Ein Mann steht mit einer Schaufel vor einem Gewässer, neben dem tote Fische auf einer Hand liegen.
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Auch am Mar Menor in Spanien wird Wasser-Klau betrieben. Zudem führen illegale Einleitungen zu Umweltkatastrophen.

Erschöpfte Quellen

Spanien legt sich trocken: WWF prangert Wasserklau im großen Stil an

  • Stephan Kippes
    VonStephan Kippes
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Der WWF hat eine erschreckende Studie über illegale Wasser-Entnahme aus wichtigen Quellen veröffentlicht: Spanien legt sich selbst trocken.

Madrid - Man mag es kaum glauben, in welchem Ausmaß in Spanien illegal Wasser entnommen wird. Allein aus den vier am schlimmsten ausgebeuteten Quellen pumpte die Agrarindustrie 2019 laut einer Studie der Umweltschützer WWF 220 Millionen Kubikmeter Wasser ab, um rund 88.000 Hektar illegale Anbaugebiete zu bewässern. Bei den vier Quellengebieten handelt es sich um die Doñana in Andalusien, das Campo de Cartagena im Mar-Menor-Gebiet, Los Arenales in Kastilien und Léon und natürlich die Daimiel-Quellen in Kastilien-La Mancha, die am schlechtesten von allen Vieren dastehen.

Wasserklau mit gigantischem Ausmaß: Illegale Anbaugebiete in Spanien

Diese Quellgebiete gelten in Fachkreisen längst als erschöpft. Es wird dort so viel Wasser entnommen, dass sie sich kaum mehr auf natürliche Weise regenerieren können. Das gilt etwa für das Feuchtgebiet um die Daimiel-Quellen, von denen im September nur noch 21 der insgesamt 1.750 Hektar unter Wasser waren. Nur mit Wasser aus den Notbrunnen konnte verhindert werden, dass der Torf in einigen Nistgebieten trocknet und Zugvögel ein ausgetrocknetes Gebiet vorgefunden hätten. Das Feuchtgebiet werde laut WWF schon nicht mehr von den unterirdischen Quellwasser gespeist.

Die Ausmaße des Wasserklaus sind schon gewaltig. Mit diesem Wasser hätte man den Angaben von WWF zufolge 65.000 olympische Schwimmbecken füllen oder die Hälfte der Bevölkerung der Region Madrids ein Jahr lang mit Trinkwasser versorgen können. „Wir haben die Fläche der illegalen Anbaugebiete gemessen und kennen die Mengen, die das Wasserwirtschaftsamt zur Bewässerung bestimmter Obst- und Gemüsesorten freigibt“, sagt Rafael Seiz, Experte für Wassertechnik beim WWF. Mit diesen Parametern ließe sich genau die Dimension des Problems errechnen, in der Doñana beziffert der WWF die Fläche illegaler Anbaugebiete auf 4.745 Hektar, im Mar-Menor-Gebiet auf 8.460, in Los Arenales auf 23.975 und bei den Tablas de Daimiel auf 51.465 Hektar. Dabei legt der WWF damit wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs frei. „Wenn es schon in bekannten Naturschutzgebieten so zugeht, was passiert dann dort, wo niemand hinschaut?“ 

Wasser nur mit Genehmigung: Europäischer Gerichtshof verurteilt Spanien

Landwirte dürfen Quellwasser nur mit Genehmigung der öffentlichen Verwaltungen entnehmen. Diese Genehmigungen seien stets an eine bestimmte Menge gebunden. In der Praxis, so der WWF, würden Landwirte oftmals weit über die ihnen autorisierte Mengen hinaus Anbaugebiete bewässern. Die Behörden wüssten nämlich gar nicht, wie viel Wasser entnommen würde. Ferner würde die öffentliche Hand indirekt die Ausbeutung fördern, da sie die Wasserrechte ohne Rücksicht auf die Reserven vergeben und die Umstellung vom Trockenanbau zur intensiven Landwirtschaft unterstützen, etwa im Los-Arenales-Gebiet in Kastilien-León, wo statt Wein und Mandeln nun im großen Stil Getreide, Kartoffeln, Mais, Rüben und Futterpflanzen angebaut werden.  

Im Doñana-Gebiet griff das spanische Umweltministerium ein und hat 170 illegale Brunnen dichtgemacht. Trotzdem sah der Europäische Gerichtshof in den Wasserentnahmen einen Verstoß gegen europäisches Recht und verurteilte den spanischen Staat. Anders dagegen schildert der WWF die Situation am Mar Menor, wo aufgrund der Entsalzungsanlagen und des Kanalwassers vom Tajo-Segura große Mengen mit Pflanzenschutzmitteln und Nitraten belastetes Wasser in das Binnenmeer eingeleitet wird. Zuletzt kollabierte das Mar Menor im August. Seitdem haben wiederholt Protestaktionen die Öffentlichkeit auf die ökologische Katastrophe aufmerksam gemacht. 

WWF kritisiert Spanien für Umgang mit Wasser scharf

Der WWF geht harsch mit Spanien und seinem Umgang mit dem Quellwasser ins Gericht. Gerade im aktuellen Kontext des Klimawandels müsse das Quellwasser unter der Erde als ein wichtiges Reservoir geschützt werden. Man müsse den wasserintensiven Anbau an Obst und Gemüse daher viel strenger kontrollieren, zumal viele Anbaugebiete gar nicht abgeerntet würden, wenn die Marktpreise nicht rentabel ausfielen. Der Raubbau am Quellwasser führe zu „einer drastischen Reduzierung der Zuflüsse in Flüsse und Feuchtgebiete“, hätte gravierende Folgen für die Artenvielfalt und bewirke, dass die Wasserstände immer weiter sinken und nicht mehr an die Oberfläche gelangen. Der WWF spricht von einem „Vergehen an der Natur“ und fordert die Behörden auf, es zu bekämpfen, die illegale Wasserentnahme zu beenden, das Wassergesetz zu modernisieren und Kontrollmechanismen bei der Bewässerung zu modernisieren und auszubauen.

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