eingesperrtsein“ und die scheinbaren Sonderrechte von Promis und ausländischen Touristen nimmt zu.

Update, 7. April: Landesweiter Coronavirus Notstand in Spanien endet am 9. Mai. Was das bedeutet und was nicht, so wie mehr Aktuelles zur Entwicklung in Spanien.

Madrid - Zwar steht Spanien im Vergleich mit anderen Ländern Europas beim Coronavirus derzeit wieder - oder noch - gut da, doch der Anstieg der Inzidenz von 128 auf über 150 binnen gut einer Woche befeuert die Sorgen um eine vierte Welle. Mit 151 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen hat das Land am 3. April die Schwelle zum "hohen Risiko" wieder überschritten (epidemiologisch, nicht reisetechnisch) und wartet nun auf die "Effekte" der Osterzeit. Am 1. und 2. April wurden in Spanien knapp 10.000 neue Corona-Ansteckungen registriert. Und entlang der Küste zeichnet sich die vierte Welle besonders schon in Andalusien ab.

Britische Variante des Coronavirus wird in Spanien zur Norm

Die regionale Unterschiede in Spanien sind dabei enorm und liegen zwischen 33 neuen Fällen pro 100.000 Einwohnern in 14 Tagen in der Region Valencia und 326 in Navarra oder 267 in der Hauptstadtregion Madrid, das sich nie richtig von der dritten Welle befreit hat - und wo auch aus politischen Überlegungen heraus, die Restriktionen spanienweit am laschesten waren und sind.

Gleichzeitig steigen die Belegungszahlen in Spaniens Krankenhäusern und auf den Intensivstationen wieder leicht, aber merklich an (Details in der Liste am Ende des Beitrages) In Madrid, Katalonien und La Rioja sind die UCI-Intensivstationen schon wieder um die 35 Prozent mit Covid-Patienten belegt, was bereits als "sehr hohes Risiko" bewertet wird, während die Lage zum Beispiel in Galicien, Murcia oder auf den Balearen mit unter 10 Prozent Belegung derzeit als gut kontrolliert bewertet wird.

Sorgen bereitet den Gesundheitsbehörden der Anteil der "britischen Variante" B.1.1.7 des Sars-CoV-2. Sie ist vor allem in den nördlichen Regionen Spaniens bereits die Norm, statt die Ausnahme, im Baskenland liegt der Anteil der damit positiv Getesteten bei über 94 Prozent. Sie gilt als deutlich ansteckender als die "normale" Version, aber "hinsichtlich des Verlaufs kennen wir ihr Verhalten noch nicht genug", erklärt Joan B. Soriano, Lungenfacharzt an einem Krankenhaus in Madrid und Professor an der Universidad Autónoma gegenüber "El Mundo". "Die britische Variante ist 70 Prozent ansteckender und es gibt Hinweise darauf, dass sie auch um 50 bis 60 Prozent tödlicher sein könnte".

Impfkampagne in Spanien nimmt langsam Fahrt auf

Zwar hat die Impfkampagne in Spanien noch immer nicht das Tempo erreicht, das sich Politik und die große Mehrheit der Menschen wünschen, aber in den letzten Tagen kamen deutlich mehr Impfstoff ins Land, 77 Prozent der Ü80-Generation hat bereits ihre erste Dosis, 44 Prozent per Samstag, 3. April, ihre zweite Dosis erhalten. Es sei noch eine Frage von "Wochen", bis Spanien die "massive Impfung" der breiten Bevölkerung starten kann, derzeit werden durch die Landesgesundheitsbehörden dafür sogenannte "Impfodrome" errichtet, also große Sportanlagen, Messegelände oder Marktplätze als Impfzentren vorbereitet.

Derweil gibt es wieder Schlagzeilen rund um den AstraZeneca-Impfstoff. Aus Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden werden mittlerweile Dutzende Fälle - in Relation zur Masse der damit Geimpften immer noch ein winziger Anteil - mit Gehirnvenen-Thrombose bei mit AstraZeneca-Geimpften gemeldet und mehrere Todesfälle damit in Verbindung gebracht. Eine Studie aus Deutschland will für die Thrombosen durch AatraZeneca eine Erklärung gefunden und eine relativ einfache Detektierung sowie Behandlung haben. In Deutschland verabreicht man den Impfstoff nur noch an Menschen ab 60 Jahre, während Spanien zuvor bis 65 Jahre verabreicht hatte. Über die Risiko-Nutzen-Relation und das Hin und Her mit AstraZeneca in Spanien hatten wir bereits berichtet.

Vierte Welle nach Ostern? Spanien zwischen trügerischer Corona-Ruhe und illegalen Partys

Dennoch genießen die Spanier im Vergleich zu den Horrorzahlen beim Nachbarn in Frankreich einschließlich hartem Lockdown oder der fast doppelt so hohen Inzidenz in Deutschland oder der noch höheren in Österreich derzeit eine relativ ruhige Zeit, eine Art Corona-Pause, mit geöffneten Lokalterrassen, mal bis 18, mal bis 22.30 Uhr, je nach Region. Die im europäischen Vergleich recht lockeren Corona-Regeln ziehen Ausländer an, so berichtet auf 24vest.de* auch eine junge Auswanderin aus Bielefeld über Studenten-Partys trotz Corona in Andalusien*.

Über Ostern konnte man einiges Gedränge in den Bar-Zonen der Innenstädte beobachten und täglich immer mehr illegalen Partys, die die Polizei immer martialischer auseinander nimmt und sich dafür bereits Vorwürfe der Untergrabung des Verfassungsgrundsatzes der Unverletzlichkeit der Wohnung gefallen lassen muss. Nachts ist Ausgangssperre in Spanien und die Geduld der Spanier auch damit angesichts wärmerer Temperaturen und mehr Sonnenstunden enden wollend.

Quarantäne in Spanien nicht für alle: Frust über Touristen und Extrawürste für Fußballstars

Maske ab oder auf? Wie es an Spaniens Stränden laufen soll, wird derzeit polemisch verhandelt.

Die hohen Fallzahlen in den europäischen Zubringerländern für den spanischen Tourismus haben die Debatte über die Zulassung von ausländischem Tourismus aus Deutschland in Spanien emotional angeheizt, zumal die Spanier selbst in ihren Regionen, manchmal auch Provinzen "eingesperrt" sind und bleiben. Dass die Ausländer womöglich die vierte Welle ins Land schleppen, kann man vielen frustrierten Spaniern nicht ausreden, auch wenn die Behörden auf die obligaten negativen PCR-Tests bei der Einreise verweisen.

Real Madrid Star Marceloa „illegal“ am Strand von Valencia - Verwandte des spanischen Königs in Marbella

Die Spanier trauen ihrer Regierung und den Kontrollen nicht über den Weg, zumal, wenn sie dann Real Madrid Star Marcelo grinsend am Strand von Valencia oder den Neffen und die Nichte des spanischen Königs, Froilán und Victoria Federica, auf Fotos in Marbella sehen, für die offensichtlich mal wieder andere Regeln gelten als für das "normale Volk". Zwar berichten einzelne "Hausmeister" von der Costa Blanca, Costa del Sol oder anderen Stränden in den Sozialen Netzwerken von Madrilenen, die durch die Absperrungen der Regionen in ihre Zweitwohnungen kamen - und umgehend denunziert wurden, die große Welle der "Illegalen" schien aber über Ostern ausgeblieben zu sein.

In dieser Gemengelage kommt den Spaniern ein neues, absurd scheinendes Gesetz über die verschärfte Maskenpflicht in Spanien gerade recht, das ihnen die Maske auch am Strand aufdrücken will. Doch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Spanien (Stand: 3. April 2021)

  • Die Coronavirus-Inzidenz in Spanien je 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen beträgt in Spanien am Dienstag, 3. April 152 (24. März 132, 16. März 128). In Andalusien 133 (120, 123), Balearen 64 (52, 43), Kanarische Inseln 124 (133, 138), Castilla y León 142 (110, 106), Madrid 267 (228, 223), Murcia 62 (56, 68), Region Valencia 33 (30, 43).
  • Madrid (267), Navarra (326) und das Baskenland (258) sind, – neben den autonomen Städten Ceuta und Melilla in Nordafrika – die spanischen Schlusslichter mit Inzidenzen über der 200er Marke, knapp gefolgt von Katalonien mit 190. Nur noch vier Autonome Gemeinschaften haben eine 14-Tages-Inzidenz unter 100, vier weniger als vor zwei Wochen. Valencia (33) ist am 3. April mit Abstand die Region mit den geringsten Infektionszahlen, allerdings stieg sie auch dort von zuvor 27.
  • Der europäische Vergleich: Deutschland, 3. April 274 (23. März 199, 16. März 157), Schweiz 262 (231, 183), Frankreich 784 (580, 474), Niederlande 584 (471, 396), Österreich 501 (450, 390), Großbritannien 102 (118, 122).
  • Der Anteil der positiven Tests betrug in Spanien zum 30. März 6,5 Prozent (eine Woche zuvor 5,9 Prozent), Ende Januar waren es noch 14 Prozent. In Madrid und Aragón liegt dieser Wert mit um die 9 Prozent am höchsten, gefolgt von Andalusien mit wieder 8,6 Prozent (zuvor 7,6 und 6,6 Prozent). Murcia meldet 4,6 (3,8), die Region Valencia 3,2 (3,1).
  • Die Covid-Todesfälle beliefen sich in Spanien binnen sieben Tagen per 3. April auf 205 (23. März 337, 16. März 357), Mitte Februar waren es noch 1.300. In der vergangenen Woche starben in der Region Valencia 5 (13, 24) Menschen wegen Covid-19, in Andalusien 31 (68, 77), in Murcia noch 9 (4, 7).
  • In den letzten sieben Tagen mussten (Stand 3. April) 1.501 (1.748 in der Woche zuvor) Menschen in Spanien wegen Covid-19 neu in Krankenhäuser eingeliefert werden. Davon mussten 134 neu auf Intensivstationen, gegenüber 196 und 188 in den Vorwochen. Insgesamt werden wegen Covid-19 derzeit 8.416 (8.065, 7.926) Personen stationär behandelt, also wieder etwas mehr als in der Vorwoche, davon 1.892 (1.844) intensiv.
  • Die Auslastung der Intensivstationen durch Covid-19-Patienten beträgt landesweit am 3. April 19,2 Prozent, fast ein Punkt mehr als vor einer Woche, Ende Januar waren es 42%.
  • Die statistische Übersterblichkeit in Spanien wurde vom Nationalen Statistikinstitut (INE) für 2020 mit über 80.600 angegeben. Die noch vorläufigen Daten für 2021 weisen ein statistisches Mehr an Toten von rund 13.000 aus. Offiziell verstarben bis dato 75.500 Menschen in Spanien wegen Covid-19, laut inoffiziellen Erhebungen der Zeitung "El País" knapp 92.000.
  • Stand der Covid-Impfungen in Spanien bis 3. April: 9,7 Millionen Impfdosen wurden ausgeliefert, allein 1,5 Millionen davon in der abgelaufenen Woche. Davon entfallen 6,5 Mio. auf BioNTech/Pfizer, rund eine Million auf Moderna und knapp 2,2 Millionen auf AstraZeneca. Davon wurden bis 3. April 8,55 Millionen Dosen verabreicht, das sind rund 88 Prozent der gelieferten Dosen. 2,84 Millionen Personen erhielten mittlerweile ihre zweite Dosis, das sind ziemlich genau 6 Prozent der Bevölkerung in Spanien. Die Durchimpfung in Alters- und Pflegeheimen hat mittlerweile eine Rate von über 90 Prozent erreicht.
  • Alle Daten: Ministerio de Sanidad

Wichtige Links zum Coronavirus in Spanien

Wer aktuelle Corona-Zahlen aus seiner spanischen Gemeinde sucht, wird hier für Andalusien unter „informe diario“ hier für Murcia und hier für Valencia fündig, die wichtigsten Corona-Fallzahlen aus den Gemeinden entlang der Costa Blanca haben wir hier für Sie zusammengefasst sowie hier für die Gemeinden entlang der Costa del Sol in Andalusien.

Weitere aktuelle Entwicklungen sowie der Stand der sich stetig ändernden Corona-Restriktionen und -Regeln finden Sie hier für die Region Valencia (Costa Blanca) hier für die Region Murcia (Costa Cálida) und hier für die Region Andalusien (Costa del Sol etc).

Informationen zur Covid-Impfung für Ausländer in Spanien.
Informationen zur Wirksamkeit der Impfstoffe und zur Impfkampagne in Spanien.

Wichtige Hinweise für Reisende zur Einreise nach Spanien und Deutschland. *costanachrichten.com und 24vest.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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