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Terror-Anschlag in Algeciras: Marokkaner tötet Kirchendiener, verletzt vier Menschen - Hintergründe

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Von: Marco Schicker

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Opfer eines Terroranschlags in Spanien.
Algeciras: Spanische Polizei bewacht die Leiche des von einem Islamisten getöteten Messdieners. © EFE

In Algeciras, im äußersten Süden von Spanien, sind zwei Kirchen von einem Einzeltäter mit Machete angegriffen worden. Unter den Verletzten ist ein Pfarrer, ein Messner wurde ermordet. Die Staatsanwaltschaft ging zunächst von einem „islamistischem Terroranschlag“ aus.

Update, 27. Januar: Spanische Medien fingen nach dem Attentat in Ageciras Stimmen aus der Nachbarschaft des Täters ein: Der 35-jährige Yasine Kanjaa lebte danach in völlig verwahrlosten Umständen im Parterre eines Abriss-Hauses. Er soll, so sagten es ebenfalls marokkanische Nachbarn aus, zunächst den Drogen verfallen sein, öfter Ärger im Viertel gemacht haben, schwor dann den Drogen ab und „begann zu beten, radikalisierte sich, schien aber auch vom Teufel besessen“. Laut Polizei sei er zwar mehrfach auffällig geworden, aber nie rechtskräftig verurteilt worden, dennoch stand wohl seine Abschiebung kurz bevor. Die ermittelnden Behörden fanden kein islamistisches Propagandamaterial und auch keine Kontakte in die Szene und sprechen von einem Einzeltäter mit psychischen Auffälligkeiten.

Erstmeldung, 26. Januar, 1.00 Uhr: Algeciras - Es war gegen 19.00 Uhr am Mittwoch, 25. Januar, als ein Mann in die Kirche San Isidro in der andalusischen Hafenstadt Algeciras, unweit von Gibraltar eindringt und die darin betenden Menschen in aggressiver Weise auffordert, sich dem Islam zuzuwenden. Er sei nach Diskussionen gegangen und ungefähr 20 Minuten später wiedergekommen, bewaffnet mit einer Machete und verletzte den Pfarrer schwer, erklärte die spanische Polizei den Tathergang.

Spanien: Islamist läuft mit Machete Amok in zwei Kirchen - Ein Toter, mehrere Verletzte

Danach sei der mittlerweile verhaftete 35-jährige Yasine Kanjaa, marokkanischer Staatsbürger, in die Kirche Iglesia de La Palma gelaufen, die sich nur rund 200 Meter entfernt befindet und wo auch gerade ein Gottesdienst gefeiert wurde. Mit der Machete schlug er zunächst auf Heiligenbilder, Kerzen und Kreuze ein. Der sacristán, der Messdiener, versuchte, den Mann aus der Kirche zu drängen. Nach einigem Gerangel verfolgte der Täter den Mesner bis auf die zentrale Plaza Alta von Algeciras, wo er ihn mit mehreren Hieben und Stichen tötete. Nach einer kurzen Flucht in eine nahe Kapelle konnte er von Polizisten der Ortspolizei der 122.000-Einwohner-Stadt Algeciras gestellt und verhaftet werden.

Spanische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen islamistischem Terror

Ein Schiff liegt im Hafen von Algeciras, davor steht eine lange Autoschlange.
Die Hafenstadt Algeciras ist mit ihren Fähren eine Schlüsselstadt bei der jährlichen „Operation Meerenge“ zwischen Marokko und Spanien. © A.Carrasco Ragel/EFE

Mittlerweile haben Agenten der Antiterroreinheit des spanischen Innenministeriums den Täter übernommen, die Staatsanwaltschaft des Obersten Strafgerichtes ermittelt „wegen eines mutmaßlichen terroristischen Anschlags mit islamistischen Motiven“ gegen den bis dato nicht vorbestraften Mann, ergänzte aber, dass alle Umstände und Möglichkeiten geprüft würden. Noch in der Nacht wurden die Wohnung des Täters durchsucht, die sich unweit der Tatorte befindet, nahestehende Personen wurden befragt, von weiteren Verhaftungen ist nichts bekannt.

Das Rathaus rief einen Tag Trauer für den ermordeten Messdiener David Valencia aus, der verletzte Pfarrer Antonio Rodríguez liege im Krankenhaus im künstlichen Koma, sein Zustand sei kritisch. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez meldete sich über Twitter zu Wort und überbrachte sein Mitgefühl den Angehörigen der Opfer und sagte den ermittelnden Behörden seine volle Unterstützung zu. Zahlreiche geschockte Beileidsbekundungen kamen von allen Parteien sowie Kirchenvertretern.

Verhaftungen von Islamisten in Spanien - Kooperation mit Marokko

2022 wurden in Spanien laut Innenministerium 53 Personen unter „Dshihadismusverdacht“, wie es hier heißt, also unter dem Verdacht, einer islamistisch motivierten Terrorgruppe anzugehören oder Terrorismus zu unterstützen, verhaftet, im Januar 2023 bisher vier. In zwei Operationen seit vorigem Oktober schlugen die Sicherheitskräfte zeitgleich in Spanien und Marokko zu, wobei 13 Personen in Marokko und 11 in Spanien verhaftet wurden, weil sie versuchten, Jugendliche in der spanischen Exklave Melilla anzuwerben.

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